Nordbayrischer Kurier 29.Dezember 1997
Ein Eigentor verhinderte die Krönung

Mitreißender Eishockey-Schlager gegen Straubing endete für ESVB denkbar unglücklich mit 2:3
Alle Erwarungen an ein Spitzenspiel erfüllte gestern abend die Begegnung zwischen ESV Bayreuth und EHC Straubing in der 2. Eishockey-Liga Süd. Bei stimmungsvoller Kulisse von 2100 Zuschauern, mitreißendem Spielverlauf mit hochklassigem Tempo und Spannung bis zur letzten Sekunde gab es aus der Sicht der Gastgeber nur einen einzigen "Haken": Mit 2:3 (1:2, 1:0, 0:1) verpaßten sie unglücklich einen möglichen Punktgewinn gegen den Tabellenzweiten.
Besonders ärgerlich war die Niederlage für die Bayreuther, weil es ausgerechnet ein lupenreines Eigentor war, das die krönende Belohnung für die starke Gesamtleistung verhinderte: Barnet war der Unglücksrabe, der einen Querpaß von Vöst gegen die Reaktionsrichtung seines Torwarts und damit absolut unhaltbar abfälschte (52.). Gerade in dieser Phase, als die Partie mit vielen Chancen und tollen Leistungen beider Torhüter auf des Messers Schneide stand, war diese Form des entscheidenden Treffers ein kurioser Höhepunkt der Dramaturgie. ESVB-Trainer Wilbert Duszenko gab sich mit der Begründung "Pech" aber durchaus nicht zufrieden: "Wir haben heute erkennen können, daß unsere Mannschaft noch nicht fertig ist. Die Defizite im Zweikampfverhalten waren unübersehbar." "Richtig grantig" sei er aber nur im ersten Drittel gewesen: "Da hatten wir noch gar keinen Zweikampf gewonnen, als wir schon im Rückstand lagen", erinnerte er an das frühe 0:1 nach 96 Sekunden, bei dem Doll nicht gut aussah, aber auch für einen zu großen Raum allein verantwortlich war. In die Kategorie "vermeidbar" fiel zweifellos auch das zweite Gegentor, denn der ESVB kassierte es in eigener Überzahl. Ein Scheibenverlust von Meixner an der blauen Linie eröffnete Hoogsteen die Chance zum Alleingang, die sich der Torjäger nicht entgehen ließ. Meixner machte seinen Schnitzer zwar wieder wett, als er mit einem geschickt verzögerten Weitschuß zum 2:2 ausglich, aber insgesamt gehörte die Ausbeute von 1:1 Treffern bei 14:24 Strafminuten zu den Schwachpunkten der Bayreuther. Gegen das sehr offensiv ausgerichtete Straubinger Unterzahlspiel hatten sie oft Schwierigkeiten, eine geordnete Powerplay-Aufstellung zu finden. Auch dafür machte Duszenko in erster Linie das Zweikampfverhalten verantwortlich: "Gegen ein so energisches Forechecking des Gegners muß man mehr Körpereinsatz zeigen."Trotz allem hätte unterm Strich sogar das Chancenverhältnis jederzeit einen Punktgewinn des ESVB gerechtfertigt. In dem nicht immer spielerisch glanzvollen aber beiderseits enorm intensiv und druckvoll geführten Schlagabtausch mit zahlreichen Bewährungsproben für die hervorragenden Torhüter auf beiden Seiten hatte sogar der Straubinger Schlußmann Zankl noch die eine oder andere Prüfung mehr zu bestehen, als sein Gegenüber Habnitt. Vor allem stand ihm häufiger ein wenig Glück zur Seite - beispielsweise bei einem zur Bogenlampe abgefälschten Asanger-Schuß, den Zankl im Rückwärtsfallen mit dem Schläger und der Unterstützung der Querlatte abwehrte. Das war in der 51. Minute, also unmittelbar vor dem 2:3! Die spektakulärste Parade gelang allerdings doch Habnitt, als er in einer Unterzahl-Situation einen Direktschuß von Dylla ins scheinbar leere Tor nicht nur doch noch abwehrte, sondern sogar festhielt (47.). Über den einzigen Minuspunkt in der überzeugenden Gesamtleistung, nämlich den Verlust der Punkte, könnte sich der ESVB schon am morgigen Dienstag um 19.30 Uhr mit einem Sieg gegen den EHC Klostersee hinwegtrösten. Doch selbst für diesen Fall warnt Trainer Duszenko schon vor Euphorie: "Wir müssen uns im Klaren sein: Die Aufstiegsrundengegner aus der 1. Liga sind noch stärker - und gewinnen noch mehr Zweikämpfe!"
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Meixner; Zimmermann, Doll; Weilert, Barnet - Stevens, Pepin, H. Bärnreuther; Bokenfohr, Ponitz, Asanger; Weingran, Vire, Schwindl.
EHC Straubing: Zankl - Mc Court, Schambeck; Vogl, Eltner; Niedermaier, Rankl; Eckert - Hoogsteen, Dylla, Vöst; Heubach, Duchon, Heitzer; Meier, Rossi de Mio, Knott; Setz, Hansch, Herpich.
SR: Klauser (Schongau);
Strafminuten: Bayreuth 14, Straubing 24;
Zuschauer: 2100.
Tore: 0:1 (2.) Heitzer (Duchon), 1:1 (14.) Stevens (H. Bärnreuther), 1:2 (17.) Hoogsteen (Dylla - 4 gegen 5), 2:2 (29.) Meixner (5 gegen 4), 2:3 (52.) Vöst (Eigentor Barnet)



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth