Nordbayrischer Kurier, 7. Februar 1997

Spielabbruch nach dem zweiten Drittel

Vilshofener Torwart mit Daumenbruch / ESVB-Team nach 13:1 fast sicher in Zweitliga-Aufstiegsrunde

 

Ein Novum in der langen Bayreuther Eishockey-Geschichte ereignete sich am gestrigen Abend im vorletzten Heimspiel des ESVB in der Bayernliga-Meisterrunde: Die Partie wurde nach dem zweiten Drittel beim Stande von 13:1 (4:1, 9:0) für den souveränen Spitzenreiter Bayreuth abgebrochen, weil sich der Torhüter des ESC Vilshofen den Bruch eines Daumenknochens zugezogen hatte. Nachdem sich kein Vilshofener Feldspieler bereit fand, sich ins Tor seiner Mannschaft zu stellen, entschieden die Unparteiischen auf Spielabbruch.

 

Nach ESVB-Rücksprache mit der Spielleitung wird die Partie mit 13:1 für den souveränen Spitzenreiter gewertet, der damit seine imponierende Serie auf 19:1 Punkte ausbaute. Damit dürfte er die "Fahrkarte" für die Zweitliga-Aufstiegsrunde so gut wie sicher in der Tasche haben.

 

Trotz personeller Probleme sollte morgen auch das Rückspiel in Vilshofen sicher unter Dach und Fach gebracht werden. Gestern mußten die Wagnerstädter neben dem angeschlagenen Ponitz auch noch auf Mazuryk (krank) verzichten, während morgen die beruflich verhinderten Habnitt und Barnet ebenfalls fehlen. Doch das Torwart-Problem der Einheimischen ist vermutlich noch gravierender.

 

Der Gast war gestern nur mit einem Keeper angereist, und der verletzte sich unglücklicherweise schon beim Aufwärmtraining. Karlheinz Duschl wurde zwar behandelt, doch bereits nach 36. Minuten, als der Schlußmann bei einer Aus-Zeit erneut behandelt werden mußte, deutete sich ein Spielabruch an. Vorher hatte er fast im Minutentakt Treffer kassiert.

 

Die Wagnerstäder hatten mit viel Schwung begonnen. Druckvolle Aktionen bescherten in der 4. und 5. Minute innerhalb von 110 Sekunden eine leicht herausgespielte 3:0-Führung, ehe dann ausgerechnet bei 5:3-Überzahl der Faden kurzzeitig verloren ging. Ein unpräzises Powerplay wurde abgelauscht und Vilshofens kaltschnäuziger Kanadier Rutlege markierte das 1:3. Mit etwas Glück hätte er Sekunden später bei einer weiteren Einzelaktion sogar den zweiten Treffer in dieser Unterzahlsituation geschafft, in der sich die Einheimischen keine einzige zwingende Chance erarbeiten konnten. Zwar glückte Herberholz in der 12. Minute das 4:1, doch der Sand im Getriebe der Einheimischen knirschte unüberhörbar. Als sich in der 15. Minute McKinley mit der Faust zwei plus zwei Strafminuten "abgeholt" hatte, geriet der ESVB in Unterzahl sogar unter Druck. Mit Glanztaten gegen den freistehenden Frank und Rutlege verhinderte der zuverlässige Torwart S. Bärnreuther einen weiteren Gegentreffer.

 

Dampf machten die Oberfranken wieder im zweiten Drittel. Das "kuroise Gegenstück" zum ersten Abschnitt: Während einer 4:5-Unterzahlsituation sorgten drei fein herausgespielte Treffer für Hochstimmung auf den Rängen. Das Tor des Tages markierte "Kapitän" Zimmermann mit einem Weitschußknaller unter die Latte (11:1), ehe man mit einem Bilderbuch-Überzahlspiel den Schlußpunkt zum 13:1 setzte.

 

Mit vier Treffern avancierte Weingran zum besten Schützen, während von McKinley wiederum die meiste Wirkung ausging. Er traf zwar nur einmal, doch bereite er sechs Treffer vor. Fünf Skorerpunkte (2 Tore, 3 Vorlagen) sammelte der stets torgefährliche Schwindl.

 

Tore: 1:0 (4.) Cameron (Fof), 2:0 (4.) Herberholz (McKinley, Schwindl), 3:0 (5.) Schwindl (McKinley), 3:1 (7.) Rutlege 3 gegen 5, 4:1 (12.) Herberholz (McKinley, Haussels), 5:1 (21.) Barnet (McKinley, Schwindl), 6:1 (25.) Weingran (H. Bärnreuther 4 gegen 5), 7:1 (26.) Weingran (H. Bärnreuther 4 gegen 5), 8:1 (27.) McKinley (Schwindl 4 gegen 5), 9:1 (28.) Schneider (Fof), 10:1 (32.) Schwindl (McKinley, Herberholz 5 gegen 4), 11:1 (33.) Zimmermann, 12:1 (34.) Weingran (Barnet, S. Bärnreuther), 13:1 (37.) Weingran (McKinley, Haussels 5 gegen 4);

Strafminuten: ESVB 12 plus 10 gegen Fof (Reklamieren), Vilshofen 12;

Zuschauer: 900.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth