Nordbayrischer Kurier 21.Februar 1998
Wende durch fünf Tore in acht Minuten

Nach 0:2 Rückstand legte imponierendes zweites Drittel des ESVB Grundstein zum 6:3 in Miesbach
Einen ungewöhnlichen Spielverlauf nahm gestern abend das "Kellerduell" in der Gruppe B der Aufstiegsrunde zur 1. Eishockeyliga. Nachdem der ESV Bayreuth beim TEV Miesbach in der ersten Pause noch 0:2 in Rückstand gelegen hatte, gelang ihm in einem imponierenden zweiten Drittel mit fünf Toren in acht Minuten die entscheidende Wende zum 6:3 (0:2, 5:0, 1:1)-Sieg.
Damit hat der ESVB schon vor dem abschließenden Nachbarderby gegen den ERSC Amberg (morgen 18.30 Uhr) sein Minimalziel erreicht, denn er vergrößerte den Abstand zu den Miesbachern auf vier Punkte und kann somit nun nicht mehr auf den letzten Platz zurückfallen. Die ersatzgeschwächten Bayreuther, bei denen der am Ellbogen verletzte Doll nur als Betreuer an der Bande stand, erwischten einen denkbar ungünstigen Start. Sie hatten zwar die ersten Möglichkeiten als Ponitz am einheimischen Torhüter Billmayer scheiterte, doch auf der Gegenseite führte gleich die erste ernsthafte Chance der Gastgeber zum 1:0. Die dritte Miesbacher Sturmreihe nutzte dabei den Umstand, daß ihnen die Bayreuther zu viel Spielraum ließen.
Der Eindruck, daß die Miesbacher ihre Chancen konsequenter verwerteten, bestätigte sich auch im weiteren Verlauf des ersten Drittels. Schließlich wurden nur noch drei weitere gefährliche Schüsse auf das Tor von ESVB Schlußmann Habnitt abgegeben, aber die hatten es "in sich": den ersten von Polet (5.) konnte er noch parieren, der zweite nach einer erneuten Nachlässigkeit der ESVB-Abwehr führte zum 2:0 und der dritte bei einem Break von Kopeck landete am Pfosten (15.)! Demgegenüber verpuffte die Wirkung der optischen ESVB-Überlegenheit oft beim allzu umständlichen Abschluß. Allein in der 19. Minute hatten H. Bärnreuther, Schederin und Stevens drei Chancen ohne konsequent genug nachzusetzen. Was trotzdem noch auf das TEV-Tor kam meisterte Schlußmann Brillmayer.
Im zweiten Abschnitt mußte der ESVB zunächste Strafzeiten von Bartos (21.) und Goerlitz (23.) überstehen, doch schon bei der zweiten Unterzahlsituation eröffnete sich bei einem Break von Bokenfohr die erste Großchance. Der Kanadier konnte jedoch den einheimischen Schlußmann ebensowenig überwinden, wie H. Bärnreuther und Stevens (26.) Ponitz (27.) oder Schederin (28.). Nach so vielen Chancen war der Anschlußtreffer überfällig, den schließlich Kukacka nach Steilpaß von Schwindl mit hartem und plaziertem Schuß markierte. Von da an stand nur noch der überzeugende Brillmayer einer Wende entgegen. Beim scharfen Flachschuß von Schederin zum 2:2 war er jedoch machtlos, und als dann seine Vorderleute unter dem Dauerdruck die Übersicht verloren, konnte auch er die Wende nicht mehr verhindern. Nachdem Bokenfohr endlich einmal mit gradlinigem Abschluß das 3:2 vorgelegt hatte, gelang den energisch nachsetzenden Bayreuthern gleich noch ein Doppelschlag. Nur zwanzig Sekunden nach Zimmermanns Schlagschuß-Treffer hatte Pepin mit einem "Bauerntrick" Erfolg.
Im letzten Drittel hatten die Bayreuther nur noch eine kritische Phase zu überstehen, als sie nach dem dritten Miesbacher Tor durch Strafzeiten für Ponitz (50.) und Bartos (52.) geschwächt wurden. Mit guter Abwehrarbeit ließen sie aber kaum eine Chance zum Anschlußtreffer zu. Mit dem 6:3 war dann die Entscheidung gefallen, wobei Schederin seine starke Leistung mit einem prächtigen Diagonalpaß zu H. Bärnreuther krönte. Der Schwede erwies sich als Stabilisator der Abwehr und setzte auch in der Offensive Akzente, so daß seine Wahl zum "Spieler des Tages" im ESVB-Team gerechtfertigt war.
TEV Miesbach: Brillmayer - Repka, Kopeck, Meyer, Rieml, Pflügl, Weiß - Nieminen, Schmid, Höpler, Gustafson, Polet, Daxner, Höck, Olenberg, Schäffler, Hart.
ESV Bayreuth: Habnitt - Meixner, Zimmermann, Schederin, Bartos, Weingran - Ponitz, Bokenfohr, Kukacka, H. Bärnreuther, Pepin, Stevens, Goerlitz, Asanger, Schwindl.
SR: Deibler (Peiting)
Strafminuten: Miesbach 6, Bayreuth 14
Zuschauer: 400
Tore: 1:0 (3.) Schmid (Daxner, Schäffler), 2:0 (10.) Nieminen (Meyer), 2:1 (30.) Kukacka (Schwindl), 2:2 (35.) Schederin (Ponitz), 2:3 (37.) Bokenfohr (Ponitz), 2:4 (38.) Zimmermann (Asanger), 2:5 (38.) Pepin (H. Bärnreuther), 3:5 (49.) Polet (Gustafson), 3:6 (56.) H. Bärnreuther (Schederin)



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth