Nordbayrischer Kurier , 29. November 1997
Totale Konfusion im zweiten Drittel

ESVB-Eishockeyteam bezog mit 3:6 gegen Haßfurt erste Heimniederlage der Vereinsgeschichte
Eine stolze Serie endete im Frankenderby der 2. Eishockey-Liga Süd: Erstmals in seiner Vereinsgeschichte kassierte der im Januar 1994 gegründete ESV Bayreuth eine Punktspielniederlage vor eigenem Anhang. Ursache des 3:6 (2:0, 0:4, 1:2) vor knapp 2500 Zuschauern gegen den mit stärkeren Einzelspielern bestückten ERC Haßfurt war ein in jeder Beziehung konfuser Auftritt im zweiten Drittel, als sich die Wagnerstädter nach einer 2:0-Führung ohne Gegenwehr die "Zügel" aus der Hand reißen ließen.
Der Vorsprung nach den ersten 20 Minuten hatte durchaus dem Spielverlauf entsprochen. Die Einheimischen agierten zunächst zielstrebiger und erarbeiteten sich die zwingenderen Chancen, die allerdings von Vire (3.) und Bokenfohr (10.) versiebt wurden, ehe nach eher undurchsichtigen Szenen der Puck in den Maschen des Gästetores landete. Beim 2:0 durch Schwindl genau vier Sekunden vor der Pausensirene hatte auch Gästekeeper Schneider nicht gut ausgesehen.
Der Ex-Selber wurde im zweiten Drittel allerdings nur noch einmal auf die Probe gestellt. Nachdem Vire (24.) knapp verzogen hatte, meisterte Schneider einen unplazierten Schuß des durchgebrochenen Goerlitz (28.). Ansonsten herrschte totale Funkstille in der ESVB-Offensive, die sich konzeptlos und ohne Durchschlagskraft präsentierte. Und auch in der Defensive ging die Ordnung nach dem ärgerlichen Anschlußtor verloren. Bei einem Angriff ging die Scheibe verloren (Ponitz, Doll) und die blitzschnell umschaltenden Gäste kamen durch einen Konter zum 1:2. "Wir änderten unsere zunächst zu defensive Taktik und schafften den Umschwung", analysierte Haßfurts Trainer Werner Cecco, der mit einem taktischem Schnippchen in der 31. Minute wesentlichen Anteil am Ausgleich hatte. Er ließ seinen Paradeblock auf den dritten Block des ESVB treffen. Speziell das Abwehrduo Richter-Barnet wurde dabei kräftig durchgeschüttelt, wie überhaupt Richter über weite Strecken des Spieles überfordert schien. Und plötzlich brachen alle Dämme bei den Einheimischen. Beim 2:3 (34.) leistete sich neben Zimmermann der sonst überzeugende TW Habnitt einen Patzer, ehe in der 37. Minute eine unnötige Zimmermann-Strafzeit mit dem 2:4 bestraft wurde.
Mit der Umstellung auf zwei neu zusammengestellte Blöcke versuchte ESVB-Trainer Iwan Horak im Schlußdrittel die Situation noch zu retten. Und plötzlich kam wieder Biß in die Aktionen. Während die Stürmer Schwindl (42.) und Asanger (45.) kläglich versagten, nahm Verteidiger Doll (48.) genau Maß. Bis zur höchst umstrittenen 2-Minuten-Strafzeit gegen Stevens (53.) stand das Spiel wieder auf der Kippe, ehe Korianen einen Schederin Lupfer ablauschte und 218 Sekunden vor Schluß mit dem 5:3 alles klarmachte.
Schwacher erster Sturm Daß die erste Sturmreihe nahezu überhaupt keinen Stich machte, lag auch am kanadischen Torjäger Pepin, der ein Schatten früherer Tage blieb und nicht einen einzigen Torschuß (!) abgab. "Er hat große gesundheitliche Probleme", nahm Coach Horak den Stürmer aber in Schutz, auf den er im Schlußdrittel sogar verzichtete. Wie KURIER-Recherchen ergaben, hat Horak mit seiner Wortwahl zum Pepin-Auftritt keinesfalls untertrieben. Stückwerk produzierten auch die anderen Sturmreihen. Bei allem Fleiß: Auch bei Bokenfohr kam unter dem Strich viel zu wenig heraus. In der Abwehr konnten neben Schlußmann Habnitt nur Doll, Meixner und Schederin die Erwartungen erfüllen. Trainer Horak muß sich den Vorwurf gefallen lassen, im zweiten Drittel rat- und tatenlos an der Bande gestanden zu haben.
Überragend beim Gast das Verteidigerduo Fredmar-Maly sowie Plattner in der Defensive, während im Angriff der schnelle Sakac immer wieder Rätsel aufgab und obendrein Crombeen Akzente setzte.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Meixner; Zimmermann, Doll; Barnet, Richter, Goerlitz, Pepin, Stevens; Bokenfohr, Schwindl, Ponitz; Vire, Filgis, Asanger; H. Bärnreuther, Cameron.
ERC Haßfurt: Schneider - Fredmark, Maly; Krause, Plattner; Forster, Berndaner , Crombeen, Fiesel, Korianen; Neumann, Mix, Koslowski; Sakac, Dornic, Pokorny; Fritz.
SR: Altmann (Straubing);
Zuschauer: 2113;
Strafminuten: 8 plus 10 gegen Zimmermann (Foul mit Verletzungsfolge), Haßfurt 6.
Tore: 1:0 (15.) Filgis (Stevens, Asanger), 2:0 (20.) Schwindl (Bokenfohr), 2:1 (26.) Plattner (Krause, Dornic), 2:2 (31.) Fiesel, 2:3 (34.) Sakac, 2:4 (38.) Sakac (Maly, Dornic - 5 gegen 4), 3:4 (48.) Doll (Barnet, Goerlitz), 3:5 (57.) Korianen, 3:6 (59.) Fiesel (Crombeen, Krause 5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth