Nordbayrischer Kurier 05. Januar 1998
Hitchcock führte Regie

ESVB-Eishockeyteam unterlag Miesbach nach Verlängerung 2:3
Zufrieden verließen gestern 1300 Zuschauer das Eisstadion, obwohl dem Eishockey-Zweitligist ESV-Bayreuth das große Erfolgserlebnis versagt blieb. Im letzten Heimspiel vor Beginn der Erstliga-Aufstiegsrunde brachte der kampfstarke Neuling den Tabellendritten TEV Miesbach im Schlußdrittel an den Rand einer Niederlage, ehe sich die Wagnerstädtler in der Nervenaufreibenden Verlängerung mit 2:3 (1:1, 0:0, 1:1, 0:1) Toren doch noch geschlagen geben mußten.
Die Zweitliga-Runde klingt am morgigen Dienstag mit dem Auswärtsspiel beim Schlußlicht ESV Königsbrunn aus. Am Freitag startet die Aufstiegsrunde, wobei die Wagnerstädter ihre Visitenkarte bei einem Erstliga-Vertreter abgeben. Welcher bisherige Erstligist sich am Sonntag um 18:30 Uhr zur ESVB-Heimpremiere im Städtischen Stadion vorstellt, darüber entscheiden die Plazierungen des letzten Spieltages in beiden Ligen. "Es ist bitter, denn wir waren nahe dran", resümierte ESVB-Trainer Wilbert Duszenko nach der Schlußsirene. Die Schlüsselszenen zum Sieg waren unmittelbar nach der 2:1-Führung durch einen raffinierten Bokenfohr-Rückhandschuß (45.) zu verzeichnen, als Bokenfohr (47.), Ponitz (48.-Nachschuß) und vor allem der von Pepin und Stevens mustergültig bediente H. Bärnreuther (49.) am erfahrenen Torhüter Frütel scheiterten und somit ein vorentscheidendes drittes Tor verpaßten.
Auf die Folter gespannt wurden die Zuschauer dann in der Schlußphase, als die Oberbayern 168 Sekunden vor dem regulären Ende ihren Keeper zugunsten eines zusätzlichen Stürmers vom Eis holten. Die Gäste zogen ein eindruckvolles Powerplay und der Plan ging 47 Sekunden vor der Schlußsirene auf, als Verteidigerroutinier Strida mit einem verdeckten Distanzschuß zum Ausgleich traf. "In dieser Situation fehlte uns die Cleverneß", analysierte Coach Duszenko. Sein Team war in diesen zwei Minuten dreimal in Scheibenbesitz, doch mit überhasteten Aktionen wurde eine Entscheidung versäumt. In der Verlängerung bot sich Schwindl nach 36 Sekunden die Möglichkeit zum "goldenen Tor". Er schoß aus dem spitzen Winkel über das Gehäuse, ehe die Oberbayern mächtig Druck machten. Einen Olengerg-Schuß (63.) wehrte der ausgezeichnete Habnitt-Vertreter S. Bärnreuther mit Bravour ab, ehe er Sekunden später bei einem Kopeck-Weitschuß Glück hatte, als die Scheibe kurz vor der Torlinie "tanzte". Beim verdeckten Weitschuß 13 Sekunden vor Schluß der Verlängerung war dem Keeper die Sicht versperrt.
Das Ergebnis gegen den Tabellendritten verdient insofern Beachtung, als mit Torwart Habnitt, Goerlitz (beide erkrankt) und Filgis (gekündigt) drei Stammspieler kurzfristig ausfielen un "Kapitän" Doll mit einer Zerrung vom Eis mußte.
"Meine Mannschaft hat taktisch gut gespielt und mit kämpferischen Einsatz die schwache Vorstellung gegen Klostersee korrigiert. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, daß unser Trio Bokenfohr, Schwindl, Ponitz die 100-Tore-Sturmreihe der Gäste um desn Skorerbesten Gustafson gut kontrollierte", kann Coach Duszenko durchaus auch mit Hoffnung auf die Aufstiegsrunde blicken. In den anderen Sturmreihen taten sich der erneut fleißige Stevens hervor, der in der 30. Minute mit einer gehörigen Portion Pech die Führung verpaßte. Mit toller Einzelaktion versetzte er einen TEV-Verteidiger und auch TW Frütel, doch die Scheibe strich parallel zur Torlinie vorbei. Nach einigen Problemen zu Beginn und dem vermeidbaren 0:1 Rückstand steigerte sich die "Defensivabteilung" um den starrken TW S. Bärnreuther enorm.
ESV Bayreuth: S. Bärnreuther - Zimmermann, Doll; Schederin. Meixner; Barnet, Weilert - Bokenfohr, Ponitz, Schwindl; Stevens, Pepin, H. Bärnreuther; Asanger, Weingran, Vire.
TEV Miesbach: Frütel - Riemel, Strida; Weiß, Kopeck; Pflügl, Schäffler - Polet, Gustafson, Schaly; Höck, Olenberg, Nieminen; Höpler, Mayer, Ostermeier; Daxner.
SR: Sander (Peiting);
Zuschauer: 1300
Strafminuten: Bayreuth: 4, Miesbach 6
Tore: 0:1 (3.) Ostermeier (Hölper), 1:1 (6.) Schwindl (Bokenfohr), 2:1 (45.) Bokenfohr ( Stevens, H. Bärnreuther, 2:2 (60.) Strida (Nieminen, Kopeck - 6 gegen 5), 2:3 (65.) A. Meyer (Gustafson).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth