Nordbayrischer Kurier 09. März 1998
ESVB-Paukenschlag beim Angstgegner

Mit 8:3-Triumph in Straubing geglückter Start in die Hoffnungsrunde / Coach: Bisher beste Leistung
Für einen Paukenschlag sorgte gestern das Eishockeyteam des ESV Bayreuth zum Auftakt der Play-off-Hoffnungsrunde um den Aufstieg in die 1. Liga Süd. Zum Start der "Best-of-five"-Serie landeten die Schützlinge von Trainer Wilbert Duszenko zwei Tage nach dem Kraftakt in Weiden ausgerechnet beim bisherigen Saison-Angstgegner EHC Straubing einen in dieser Höhe fast sensationellen 8:3 (1:0, 4:3, 3:0)-Erfolg. Das zweite Duell mit den ambitionierten Niederbayern geht am Freitag um 19.30 Uhr im Städtischen Stadion über die Bühne.
"Das war die bisher beste Leistung meiner Mannschaft seit ich in Bayreuth arbeite. Alle Akteure haben sich ein Sonderlob verdient", würdigte Coach Duszenko den Auftritt seiner Truppe.Ein gellendes Pfeifkonzert ihrer Anhänger mußten sich die Straubinger bereits nach dem ersten Drittel anhören, während Bayreuths Verantwortliche zufrieden auf die ersten 20 Minuten zurückblickten. Der Höhepunkt war zweifellos die 1:0-Führung durch einen Überzahltreffer in der 7. Minute, als Bokenfohr nach einem Kukacka-Zuspiel einen Rückpaß auf Verteidiger Doll servierte, der mit einem Schlagschuß in die Maschen traf. EHC-Torhüterroutinier Zankl war dabei offensichtlich die Sicht versperrt. Unverdient war der Vorsprung keineswegs im dritten Saison-Gastspiel bei den Niederbayern, die auf den gesperrten Stürmerstar Corpse verzichten mußten. Sie verzeichneten die erste Chance, als Torjäger Hoogsteen gleich in der ersten Minute verzog, ehe ESVB-Stürmer Stevens an Zankl (2.) scheiterte. In der 4. Minute wurde erstmals ESVB-Keeper Habnitt auf die Probe gestellt. Er meisterte einen Dylla-Schuß sicher. Die anschließende Strafzeit gegen EHC-Stürmer Heubach hatte dann allerdings Folgen. Die Gastgeber benötigten beinahe vier Minuten, ehe sie sich von dem Schock den Rückstands erholt hatten und durch einen Niedermeier-Schuß von der blauen Linie wieder eine gefährliche Szene verzeichneten. In der 11. Minute stand ESVB-Keeper Habnitt im Rampenlicht. Mit einem Paß von Verteidiger McCourt bedient, tauchte EHC-Stürmer Meier frei vor dem Schlußmann auf, der aber beim Schuß und beim Nachschuß blitzschnell reagierte und sein Können erneut unter Beweis stellte.Als der Straubinger Rossi de Mio (12.) auf die Strafbank mußte, sprang beim Bayreuther Powerplay nur ein Schederin-Hammer (13.) heraus, ehe ein leichtsinniger Scheibenverlust beinahe zum Ausgleich geführt hätte. Schambeck konnte aber die Breakchance nicht nutzen. Eine kritische Phase folgte ab der 16. Minute, als zunächst Doll eine Strafzeit erhielt und kaum eine Minute später auch Verteidiger-Kollege Meixner auf die "Arme-Sünder-Bank" folgte. In Unterzahl setzten sich die energisch rackernden Oberfranken aber ausgezeichnet in Szene und ließen keine einzige klare Einschußmöglichkeit der Niederbayern zu.
Couragiert agierten die Nordbayern auch im zweiten Abschnitt, als Verteidiger Doll mit einem "Flatterschuß" EHC-Keeper Zankl (21.) vor Probleme stellte, doch bereits im Gegenzug mußte TW Habnitt bei einem Heubach-Schuß klären. Strafzeiten gegen Vogl (Straubing) und Pepin (ESVB) hatten keinerlei Auswirkungen. Ab der 30. Minute erhöhten die Niederbayern ihren Angriffsdruck. Heubach, Schambeck (beide 29.) und Meier (31.) scheiterten aber an Habnitt, der danach bei einer Bokenfohr-Strafzeit Schwerstarbeit zu verrichten hatte. Dabei entschärfte er einen Vogl-Schuß aus kurzer Distanz mit Bravour. Bokenfohr kehrte bereits von der Strafbank zurück, als der kanadische EHC-Verteidiger McCourt ungedeckt in Schußposition kam und unhaltbar zum Ausgleich (35.) vollstreckte. Zu weit aufgerückt war die ESVB-Defensive beim 1:2 eine Minute später, als Torschütze Dylla von Hoogsteen mustergültig bedient worden war. Die Duszenko-Schützlinge bewiesen allerdings Kampfgeist, der belohnt wurde. Beim 2:2 durch Schwindl machte allerdings EHC-Keeper Zankl ebenso eine schlechte Figur wie Sekunden später Habnitt beim 2:3. Doch davon ließ sich der Gast nicht schocken. Er nutzte weitere Nachlässigkeiten der Einheimischen mit drei Einschüssen innerhalb von 150 Sekunden. Nach dem 4:3 (Pepin im Nachschuß) ließ sich EHC-Torwart Zankl auswechseln. Sein Nachfolger Fellhauer wurde schon nach wenigen Sekunden kalt erwischt. Nach einem abgewehrten Bokenfohr-Schuß hatte der nachsetzende H. Bärnreuther mehr Glück im Abschluß.Damit waren die Weichen schon auf Sieg gestellt, denn das Konzept mit umgestellten Sturmreihen ging auch im Schlußdrittel auf. H. Bärnreuther konnte seine Spritzigkeit an der Seite von Bokenfohr und Kukacka ausspielen, während Ponitz als Defensivsicherung neben Pepin und Stevens seine Sache ebenfalls ordentlich machte. Der Gast kontrollierte überraschend das Tempo und ließ die Straubinger im Schlußsdrittel nicht mehr ins Spiel kommen. Bereits nach Pepins Treffer zum 6:3 verließen einige EHC-Anhänger enttäuscht das Stadion, ehe die "Krönung" mit dem Bayreuther 7:3 in Unterzahl (Strafzeit gegen Zimmermann) folgte. In Überzahl setzte schließlich Pepin den Schlußpunkt zum 8:3.
EHC Straubing: Zankl (ab 39. Fellhauer) - Eckert, Schambeck, Niedermayer, Bomann; Vogl, McCourt, Vöst, Schrödinger - Dylla, Knott, Heitzer; Herpich, Mäkelä, Setz; Meier, Werner, Hoogsteen; Hansch, Rossi de Mio, Heubach.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Doll; Zimmermann, Meixner; Bartos - Kukacka, Bokenfohr, H. Bärnreuther; Stevens, Ponitz, Pepin; Schwindl, Vire, Asanger; Cameron.
SR: Trainer (Bad Aibling);
Zuschauer: 1050;
Strafminuten: Straubing 14 plus 10 gegen Heitzer, Bayreuth 12.
Tore: 0:1 (7.) Doll (Bokenfohr, Kukacka - 5 gegen 4), 1:1 (34.) McCourt (Dylla, Bomann), 2:1 (36.) Dylla (Hoogsteen), 2:2 (36.) Schwindl (Bartos, Asanger), 3:2 (36.) Vogl (Mäkelä), 3:3 (38.) Asanger (Vire), 3:4 (39.) Pepin (Ponitz, Stevens), 3:5 (39.) H. Bärnreuther (Bokenfohr), 3:6 (48.) Pepin (Ponitz, Meixner), 3:7 (52.) Kukacka (Bokenfohr - 4 gegen 5), 3:8 (56.) Pepin (Ponitz - 5 gegen 4).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth