Nordbayrischer Kurier 17. Januar 1998
Kampfmoral alleine genügte nicht

ESVB beim 0:8 gegen spielerisch dominierende Straubinger überfordert / Meixner, Schederin verletzt
Nach zwei sensationellen Auftaktsiegen wurde das Eishockeyteam des ESV Bayreuth im zweiten Heimspiel der Aufstiegsrunde zur 1. Liga Süd auf den Boden der Realität zurückgebracht: Mit Kampfgeist alleine war gegen den in spielerischen Belangen überlegenen EHC Straubing, der sich in den letzten Tagen mit zwei Finnen und einem Kanadier verstärkt hatte und damit seine Erstliga-Ambitionen deutlich unterstrich, nur wenig auszurichten, so daß es vor 2100 Zuschauern eine 0:8 (0:2, 0:4, 0:2)-Niederlage zu quittieren gab.
Vor allem der neue Kanadier im Trikot der Niederbayern, Keli Corpse, an den auch DEL-Klub Frankfurt Interesse gezeigt hatte, erwies sich als Volltreffer. Wenn er die Initiative ergriff, wankte die Defensivabteilung der Einheimischen, die in manchen Phasen schier überfordert waren. Den Wagnerstädtern fehlte im ersten Drittel das Quentchen Glück, das sie am letzten Sonntag gegen Crimmitschau hatten. Sie verzeichneten nämlich in den ersten Minuten zwingende Chancen, doch der DEL-erfahrene Gästetorwart Zankl reagierte bei einem Stevens-Schuß aus der Nahdistanz (2.) ebenso großartig, wie später bei zwei Aktionen von ESVB-Neuzugang Kukacka, der in der 5. Minute nur um Haaresbreite die Führung verfehlte.Doch spätestens nach zehn Minuten ließen die Niederbayern ihre spielerischen Qualitäten aufblitzen. Sie forcierten mit ihren vier Angriffsblöcken das Tempo und brachten den ESVB in Bedrängnis. Bayreuths Trainer Wilbert Duszenko operierte zunächst formell auch mit vier Sturmreihen, wobei Pepin und Bokenfohr abwechselnd mit Kukacka und Vire zum Einsatz kamen.Ein ärgerlicher Fehler machte allerdings einen dicken Strich durch die Taktik. In Bedrängnis leistete sich H. Bärnreuther in der 16. Minute einen Fehlpaß, den der Gast mit dem 1:0 quittierte. TW Habnitt, der vorher gegen Corpse, Vöst und Hoogsteen spektakulär gerettet hatte, war auch beim 0:2 machtlos, wobei Verteidiger Barnet nicht sonderlich gut ausgesehen hatte.
Im zweiten Drittel war ESVB-Coach zu Umstellungen gezwungen: Nachdem zunächst mit Meixner (Schulterverletzung) und danach Schederin (Zerrung) zwei Leistungsträger in der Verteidigung ausfielen, beorderte Duszenko den kanadischen Stürmer Bokenfohr zu Verteidiger Zimmermann, während Barnet mit dem jungen Bartos das zweite Verteidiger-Duo bildete. Neuzugang Kukacka nahm Bokenfohrs Stelle im Sturm ein. Trotz dieser Probleme versuchten sie Paroli zu bieten. Unmittelbar vor dem 0:3 durch Heubach (25.) hatte Asanger sogar das Anschlußtor auf dem Stock, ehe Kukacka (27.) und Ponitz auf Kukacka-Paß (31.) zwei hundertprozentige Chancen leichtfertig vergaben. Mit dem 0:4 war allerdings die Moral gebrochen. Die Defensivschwierigkeiten wurden vor allem beim Straubinger Doppelschlag in der 39. und 40. Minute offenkundig. Ärgerlich im Schlußdrittel, daß der ESVB ausgerechnet in Überzahl zwei Treffer kassierte.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Meixner; Barnet, Zimmermann; Bartos - Stevens, Pepin, H. Bärnreuther; Schwindl, Bokenfohr, Ponitz; Asanger, Goerlitz, Weingran; Kukacka, Vire.
EHC Straubing: Zankl - Eltner, Vogl; Boman, Schambeck; Niedermaier, Eckert; Rankl - Heubeck, Mäkelä, Heitzer; Hoogsteen, Corpse, Vöst; Hansch, Meier, Setz; Knott, Dylla, Rossi de Mio.
SR: Bettermann (Miesbach);
Zuschauer: 2050;
Strafminuten: ESVB 6, Straubing 12.
Tore: 0:1 (16.) Mäkelä (Heitzer, Vogl), 0:2 (18.) Rossi de Mio (Dylla), 0:3 (26.) Heubach (Mäkelä, Schambeck), 0:4 (32.) Corpse (Vöst), 0:5 (39.) Hoogsteen (Corpse), 0:6 (40.) Hoogsteen (Schambeck, Boman), 0:7 (51.) Hoogsteen (Corpse - 4 gegen 5), 0:8 (52.) Boman (Hoogsteen, Corpse - 5 gegen 4).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth