Nordbayrischer Kurier 12. Januar 1998
Fans: "Wir sind stolz auf unser Team!"

Imponierender ESVB zerlegte Erstligisten Crimmitschau vor Länderspielkulisse sensationell mit 7:0
Bayreuths Eishockey-Stadion glich gestern einem Tollhaus! Schier unglaubliche Jubelszenen spielten sich auf den Rängen ab und auf dem Eis feierte ein total ausgepumptes, aber überglückliches Eishockeyteam des ESV Bayreuth zur Heimpremiere der Erstliga-Aufstiegsrunde den zweiten Sensationsieg nach dem 3:2 am Freitag abend in Landsberg. Vom gestrigen 7:0 (2:0, 2:0, 3:0) über den bisherigen Erstligisten ETC Crimmitschau werden die Besucher sicher noch lange sprechen.
Die bisher größte Zuschauerkulisse im Eisstadion mit 4056 zahlenden Besuchern beflügelte offensichtlich den Zweitliga-Neuling zu einer schier unfaßbaren Leistung: Die bestens eingestellte Feierabend-Truppe von Trainer Wilbert Duszenko stahl dem Profiteam aus Sachsen in allen Belangen die Schau und die ESVB-Anhänger wußten dies zu schätzen. "Wir sind stolz auf unser Team", schallte es lautstark von den Rängen und selbst der stimmgewaltige Anhang der Gäste schwenkte in den Schlußminuten mit fliegenden Fahnen ins Bayreuther Lager über, ohne allerdings einen Seitenhieb auf ihre Truppe zu vergessen, die die offensichtlich nicht mit einer solchen Energieleistung der Wagnerstädter gerechnet hatte: "Sarner - mach sie rund", forderten sie Konsequenzen vom amerikanischen ETC-Coach.
"Das war eine imponierende Gesamtleistung meiner Mannschaft, die jetzt allerdings fix und fertig ist. Unser angeschlagener Verteidiger Doll hielt mit starken Schmerzen durch und Meixner hätte sich fast übergeben müssen. Mit Herz, Hirn und Kampfgeist wurde dieser Sieg errungen. Allerdings ist dieser Kraftakt mit vier Verteidigern auf die Dauer nicht möglich", blieb Trainer Duszenko unmittelbar nach der Schlußsirene Realist. Bleibt zu hoffen, daß die ESVB-Verantwortlichen bei der Ausschau nach Verstärkung fündig werden, denn vor dem Spiel waren die Abwehrspieler Barnet (Hüftprellung) und Richter (Fischvergiftung) ausgefallen. Aus dem starken Team ohne Schwachstellte muß Torhüter Habnitt, der sich in Länderspielform präsentierte, hervorgehoben werden. Er hatte mit Glanzreaktionen im ersten Drittel großen Anteil, daß die Wagnerstädter nicht in Rückstand gerieten. Bei drei Minuten in Unterzahl stand der ESVB von der achten bis elften Minute unter Dauerdruck, ehe die überraschende Führung. Danach rettete Habnitt gegen ETC-Torjäger Phillips überragend, ehe die Einheimischen zwei Powerplay-Erfolgserlebnisse in Folge verzeichneten. Beim 2:0 durch einen Schederin-Hammer und beim 3:0 nach einer Schwindl-Einzelaktion sah die Gästedeckung ebenso schlecht aus wie beim 4:0 durch einen Pepin-Schuß im Fallen. Das schönste Tor gelang zweifellos Stevens, der bei einem Alleingang vor dem Gehäuse abstoppte und dann Gästeschlußmann Hirvonen regelrecht verlud. Die Bayreuther boten eine taktische Meisterleistung, machten die Räume recht eng und ließen beim Gast keinen Spielfluß aufkommen. Sie gingen beherzt in die Zweikämpfe und wühlten sich auch in kritischen Situationen wie nach dem 4:0 durch. Die Sachsen zeigten plötzlich Gegenwehr, schnürten den Gastgeber phasenweise ein, doch der Angriff wurde im letzten Moment von den sich dazwischenwerfenden Einheimischen blockiert. Und wenn die Verteidiger ausgespielt waren, hatte Habnitt den Überblick behalten. Seine bisher beste Vorstellung im ESVB-Trikot zeigte der schwedische Verteidiger-Routinier Schederin. Ein Sonderlob verdiente sich auch der dritte Sturm, der nicht nur ehemalige DDR-Nationalspieler in Schach hielt, sondern sich zum 6:0 sogar in die Torschützenliste eintrug. Weingran krönte damit seine ansprechenden Vorstellungen der letzten Wochen.
ESV Bayreuth: Habnitt - Zimmermann, Doll; Schederin, Meixner - Schwindl, Bokenfohr, Ponitz; Stevens, Pepin, H. Bärnreuther; Asanger, Weingran, Goerlitz.
ETC Crimmitschau: Kösling (ab 27. Min. Hirvonen) - Wikulov, Krüger; Kannewurf, Claesson; Winstanley, Gießmann - Losch, Phillips, Steinbock; Bjelke, Hiller, Henkel; Blazyczek, Sekera, Tuomie; Murkisch.
SR: Deubert (Bad Kissingen);
Strafminuten: Bayreuth 6, Crimmitschau 8;
Zuschauer: 4056.
Tore: 1:0 (12.) Pepin (Stevens - 4 gegen 4), 2:0 (19.) Schederin (Pepin - 5 gegen 4), 3:0 (23.) Schwindl (Ponitz, Bokenfohr - 5 gegen 4), 4:0 (28.) Pepin (H. Bärnreuther, Doll), 5:0 (47.) Stevens (Meixner, Pepin), 6:0 (52.) Weingran (Goerlitz, Asanger), 7:0 (52.) Bokenfohr (Ponitz, Schwindl).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth