Nordbayrischer Kurier , 13. Dezember 1997
Fans in Hochstimmung

2:1 des ESVB-Eishockeyteams in der Verlängerung gegen Ulm
Premiere im Bayreuther Kunsteisstadion! Erstmals wurde ein Punktspiel des ESV Bayreuth in der 2. Liga Süd in der Verlängerung entschieden. Und dabei hatten die 1000 einheimischen Fans Grund zur Freude, denn nach 63 Minuten rang das ESVB-Eishockeyteam die "Mannschaft der Stunde", EC Ulm/Neu-Ulm, mit 2:1 (0:0, 0:0, 1:1, 1:0) Toren verdient in die Knie und bleibt auf Erstliga-Aufstiegsrundenkurs.
Das Treffen war nichts für schwache Nerven. Acht Minuten vor Schluß legt der Gast die 1:0 Führung vor, doch die Oberfranken ließen sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Sie warteten mit Geduld auf ihre Chance, die sich in der vorletzten Minute in Überzahl bot. Der bis zu diesem Zeitpunkt blasse Bokenfohr vollstreckte auf Vorlage von Doll und Schwindl und erzwang damit eine Verlängerung. Eine weitere Strafzeit gegen die Gäste (Masek) in der 63. Minute verhalf den Schützlingen von Trainer Wilbert Duszenko nach nur wenigen Sekunden zum 2:1 Siegtreffer erneut durch Bokenfohr, der damir für einen doppelten Punktgewinn sorgte.
Bereits im ersten Drittel entwickelte sich ein tempo- und niveaureiches Duell, wobei beide Teams um konstruktive Aktionen sowie um eine geringe Eigenfehlerquote bemüht waren. Dabei verdienten sich die Einheimischen durch lobenswerte Einsatzbereitschaft ein Sonderlob. Mit kluger Raumaufteilung und kluger Defensivarbeit aller Blöcke gelang es obendrein den Spielfluß der Ulmer zu unterbinden und gleichzeitig für ein optisches Übergewicht zu sorgen. So verzeichnete der Neuling in den ersten Minuten die zwingenderen Chancen. Stevens, Pepin und H. Bärnreuther sorgten gleich in der ersten Minute für einen turbulenten Auftakt, doch Ulms Torwart Lonscher konnte abwehren. Schon geschlagen schien er in der 2. Minute. Allerdings zögerte Bokenfohr im Abschluß zu lange, während ein Schlagschuß von Doll bei einem Überzahlspiel (8.) nur um wenige Zentimeter am Ulmer Gehäuse vorbeizischte. Das 1:0 hatte Filgis in der 13. Minute auf dem Stock, doch aus kurzer Distanz ließ sich der Routinier in letzter Sekunde noch abdrängen. Erst danach kamen die Donaustädter etwas besser auf. Bei Einschußmöglichkeiten von Vacca (14.) sowie Masek und Hayse (16.) bewies ESVB-Keeper Habnitt seine Klasse.
Mit mehr Elan starteten die Gäste ins zweite Drittel. Sie deuteten mehrmals ihre spielerischen Qualitäten an, doch die gefestigt wirkende einheimische Abwehr ließ sich nicht aus den Angeln hieven. Auch der junge Verteidiger Richter setzte sich in der Abwehr gut in Szene. Glück hatten die Duszenko-Schützlinge freilich in der 23. Minute, als Vacca in bester Schußposition die Scheibe nicht richtig traf, ehe Jetzmik in der 26. Minute und Nagy sowie Auer in der 27. Minute an ESVB-Schlußmann Habnitt regelrecht verzweifelten. Bei einem Davis-Pfostenschuß (31.) nach Mustervorlage des ehemaligen DEL-Stürmers Timoschuk konnte der Torwart aufatmen. Dennoch konnten die Schwaben von Glück reden, daß sie auch in die zweite Pause mit einem 0:0 gehen konnten. Nach wiederholt gewonnenen Zweikämpfen sowie guten Zuspielen kreuzten Schwindl (28. und 29.), Vire (33. und 38.) sowie H. Bärnreuther (38.) alleine vor Ulms Keeper Lonscher auf, doch fehlte im Abschluß das nötige Quentchen Cleverneß. Kein Wunder, daß die Oberfranken diesen verpaßten hundertprozentigen Chancen nachtrauerten.
Abwechslungsreich und turbulent verlief auch das Schlußdrittel. Zimmermann, Schwindl und Bokenfohr verzogen ganz kanpp, ehe im Gegenzug Jentzmik um Haaresbreite verfehlte. Geladen war die Atmosphäre in der 46. Minute, als ESVB-Keeper Habnitt unfair attackiert worden war. Dabei geriten sich die Spieler in die Haare. Habnitts Handverletzung gestattete aber eine Fortsetzung der Partie. Nachdem die Ulmer Stürmer Davis (47.) und Masek (48.) Chancen ausließen, scheiterte auf der Gegenseite Filgis zweimal am Gästeschlußmann. Einen Schuß des Ulmer Offensivverteidigers Kruger (52.) wehrte Habnitt mit dem Schlittschuh fast sensationell ab. Ein Fehler von Verteidiger Schederin führte dennoch zum 0:1. Der Kanadier Davis startete einen Alleingang und vollstreckte kaltschnäuzig. Es sprach für die Moral der Einheimischen, daß sie nicht aufsteckten. Der Kampfgeist wurde schließlich mit zwei Toren belohnt.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Meixner; Zimmermann, Doll; Barnet, Richter - Stevens, Pepin, H. Bärnreuther; Bokenfohr, Schwindl, Filgis; Asanger, Görlitz, Vire; Ponitz
EC Ulm/Neu-Ulm: Lonscher - Kruger, Wrtosch; Krejcir, Pyka; Bader - Davis, Timoschuk, Mayer; Vacca, Masek, Hayse; Jentzmik, Nagy, Auer; Cerny
SR: Altmann (Straubing)
Zuschauer: 1000
Strafminuten: Bayreut 8, Ulm 18
Tore: 0:1 (52.) Davis 4 gegen 4, 1:1 (59.) Bokenfohr (Doll, Schwindl) 5 gegen 4, 2:1 (63.) Bokenfohr (Filgis) 5 gegen 4



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth