Nordbayrischer Kurier 27. Oktober 1997
Fünf Treffer des ESVB in Überzahl

Zwei Drittel lang gegen den EV Füssen im Stile einer Spitzenmannschaft / Verdienter 8:5-Erfolg
Zwei Tage nach dem vielbeachteten 6:5 (nach Penaltyschießen) beim Ex-Erstligisten TuS Geretsried präsentierte sich das Eishockeyteam gestern im Heimspiel gegen den EV Füssen zwei Drittel lang im Stile einer Spitzenmannschaft. Beim verdienten 8:5 (4:2, 3:0, 1:3)-Erfolg erwies sich das zuletzt kritisierte Überzahlspiel als Trumpfkarte der Horak-Schützlinge, die mit fünf Powerplaytreffern für die entscheidende Weichenstellung sorgten.Mit einem Kontostand von 23 Punkten hat sich der auf Position vier rangierende Neuling vorerst im Spitzenfeld etabliert. Und keine Zweifel: In dieser Verfassung ist das Erreichen der Erstligaaufstiegsrunde der ersten acht Teams keine Utopie mehr. Einen weiteren Schritt in diese Richtung können Doll und Co. am Freitag im Heimspiel gegen den ESC Dorfen (Beginn 19.30 Uhr) unternehmen, ehe am Sonntag die Hürde beim Spitzenreiter EHC Straubing wartet.
Daß die Einheimischen im Schlußdrittel doch noch unter Druck gerieten, lag mit Sicherheit am enormen Kräfteverschleiß sowie am Torhüter-Personalproblem. Habnitt (Adduktoren-Zerrung) stand überhaupt nicht zur Verfügung und S. Bärnreuther mußte verletzungsbedingt im zweiten Drittel Platz machen für Nachwuchskeeper Schmidt. Der Junior machte seine Sache ordentlich, doch seine Vorderleute bekamen das "große Zittern", als die im Schlußdrittel enorm zulegenden Füssener das Geschehen an sich rissen und bereits nach 21 Sekunden trafen. Nach zwei Durchgängen mit Schwerpunkten in der Offensive wurden die Einheimischen zur Abwehrschlacht gezwungen, wobei die Allgäuer in der 57. Minute mit dem Tor zum 5:7 gefährlich nahe kamen. Knöpfler verfehlte aus kurzer Distanz 117 Sekunden vor Schluß das fast sichere Anschlußtor, ehe der Gast 62 Sekunden vor der Sirene seinen Keeper zugunsten eines zusätzlichen Stürmers vom Eis holte. Das Risiko zahlte sich nicht aus, denn der wiederum überzeugende Pepin lauschte" einen Paß ab und sorgte neun Sekunden später mit seinem Einschuß zum 8:5 endgültig für klare Verhältnisse.Eine Einbuße hätten die Oberfranken nicht verdient gehabt. Sie präsentierten sich 40 Minuten lang erstaunlich kombinationssicher und überzeugten dabei durch mannschaftliche Geschlossenheit - auch in der Defensivarbeit. Sie ließen unmittelbar nach dem Torwartwechsel in der 21. Minute im zweiten Drittel nur drei Chancen der Allgäuer zu, wobei Vacca (30.) nur die Latte traf. Vorher hatte der wiedergenesene und starke ESVB-Stürmer Filgis nur den Innenpfosten getroffen (28.). "Das waren das beste erste und zweite Drittel in dieser Saison", zog ESVB-Trainer Ivan Horak einzufriedenes Fazit. "Meine Mannschaft zeigte eine gute Reaktion auf die Kritik am letzten Sonntag", ergänzte der Coach. "In Überzahl erzielten wir sogar eine optimale Ausbeute, obwohl wir das Powerplayspiel in den letzten Tagen gar nicht forciert hatten." Sein Dank galt dem angeschlagenen Torhüter S. Bärnreuther, der trotz großer Schmerzen am Freitag und gestern zur Verfügung stand. "Unserem Nachwuchstorwart Schmidt sind die drei Tore im Schlußdrittel nicht anzulasten." Wirkungsvollster Gästestürmer war der Schwede Boldt, der im Vorjahr noch beim DEL-Klub Augsburg spielte. Mit unnötigen Strafzeigen verwischte Hämäläinen seinen guten Eindruck.
ESV Bayreuth: S. Bärnreuther (ab 21. Schmidt) - Zimmermann, Doll; Meixner, Bartos; Barnet, Richter; Silvenoinnen - Stevens, Pepin, Goerlitz; Bokenfohr, Ponitz, H. Bärnreuther; Asanger, Filgis, Vire.
EV Füssen: Jung (ab 41. Zellhuber),- Hämäläinen, Weisenbach; Feller, Mastalski; Egger, Balzarek - Boldt, Switzer, Varianov; Hartmann, Vacca, Sänger; Stetter, Kehle, Brcic; Knöpfler, Zobel.
SR: Deubert (Bad Kissingen),
Zuschauer: 1429;
Strafminuten: Bayreuth 8, Füssen 16.
Tore: 1:0 (4.) Stevens (Zimmermann, Pepin - 5 gegen 4), 2:0 (6.) Bokenfohr (Pepin, Zimmermann - 5 gegen 4), 2:1 (9.) Boldt (Vacca, Hämäläinen - 5 gegen 4), 3:1 (13.) Pepin (Filgis - 5 gegen 4), 3:2 (17.) Boldt (Svitzer, Hämäläinen), 4:2 (20.) Vire, 5:2 (26.) Stevens (Pepin, Bokenfohr - 5 gegen 4), 6:2 (37.) Filgis (Zimmermann - 4 gegen 4), 7:2 (39.) Meixner (Ponitz, Goerlitz - 5 gegen 4), 7:3 (41.) Switzer (Boldt, Hämäläinen), 7:4 845.) Boldt (Kehle, Switzer), 7:5 (57.) Vacca (Sänger, Mastalski), 8:5 (60.) Pepin - 5 gegen 6.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth