Nordbayrischer Kurier 26.Januar 1998
Bravourleistung nach 1:4-Rückstand

ESVB-Eishockeyteam zwang Spitzenreiter Deggendorf in die Verlängerung / Unglückliches 6:7
Standing ovations für den Verlierer! Das zweite Eishockey-Fest im dritten Heimspiel der Aufstiegsrunde zur 1. Liga erlebten rund 1500 Zuschauer gestern im Eisstadion. Nach einem fast aussichtslosen 1:4-Rückstand gegen Tabellenführer Deggendorfer EC meldete sich der ESV Bayreuth überraschend noch einmal zurück und zwang den bisherigen Erstligisten in die Verlängerung. 58 Sekunden vor Schluß zerstörte jedoch der starke Gästestürmer Musial mit einem Schlagschuß alle Hoffnungen der Wagnerstädter, die sich letztlich mit 6:7 (1:3, 2:1, 3:2, 0:1) Toren geschlagen geben mußten.
Vielleicht gelingt am Donnerstag um 20 Uhr im Heimspiel gegen den Tabellenletzten TEV Miesbach der dritte Sieg."Mein Kompliment gilt der Bayreuther Mannschaft, die sich diesen Punkt redlich verdient hat", meinte nach der Schlußsirene Gästetrainer Kim Collins. "Eigentlich wollten wir drei Punkte, doch letztlich muß ich auch mit zwei Zählern zufrieden sein", ergänzte der Coach, während Bayreuths Trainer Wilbert Duszenko etwas mit dem "Schicksal" haderte. "Ich kann meinem Team keinen Vorwurf machen, es hat alles gegeben. Letztlich fehlte unserer Amateurtruppe die Routinie eines Profiteams. Ich hoffe, unsere Fans akzeptieren dies."Unmittelbar vor dem entscheidenden Treffer der Niederbayern hatten Schwindl und Kukacka (63.) die Chance zum Siegtreffer, doch der sonst häufig unsichere Gäste-Ersatzkeeper Burkhard konnte abwehren.Die Partie begann zunächst nach den Vorstellungen des Spitzenreiters, der zwei umstrittene Strafzeiten gegen die Oberfranken in eindrucksvoller Manier zu nutzten verstand und mit schnellen, präzisen Spielzügen den Zweitliga-Neuling regelrecht aushebelte. Nur zwei Minuten nach dem Anschlußtreffer (Vire) stellten die Gäste den alten 2-Tore-Abstand wieder her, daran konnten auch drei Gewaltschüsse von Schederin bei Überzahl in der 17. und 18. Minute nichts ändern.
Als der überragende, stets torgefährliche Kanadier Zawatsky in der 23. Minute nach einem tollen Spielzug auf 4:1 für die Gäste erhöhte, schien sich kurzfristig sogar ein Debakel für die Einheimischen abzuzeichnen, die sich dagegen allerdings enerisch zur Wehr setzten. Sie profitierten von unnötigen Strafzeiten der Deggendorfer, fanden über den Kampf zum Spiel und hatten sogar noch im zweiten Abschnitt mehrmals den Ausgleich auf dem Stock. Obendrein war wiederum auf Torhüter Habnitt Verlaß, der sich zwar beim 0:1 etwas verschätzt hatte, dann aber mit sensationellen Reflexen gegen Casale (29.) und Goodall (35. und 36.) aufwartete.
Turbulent wurde es im Schlußdrittel. Nach dem verdienten 4:4 (51.) durch den unermüdlich rackernden Bokenfohr überschlugen sich die Ereignisse, wobei es den Einheimischen gelang, den Rückstand immer wieder wett zu machen. Neun Sekunden nach dem 5:6 (57.) durch den Ex-Bayreuther Brenner, der sich dabei eine Bänderverletzung zuzog, glückte Bokenfohr der Ausgleich, der eine Verlängerung und zumindest einen Punktgewinn möglich machte. Das kampfstarke ESVB-Team, das auf seine Leistungsträger Pepin und Zimmermann verzichten mußte, verdiente sich ein Gesamtlob.
ESV Bayreuth:Habnitt - Barnet, Doll; Schederin, Meixner; Weingran, Bartos - Bokenfohr, Ponitz, Kukacka; Vire, Stevens, H. Bärnreuther; Schwindl, Goerlitz, Asanger.
Deggendorfer EC: Burkhardt - Weber, Clarke; Andersson, Brenner - Casale, Zawatsky, Goodall; Pongratz, Penzkofer, Schäfer; Musial, Böttger, Svjeda.
SR: Dahle (Berlin);
Zuschauer: 1500;
Strafminuten: Bayreuth 8, Deggendorf 18.
Tore: 0:1 (5.) Svejda (Clarke - 5 gegen 4), 0:2 (7.) Zawatsky (Clarke, Goodall - 5 gegen 4), 1:2 (9.) Vire (Barnet - 5 gegen 4), 1:3 (11.) Zawatski ( Andersson, Casale), 1:4 (23.) Zawatsky (Casale, Goodall), 2:4 (26.) H. Bärnreuther (Doll, Schwindl - 5 gegen 4), 3:4 (30.) Stevens (Kukacka - 5 gegen 4), 4:4 (51.) Bokenfohr (Schederin), 4:5 (54.) Casale (Zawatsky - 5 gegen 4), 5:5 (55.) Bokenfohr (Ponitz), 5:6 (57.) Brenner, 6:6 (57.) Bokenfohr (Kukacka, Meixner), 6:7 (65.) Musial.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth