Nordbayrischer Kurier , 15.November 1997
Sturmlauf im Schlußdrittel belohnt

ESVB-Eishockeyteam nach Rückständen noch mit 5:4-Sieg über clever agierenden EV Ravensburg
Um Haaresbreite schrammte Neuling ESV Bayreuth an der ersten Einbuße auf eigenem Eis vorbei. Im Heimspiel der 2. Eishockey-Liga Süd lag der ESVB gegen den clever und phasenweise zielstrebiger agierenden Ex-Erstligisten EV Ravensburg mit 0:2 und 3:4 im Rückstand, ehe ein Sturmlauf im Schlußdrittel den Umschwung zum 5:4 (3:3, 0:1, 2:0)-Sieg einleitete und Bayreuth einen Platz im Spitzenfeld sicherte.
Unter keinem guten Stern stand das Anfangsdrittel der Franken, die bis zur siebten Minute mit 0:2 im Rückstand lagen und Verteidiger Meixner in der 5. Minute nach einem Bandencheck der in den Zweikämpfen oft wenig zimperlichen Gäste verletzt vom Eis mußte. Während der Abwehrspieler nach einer Behandlungspause im zweiten Drittel unter Schmerzen wieder mitwirken konnte, erwischte es den in den letzten Wochen zum Leistungsträger avancierten ESVB-Junior Bartos schwerer. Nach einem unglücklichen Zusammenprall zog er sich einen Schlüsselbeinbruch zu. Ein dritter Verteidiger stand im Kreuzfeuer der Kritik: Drei schwere Patzer Silvenionnens waren ausschlaggebend dafür, daß die Wagnerstädter nicht mit einer Führung in die erste Drittelpause gehen konnten. Alle drei Gegentore waren nämlich dem offensichtlich indisponierten Finnen anzulasten. Beim frühen 0:1 sowie beim 3:3 fünf Sekunden vor der Pausensirene waren die Oberfranken jeweils in Scheibenbesitz, ehe Silvenoinnen die Gäste mit haaresträubenden Abspielfehlern in beste Schußposition brachte. Beim 0:2 stand Silvenionnen direkt neben dem Schützen, ohne den Slowaken Scepko zu attackieren. Für Eishockey ohne jeglichen Körpereinsatz ist der Finne in der 2. Liga deplaziert. Daß die Felle trotz weiterer zwingender Chancen der Ravensburger noch nicht davongeschwommen waren, lag am reaktionsschnellen ESVB-Torwart S. Bärnreuther sowie an Einzelleistungen der Stürmer. Zweimal im Nachsetzen glich der verbesserte Goerlitz aus, ehe Pepin mit seinem Treffer zum 3:2 einm spielerisches Glanzlicht setzte. Wie Slalomstangen umkurvte er zwei EVR-Abwehrspieler und verlud auch den Gästekeeper.
Dagegen hatten zwingende Aktionen der Horak-Schützlinge im zweiten Abschnitt Seltenheitswert. Die offensichtlich verunsicherten Oberfranken hatten mit dem frühen Forechecking der gewitzten Oberschwaben sichtliche Probleme und fanden keinerlei spielerische Linie. Ein von H. Bärnreuther in der 38. Minute kläglich vergebener Alleingang war die einzige Möglichkeit der Einheimischen, die mit dem knappen Rückstand sogar gut bedient waren. Beim 3:4 hatte mit Zimmermann wieder ein ESVB-Verteidiger Schützenhilfe geleistet, wie überhaupt die Abwehr wackelte, wenn die Russen Loschkin und Agejkin ins Angriffsdrittel steuerten. Rettete TW S. Bärnreuther gegen die freistehenden Häfele (32.) und Repka (33.), hatte er beim einem Polak-Pfostenschuß (40.) Glück. Ein glückliches Händchen hatte ESVB-Trainer Horak, der ab der 28. Minute Schwindl für Ponitz (Verdacht auf Rippenbruch) brachte und im Schlußdrittel auf zwei Blöcke umstellte. Im ersten Sturm sorgte das kanadische Trio Stevens, Pepin und Bokenfohr für Dauerdruck, während der Coach im zweiten Sturm auf die jungen Goerlitz, Asanger und Schwindl setzte und auf die Routiniers Filgis und H. Bärnreuther verzichtete.
Die Rechnung ging auf. Schon vor dem Ausgleich durch Stevens im Nachsetzen hatten Bokenfohr (42.) und Schwindl (46.) tolle Chancen, ehe Asanger in der 52. Minute nach einem überlegten Schwindl-Zuspiel mit einem Flachschuß das 5:4-Siegtor markierte. Dem möglichen Ausgleich verhinderte TW S. Bärnreuther mit einer Glanztat bei einem Agejkin-Geschoß (57.), ehe sich der überzeugende Loschkin bei einem Gerangel in der 58. Minute eine Spieldauerdisziplinarstrafe einhandelte. Dennoch mußte der ESVB bis zur Sirene um den knappen Vorsprung bangen.
ESV Bayreuth: S. Bärnreuther - Zimmermann, Doll; Meixner, Bartos; Barnet, Silvenionnen; Richter - Stevens, Pepin, Goerlitz; Bokenfohr, Ponitz, S. Bärnreuther; Asanger, Filgis, Vire; Schwindl.
EV Ravensburg: Olbrich - Turan, Polak; Valenti, Repka; Jäger - Loschkin, Pazitka, Häfele; Agejkin, Leinsle, Scepko; Piecko, Häussler.
SR: Jaworin (Selb);
Zuschauer: 1110;
Strafminuten: Bayreuth 10 , Ravensburg 6 plus Spieldauerd. gegen Loschkin.
Tore: 0:1 (3.) Leinsle (Scepko), 0:2 (7.) Scepko (Agejkin, Repka), 1:2 (10.) Goerlitz (Stevens), 2:2 (14.) Goerlitz (Zimmermann, Doll), 3:2 (18.) Pepin (Stevens), 3:3 (20.) Loschkin (Pazitka, Häfele), 3:4 (28.) Loschkin, 4:4 (48.) Stevens (Pepin), 5:4 (52.) Asanger (Schwindl)



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth