Nordbayrischer Kurier 19. Januar 1998
Entscheidende Strafzeiten

Vier Unterzahl-Gegentore führten zum 2:6 des ESVB in Amberg
Ohne Punktgewinn beendete der ESV Bayreuth den zweiten Doppelspieltag in der Aufstiegsrunde zur 1. Eishockey-Liga Süd. Zwei Tage nach dem 0:8 gegen den EHC Straubing war er zwar gestern beim bisherigen Erstligisten ERSC Amberg über weite Strecken durchaus gleichwertig, wurde jedoch durch Strafzeiten auf die Verliererstraße gedrängt. Vier Gegentore in Unterzahl stellten die Weichen zur 2:6 (1:1, 1:2, 0:3) Niederlage.
Am kommenden Wochenende wird es den Bayreuthern kaum wesentlich leichter fallen, an ihre überraschenden Auftakterfolge anzuknüpfen. Nach dem Gastspiel am Freitag beim EC Ulm/Neu-Ulm haben sie nämlich am Sonntag um 18.30 Uhr mit dem Deggendorfer EC den Tabellenführer ihrer Gruppe zu Gast. Die Bayreuther begannen in Amberg konzentriert und engagiert. Mit konsequenter Arbeit in der neutralen Zonen gestatteten sie den Gastgebern kaum einen planvollen Aufbau. Zudem nutzten die Gäste die erste eigene Chance gleich zur Führung: Nach feinem Zuspiel von Bokenfohr traf H. Bärnreuther mit einem Direktschuß, bei dem der einheimische Torhüter Quapp allerdings schlecht aussah. Erst eine Strafzeit gegen Schwindl wegen Hakens (7.) durchkreuzte das Defensivkonzept des ESVB. Gegen Mendel und Benazic konnte Torwart Habnitt noch retten, aber auf etwas kuriose Weise führte die Amberger Überzahl schließlich doch zum Ausgleich. Nach einem Bully schien die Situation fast schon bereinigt, als die abprallende Scheibe genau vor dem Schläger von Haider landete, der Habnitt keine Chance ließ. Überzahl-Situationen waren auch danach für die meisten turbulenten Szenen vor beiden Toren verantwortlich. Habnitt rettete dabei gegen Goodall (13.) und Kock (14.) glänzend, während auf der Gegenseite bei einer Pollok-Strafe (15.) ein "Bauerntrick" von Pepin für Gefahr sorgte. Als Benazic auf der Strafbank saß (18.), scheiterte Stevens im Nachschuß, ebenso wie noch einmal in der 20. Minute. Die letzte und gleichzeitig größte Chance des ersten Drittels hatten aber noch einmal die Amberger genau zwei Sekunden vor der Pause: Goodall hatte im Alleingang Habnitt bereits ausgespielt, traf dann aber nur den Außenpfosten des leeren Tores.
Der zweite Abschnitt wurde insgesamt temporeicher und etwas offener geführt. Doch auch bei diesem Spielverlauf erzwangen die Bayreuther insgesamt ein ausgeglichenes Chancenverhältnis. Der Amberger Torhüter Quapp mußte sich vor allem bei Schüssen von Schwindl (22.) und Kukacka (29.) ebenso auszeichnen, wie Habnitt im ESVB-Tor bei Chancen von Haider (30.), Goodall (32. und 34.), Kock und Morin (jeweils 35.). In der 37. Minute verzeichneten die Gäste sogar die größte ungenutzte Möglichkeit, als ein Schuß von Pepin vom Innenpfosten zurückprallte. Einige Bayreuther hatten dabei die Scheibe schon im Tor gesehen. Daß der ESVB trotz der 2:1-Führung durch einen von Stevens abgefälschten Pepin-Schuß mit einem Rückstand in die zweite Pause ging, lag an zwei Unterzahl-Situationen, die durch völlig überflüssige Strafzeiten verursacht worden waren. Beim 2:2 saß Zimmermann auf der Strafbank, weil er sich in eine Rangelei zwischen Bokenfohr und Calce (je zwei plus zwei Minuten) eingemischt hatte, und beim 3:2 fehlte Stevens wegen Hakens. Beide Gelegenheiten nutzte der herausragende erste Amberger Block mit dem Dreh- und Angelpunkt Goodall.
Als zu Beginn des letzten Drittels auf die gleiche Weise auch noch ein viertes Überzahltor während einer Strafzeit für Barnet fiel, waren die Amberger auf der Siegerstraße. Die letzten Bayreuther Chancen für eine Wende vereitelte ERSC-Torwart Quapp bei Schüssen von Bokenfohr (46.) und Asanger (47.), ehe eine Kombination des finnischen Duos Mesikämmen/Heiskanen durch den Italiener Calce zum endgültig vorentscheidenden 5:2 abgeschlossen wurde. Mit dem sechsten Amberger Treffer durch den früheren Bayreuther Morin wurde der ESVB letztlich sogar etwas unter Wert geschlagen, denn zumindest kämpferisch hatte er sich sehr respektabel aus der Affäre gezogen.
ERSC Amberg: Quapp - Mendel, Haslach, Benazic, Mesikämmen, Seuthe - Laaksonen, Kinateder, Kock, Calce, Morin, Meier, Goodall, Heiskanen, Haider, Gayerhoß, Pollok.
ESV Bayreuth: Habnitt - Barnet, Schederin; Zimmermann, Weingran; Bartos, Bokenfohr; Weilert - Stevens, Pepin, Kukacka; Schwindl, Ponitz, H. Bärnreuther; Asanger, Goerlitz, Vire; Cameron.
SR: Sander (Peiting);
Strafminuten: Amberg 14, Bayreuth 16;
Zuschauer: 1500.
Tore: 0:1 (4.) H. Bärnreuther (Bokenfohr), 1:1 (9.) Haider (Laaksonen - 5 gegen 4), 1:2 (27.) Stevens (Pepin - 5 gegen 4), 2:2 (31.) Kock (Goodall, Morin - 5 gegen 4), 3:2 (38.) Goodall (Morin, Benazic - 5 gegen 4), 4:2 (43.) Haslach (Morin, Goodall - 5 gegen 4), 5:2 (48.) Calce (Mesikämmen, Heiskanen), 6:2 (58.) Morin (Kiock, Goodall).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth