Nordbayrischer Kurier 23.Februar 1998
Die "falschen" Torjäger

Vom dritten Amberger Sturm kassierte ESVB drei Tore zum 2:4
Einen ungewöhnlichen Verlauf nahm gestern abend das Nachbarderby zwischen ESV Bayreuth und ERSC Amberg zum Abschluß der Gruppe B in der Aufstiegsrunde zur 1. Eishockey-Liga Süd. Die Gastgeber zeigten sich bestens eingestellt auf die namhaften Leistungsträger im Sturm des bisherigen Erstligisten, doch dafür kassierten sie drei Treffer durch den dritten ERSC-Block. Die "falschen" Torjäger ebneten somit den Weg zum 4:2-(1:1, 2:0, 1:1)-Sieg der Oberpfälzer.
Wie bereits nach den Ergebnissen vom vergangenen Freitag feststand, trifft der ESVB nun in der ersten Play-off-Runde auf den EV Weiden. Der Tabellenzweite der Gruppe A hat dabei zunächst am kommenden Freitag um 20 Uhr Heimvorteil, ehe er am Sonntag um 18.30 Uhr in Bayreuth zu Gast ist. Sollte es dann im Modus "best of three" unentschieden stehen, dann würde ein entscheidendes drittes Spiel am folgenden Freitag, 6. März, wiederum in Weiden stattfinden.Die besten Aussichten, um die Weichen zu einem günstigeren Ergebnis zu stellen, hatte der ESVB bereits im ersten Drittel, als er dem defensiv eingestellten Gegner nur ganz vereinzelt gefährliche Konter gestattete und ein deutliches Plus an Chancen erkämpfte. "Uns fehlt ein Torjäger, der aus drei Chancen zwei Tore machen kann", trauerte Trainer Wilbert Duszenko am Ende den Möglichkeiten von Kukacka (5. und 18.), Pepin (12.) und Asanger (14.) nach. Dabei hinterließ natürlich auch der Amberger Torhüter Quapp einen starken Eindruck, aber mitunter wirkte der Bayreuther Abschluß auch nicht zwingend genug. Einzige Ausbeute blieb somit das 1:0 nach einer energischen Einzelleistung von Bokenfohr, der sich trotz eines "anhänglichen" Amberger Verteidigers durchsetzte und sogar noch Torwart Quapp ausspielte. Das reichte jedoch nicht für eine Pausenführung, weil die Amberger eine ihrer vergleichsweise wenigen Chancen zum Ausgleich nutzten. Dabei fehlte es am Körpereinsatz der Verteidiger (Schederin und Meixner), um den unmittelbar vor dem Tor lauernden Kinateder am Schuß zu hindern.
Im zweiten Abschnitt verlagerte sich das Geschehen dann schon häufiger vor das Bayreuther Tor. Trotzdem wirkte auch der Doppelschlag zum 1:3 innerhalb von 55 Sekunden mit mehr Zweikampfstärke nicht unvermeidbar. Schließlich kamen die Gäste in beiden Fällen ohne großen spielerischen oder läuferischen Aufwand ins Angriffsdrittel und in Schußposition. "Danach war es natürlich schwer, noch etwas gegen einen Gegner auszurichten, der aus der Defensive heraus arbeitet", erklärte Duszenko.In der Tat hatten die Amberger von da an das Geschehen recht sicher unter Kontrolle. Auch der Bayreuther Versuch, mit schnelleren Wechselzeiten am Anfang des letzten Drittels den Druck zu erhöhen, erzielte zunächst wenig Wirkung. Bei einem Pfostenschuß von Haider (34.) war sogar eine Vorentscheidung nahe.Den Impuls zum Endspurt gab erst eine Strafzeit gegen die Amberger - die zweite im gesamten Spiel (Bayreuth null!) und nicht einmal wegen eines Fouls, sondern wegen Torverschiebens durch ERSC-Torwart Quapp. Nur zwanzig Sekunden dauerte das Bayreuther Powerplay, ehe Schederin mit einem plazierten Flachschuß ins Schwarze traf. Danach entwickelten die Gastgeber mit der Umstellung auf zwei Blöcke noch einmal starken Druck. Mit Ausnahme eines Schlagschusses von Stevens zwei Minuten vor dem Ende, den Quapp sicher fing, fehlte es jedoch am klaren Abschluß. Der letzte Versuch, mit einem sechsten Feldspieler die Verlängerung zu erzwingen, wurde schließlich 35 Sekunden vor dem Ende mit dem 2:4 ins leere Tor "bestraft"."Ich bin glücklich darüber, daß wir den zweiten Platz erreicht haben", freute sich der Amberger Trainer Robert Torgler. "Damit hatte niemand gerechnet, zumal wir in dieser Runde einige Ausfälle verkraften mußten." Ein Sonderlob verdiente seine dritte Reihe, die das Spiel entschieden hatte: "Sie schießen sonst nicht viele Tore, aber wenn es bei den Torjägern einmal nicht so läuft, dann können sie es. Das zeichnet eine gute Mannschaft aus."Dagegen hat ESVB-Coach Duszenko vor dem Play-off-Start neue Probleme: Asanger fiel ausgerechnet an seinem 23. Geburtstag mit einer Innenbanddehnung aus und mußte im Schlußdrittel durch Vire ersetzt werden. Weingran war wegen einer Leistenzerrung gar nicht eingesetzt worden, und Doll klagte über Schmerzen nach einem Schuß auf seinen lädierten Ellbogen.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Doll; Zimmermann, Meixner; Bartos - Ponitz, Bokenfohr, Kukacka; Stevens, Pepin, H. Bärnreuther; Goerlitz, Asanger, Schwindl; Vire.
ERSC Amberg: Quapp - Haslach, Benazic; Seuthe, Haider; Pollok - Goodall, Morin, Calce; Heiskanen, Laaksonen, Kock; Meier, Kinateder, Gayerhoß.
SR: Klein (Bad Liebenzell);
Strafminuten: Bayreuth 0 , Amberg 4;
Zuschauer: 1317.
Tore: 1:0 (11.) Bokenfohr (Schederin), 1:1 (16.) Kinateder (Gayerhoß), 1:2 (33.) Meier (Gayerhoß, Haider), 1:3 (34.) Kinateder (Haider, Gayerhoß), 2:3 (51.) Schederin (Stevens, H. Bärnreuther - 5 gegen 4), 2:4 (60.) Goodall (5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth