Nordbayrischer Kurier 20. Oktober 1997
Kein Ruhmesblatt für ESV

Mäßiger Auftritt beim 7:5-Sieg gegen Schlußlicht Königsbrunn
Die Einstimmung auf die anstehenden Duelle mit Spitzenmannschaften aus der 2. Liga klappte nicht nach den Vorstellungen der Verantwortlichen und Anhänger: Im bisher schwächsten Saisonheimspiel begnügte sich das Eishockeyteam des ESV Bayreuth mit einem glanzlosen 7:5 (4:0, 1:1, 2:4) gegen den punktelosen Tabellenletzten TSV Königsbrunn und verriet vor allem im Schlußdrittel gravierende Mängel in fast allen Belangen.Für das Kräftemessen am kommenden Freitag beim ambitionierten TuS Geretsried und am Sonntag vor heimischer Kulisse gegen Altmeister EV Füssen ist eine erhebliche Steigerung notwendig, soll die bisher glänzende Ausgangsposition (jetzt 18 Punkte) im Rennen um die ersten acht Aufstiegsrundenplätze nicht verspielt werden.
"So wie unsere Mannschaft im zweiten und letzten Drittel spielte, verärgern wir unsere Zuschauer", brachte es ESVB-Vorsitzender Konrad Böhner nach der Schlußsirene auf den Punkt. Nichts beschönigen wollte auch Trainer Iwan Horak, der seine Schützlinge allerdings in Schutz nahm. "Die ausgezeichnete Vorstellung am Freitag abend beim EHC Klostersee hat uns enorm viel Kraft gekostet. Wir hatten Chancen ohne Ende, aber gegen die destruktive Spielweise der Königsbrunner konnten wir einfach nicht gut aussehen."
Alles recht und gut, doch ein bißchen mehr hätte es schon sein dürfen. Auffällig die Konzentrationsschwächen aller Akteure. Mit Ausnahme der Schlußminuten im ersten Drittel verzeichneten die Einheimischen viele Leerlaufphasen. Mit engmaschigen Aktionen vor dem Gehäuse der Gäste kam man der sicherlich nicht schönen Spielweise des Schlußlichts entscheidend entgegen. Hinzu kamen zu durchsichtig vorgetragene Angriffe, wobei unpräzises Paßspiel den Kombinationsfluß erheblich störte.Die Patzer in der Defensive wurden erst im Schlußdrittel vom konsequenten kanadischen Königsbrunner Torjäger Bick (4 Treffer) bestraft, der im zweiten Drittel zwölf Minuten auf der Strafbank verbracht hatte. Zum Glück?
Ob es am Torhüterwechsel nach der ersten Pause gelegen hatte, weshalb das ESVB-Spiel danach an allen Ecken und Enden krankte? Eins vorweg: Nachwuchskeeper Schmidt hielt im Rahmen seiner Möglichkeiten, doch wurde er von seinen Vorderleuten wiederholt im Stich gelassen.Mängel in der Defensivarbeit müssen sich auch die Stürmer ankreiden lassen, die in ihrem Bereich fast fahrlässig mit ihren Chancen umgingen. Mit größerer Konzentration im Abschluß hätte gegen den spielerisch schwachen Gegner ein Schützenfest herausspringen müssen.Trainer Horak muß sich den Vorwurf gefallen lassen, nur wenig für eine Änderung der Situation beigetragen zu haben. Umstellung der Formationen heißt ein Mittel, wenn nur noch wenig geht. Kurze Denkpausen können kurzfristig einiges bewirken und die hätten gestern eine Reihe von Spielern verdient gehabt. Wenn Leistungsträger wie Pepin oder Stevens mal eine Durststrecke haben, müssen andere in die Bresche springen. Doch weder der DEL-erfahrene Goerlitz noch Asanger konnten Akzente setzen. Obwohl ihm beileibe nicht alles glückte, erzielte Bokenfohr in der Offensive die meiste Wirkung und auch H. Bärnreuther konnte mit Abstrichen als Vollstrecker gefallen. Als auffälligster Akteur im dritten Sturm tat sich lange Vire hervor. untergegangen ist hingegen das Debüt von Junioren-Verteidiger Roman Weilert, der in den Zweikämpfen noch Erfahrung sammeln muß. Es spricht zweifellos für die Arbeit von Trainer Horak, daß er einheimischen Talenten immer wieder Chancen einräumt.
Gästetrainer Christian Deichstätter wertete es als Erfolg seiner Truppe, daß sie das Schlußdrittel zu ihren Gunsten entscheiden konnte. Wesentlichen Anteil daran, daß der Tabellenletzte letztlich in Bayreuth davonkam, hatte Torwart Rommelsbacher, dem wiederholt auch das Glück des Tüchtigen zur Seite stand. So. u.a. bei Pepins Pfostenknaller in der 36. Minute.
ESV Bayreuth: Habnitt (ab 21. Schmidt) - Zimmermann, Doll; Meixner, Bartos; Richter; Weilert - Stevens, Pepin, Goerlitz; Bokenfohr, Ponitz, H. Bärnreuther; Asanger, Vire, Weingran; Schwindl.
ESV Königsbrunn: Rommelspacher - Sajdl, Kuhn; Zieglebner, Emminger; Nießner - Zellhuber, Zittlau, Bick; Augst, Knechtl, Schreiber; Schmidl, Brehm, Mengele.
SR: Barton (Roßdorf);
Zuschauer: 1400;
Strafminuten: Bayreuth 8, Königsbrunn 16 plus 10 gegen Bick.
Tore: 1:0 (4.) Pepin (Bokenfohr - 5 gegen 4), 2:0 (15.) Bokenfohr (Habnitt), 3:0 (16.) Stevens (Pepin), 4:0 (17.) H. Bärnreuther (Bokenfohr), 5:0 (24.) H. Bärnreuther (Meixner, Weingran - 5 gegen 4), 5:1 (34.) Zellhuber, 6:1 (43.) Schwindl (Asanger, Bartos), 6:2 (48.) Bick (Zittlau, Zellhuber - 4 gegen 4), 6:3 (51.) Bick (Zellhuber, Zittlau), 6:4 (56.) Bick (Knechtl), 7:4 (57.) Pepin (Stevens, Goerlitz), 7:5 (57.) Bick (Zittlau).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth