Nordbayrischer Kurier 6.Oktober 1997
Abschluß das Manko

Kampfstarker ESVB bot Paroli /2:3 beim Nachbarrivalen Haßfurt
"Leider hatten wir im ersten und zweiten Drittel keinen Vollstrecker in unseren Reihen, denn sonst wäre eine Überraschung durchaus möglich gewesen", sinnierte Trainer Ivan Horak nach der vermeidbaren 2:3(0:1,0:1, 2:1)-Niederlage des ESV Bayreuth im Zweitliga-Frankenderby beim mit Erstligaambitionen gestarteten ERC Haßfurt. "Mit der Leistung meines Teams war ich ansonsten zufrieden", meinte der Coach. "Unsere Truppe hat schließlich alles gegeben und war bis zur Schlußsirene um den Ausgleich bemüht. Das geht in Ordnung, obwohl wir verloren haben", akzeptierte ESVB-Vorsitzender Konrad Böhner das Ergebnis, während Haßfurts Trainer Werner Cecco ergänzte: "Wir hatten Aufsteiger Bayreuth nicht so stark erwartet. "
Tatsächlich mußten die Haßfurter Anhänger unter den rund 2500 Zuschauern bis zur Schlußsekunde um den knappen Vorsprung ihres Teams bangen. Nach einer Auszeit machte Torhüter Habnitt in den letzten fünf Sekunden Platz für einen zusätzlichen Stürmer, doch zum ernsthaften Torschuß kam der ESVB nicht mehr. Letztlich trauerten die Wagnerstädter ihren klaren Chancen im ersten Drittel nach. Mit 15:7 wies die offizielle Torschußstatistik deutliche Vorteile für die Gäste aus, doch das 1:0 hatten die Unterfranken vorgelegt, die verkrampft begonnen hatten. Daß der einheimische Paradeblock um die lange blassen Kanadier Gardner und Fiesel nicht so recht auf Touren kam, lag am Paradeblock der Gäste um die fleißig arbeitenden Stevens, Pepin und Goerlitz sowie den überragenden Verteidiger Doll.
Eine frühe Führung der schwungvoll gestarteten Bayreuther verhinderte aber ERCTorhüterneuzugang Schneider. Der Ex-Selber, der letztlich zum Matchwinner seines Teams avancierte, stand in den ersten zehn Minuten viermal im Brennpunkt, als er gegen Stevens (4.), Meixner (7. und 8.) sowie gegen Vire (9.) glänzend rettete, ehe der zuverlässige ESVB-Keeper Habnitt in der 11. Minute erstmals ernsthaft geprüft (Fiesel) wurde. Ungenutzt blieben anschließend zwei Strafzeiten gegen die ERC-Stürmer Sakac (11.) und Mix (15.), wobei beim Überzahlspiel ein knallharter Schütze von der blauen Linie (wie einst Jeff Pyle) vermißt wurde. Ärgerlich: Ausgerechnet eine lasche Überzahl-Aktion von Barnet leitete das 1:0 der Haßfurter ein. Er ließ sich von Sakac die Scheibe abnehmen und konnte im Nachsetzen nur auf Kosten einer Strafzeit vorerst klären. Beim anschließenden Powerplaytreffer der Unterfranken monierten die Gäste vergeblich auf hohen Stock des Schützen Mix. "Der ESVB hätte eigentlich mit zwei Treffern in Front liegen müssen", kommentierte der letztjährige Torjäger Jamie McKinley (jetzt Spielertrainer in Schweinfurt) als aufmerksamer Beobachter treffend.
Ausgeglichen verliefen die beiden weiteren Abschnitte, wobei Ponitz (24.), Doll (24.), Vire (25.) und Pepin (26.) jeweils an ERC-Schlußmann Schneider scheiterten, ehe die Einheimischen während einer vier Minuten langen Druckphase die ESVB-Abwehr beinahe aus den Angeln hoben. Crombeen (27.), Krause, Pokorny (29.) und Fiesel (30.) verzeichneten Hochkaräter. Nur wenige Sekunden vor dem 2:0 der Unterfranken vergab Stevens nach einem plazierten Pepin-Paß eine Hundertprozentige. Mit der Brechstange drängten dann die Gäste auf den Anschlußtreffer, den Stevens (35. u. 39.), Silvenoinnen (38.) und H. Bärnreuther (40.) auf dem Stock hatten. Beim Durcheinander in der ERC-Abwehr leistete sich Verteidiger Maly ein böses Stockfoul gegen Pepin 39.), der sich zur Wehr setzte und damit Prügelszenen auslöste. Die Folge: Maly mußte zum Duschen.
Glück hatten die Gäste zu Beginn des Schlußdrittels als Plattner (42.), Gardner und Forster (45.) nur ungenau Maß nahmen, ehe der auf zwei Reihen umgestellte ESVB durch Meixner (45.) mit dem 1:2 für Spannung sorgte. Nur Sekunden später "klopften" Bokenfohr und Pepin an und der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit. Doch dann patzte Junioren-Verteidiger Bartos im Spielaufbau, Sakac markierte das 3:1. Es sprach für die Moral der Gäste, daß sich davon nicht entmutigen ließen und weiter die Offensive forcierten. Noch vor Stevens Flachschuß zum 2:3(54.) hätte H. Bärnreuther in bester Position treffen müssen, während bei einem Break in Unterzahl Pepin den Ausgleich verpaßte. Das Zittern der Einheimischen hätte allerdings der erstligaerfahrene Pokorny bei zwei klaren Chancen in der 58. Minute vorzeitig beenden müssen.
Die meiste Offensivwirkung erzielten Stevens, Pepin und Bokenfohr, der allerdings im zweiten Sturm oft ohne Unterstützung blieb. Ponitz kam kaum in Schußposition und die Aktionen H. Bärnreuthers wirkten meist konfus. Der dritte Sturm war in erster Linie mit Defensivaufgaben beschäftigt. In der Verteidigung tat sich neben Doll noch Meixner hervor, während Coach Horak im Schlußdrittel dem jungen Bartos den Vorzug gab und Silvenionnen sitzen ließ.
ERC Haßfurt: Schneider - Dornic, Maly; Krause, Plattner; Forster, Berndaner - Sakac, Fiesel, Gardner; Crombeen, Pokorny, Koslowski; Fritz, Mix, Neumann.
ESV Bayreuth: Habnitt - Barnet, Doll; Meixner, Silvenionnen, Bartos - Stevens, Pepin, Goerlitz; Bokenfohr, Ponitz, H. Bärnreuther; Asanger, Vire, Schwindl.
SR: Altmann (Straubing);
Zuschauer: 2500;
Strafzeiten: Haßfurt 16 plus 5 plus Spieldauerd. gegen Maly (Stockschlagen), Bayreuth 20.
Tore: 1:0 (17.) Mix -5 gegen 4, 2:0 (32.) Koslowski (Fiesel), 2:1(45.) Meixner (Schwindl, Goerlitz), 3:1 (47.) Sakac 3:2 (54.) Stevens (Pepin, Bokenfohr).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth