Nordbayrischer Kurier 16. März 1998
Gelingt im Heimduell der Sprung in die 1. Liga?

ESVB-"Matchball" nach überraschendem 4:1-Sieg in Straubing
Die Moral des Bayreuther Eishockeyteams ist ebenso beeindruckend wie die Kampfkraft! Zwei Tage nach dem ärgerlichen 4:5 im Heimspiel (nach einem 3:0-Vorsprung) führte der ESV Bayreuth in der Play-off-Hoffnungsrunde um den Aufstieg in die 1. Liga Süd eine überraschende Wende herbei. Durch einen nicht erwarteten 4:1 (0:1, 2:0, 2:0)-Streich beim ambitionierten Ex-Erstligisten EHC Straubing liegen die Wagnerstädter in der "Best-of-five-Serie" mit 2:1-Siegen in Front. Sie können im Heimspiel am Freitag um 19.30 Uhr mit einem weiteren Erfolg den Aufstieg perfekt machen und damit für eine Sensation in der deutschen Eishockey-Szene sorgen.
Offensichtlich beflügelt vom knappen Sieg vom Freitag abend in Bayreuth übernahmen die Niederbayern sofort die Initiative und machten von Beginn an mächtig Druck. Der Ausfall von Stürmerstar Keli Corpse (Knieverletzung) machte sich beim großen Mannschaftskader der Gastgeber kaum negativ bemerkbar, während die Sorgenfalten auf der Stirne von ESVB-Trainer Wilbert Duszenko in der 2. Minute nicht zu übersehen waren. Nach einer Strafzeit gegen den EHC-Verteidiger Boman waren die Oberfranken zunächst bemüht, ein Powerplay aufzuziehen, als ESVB-Verteidiger Meixner mit einem Bandencheck außer Gefecht gesetzt wurde. Er zog sich dahei eine schmerzhafte Schulterverletzung zu, die im ersten Augenblick schlimme Befürchtungen aufkommen ließ. Der ESVB-Coach konnte danach nur noch auf vier Verteidiger zurückgreifen.Das Bayreuther Überzahlspiel blieb letztlich ohne zwingenden Abschluß. Besser machten es die Straubinger bei einer Strafzeit gegen ESVB-Stürmer Stevens (5.). Einen von Torjäger Hoogsteen abgefälschten Schuß konnte der wiederum reaktionsschnelle Gästekeeper Habnitt (6.) entschärfen, ehe der von der Strafbank zurückgekehrte Stevens in der 7. Minute nach einem Pepin-Zuspiel die erste Gäste-Möglichkeit verzeichnete. Die Führung hätte Schwindl in der 9. Minute erzielen können. Nach einem Vire-Querpaß kam der Ex-Pegnitzer frei zum Schuß, den er allerdings verzog. Zwei umstrittene Strafzeiten gegen Doll (11./Halten) und Kukacka (12./Behinderung) hatten Folgen. Bei einem konstruktiven 5:3-Powerplay paßte der Finne Mäkelä auf den Kanadier Boman, der mit einem Schlagschuß TW Habnitt prüfte. Den Abpraller setzte der blitzschnell reagierende Vogl zum 1:0 in die Maschen.Als EHC-Verteidiger Schambeck eine Minute später auf die Strafbank mußte, schien bei einem Bokenfohr-Schuß der Ausgleich möglich. Bei einem Break des ehemaligen Erstligisten konnte Stevens nur auf Kosten einer Strafzeit zunächst die Situation bereiningen, ehe sich in Unterzahl turbulente Szenen vor Habnitts Gehäuse abspielen. Vogl, Schambeck, Hoogsteen und Hansch konnten aber den Routinier nicht überwinden.
Das Geschehen änderte sich im zweiten Drittel: Die Duszenko-Schützlinge agierten couragiert und konzentriert und waren sichtlich bestrebt, das Blatt noch einmal zu wenden, während die Einheimischen plötzlich nervös wirkten. Nach einer Strafzeit gegen EHC-Stürmer Meier gab zunächst Verteidiger Schederin mit einem "Hammer" einen Warnschuß ab, ehe nach einem feinen Spielzug der Ausgleich gelang. Nach einem Zimmermann-Paß legte H. Bärnreuther auf für Ponitz, der mit einem Schuß aus vollem Lauf EHC-Torwart Zankl keine Chance ließ. Die Führung schien in der 26. Minute fällig, als Straubing in der Defensive nachlässig wirkte und Kukacka, H. Bärnreuther und Bokenfohr brandgefährlich vor dem Tor der Einheimischen aufkreuzten. Einen Bokenfohr-Schuß konnte aber TW Zankl ebenso wie auch den Nachschuß von H. Bärnreuther im letzten Augenblick abwehren, ehe er in der 29. Minute einen Pepin-Rückhandschuß meisterte. In einer 4:3-Überzahlsituation traf Bokenfohr im Anschluß an einen Schederin-Schuß sogar ins Schwarze (31.), doch der Unparteiische entschied auf Torraumabseits. In der nächsten Situation (32.) konnte sich Bokenfohr allerdings bei TW Habnitt bedanken, der mit einer Glanztat seinen Schnitzer ausbügelte. Der Kanadier hatte die Scheibe an Dylla verloren, der jedoch mit seinem Alleingang am ESVB-Schlußmann scheiterte. Trotzdem war die 2:1-Führung in der 39. Minute hochverdient. Als Vorbereiter glänzten Bokenfoh r und H. Bärnreuther, dessen Schuß von Kukacka unhaltbar abgefälscht wurde.
Nichts für schwache Nerven war das Schlußdrittel, als die einheimische Profitruppe mit der Brechstange den erneuten Umschwung herbeizuführen versuchten. Doch mit imponierender Kampfkraft hielt das ESVB-"Feierabendteam" dagegen und überstand eine Unterzahlsituation (Ponitz, 51.), ohne daß sich die Gastgeber eine Chance erarbeiten konnten. Freilich hatte man auch Glück, als Heitzer (46.) aus spitzem Winkel das leere Tor nicht traf und Boman und Mäkelä in der 49. Minuten am großartigen Habnitt verzweifelten. Pech hatte auf der anderen Seite H. Bärnreuther, als Zankl (55.) per Reflex rettete. Anderthalb Minuten vor Schluß verließ der EHC-Torwart für einen zusätzlichen Stürmer das Eis. Straubing erhöhte den Druck, doch einen Dylla-Schuß "pflückte" TW Habnitt mit der Fanghand sicher, ehe im Gegenzug Bokenfohr auf Kukacka-Zuspiel in der 60. Minute das 3:1 erzielte. Nur zwei Sekunden später erhöhte Stevens nach Pepins Bully-Gewinn sogar auf 4:1.
EHC Straubing: Zankl - McCourt, Schambeck; Boman, Eckert; Niedermaier, Vogl; Wittl - Hoogsteen, Meier, Dylla; Vöst, Knott, Mäkelä; Rossi de Mio, Hansch, Heitzer.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Doll; Zimmermann, Meixner; Bartos - Kukacka, Bokenfohr, H. Bärnreuther; Stevens, Ponitz, Pepin; Schwindl, Vire, Asanger; Cameron.
SR: Pfeil (Königsbrunn);
Zuschauer: 1300;
Strafminuten: Straubing 16, Bayreuth 18.
Tore: 1:0 (12.) Vogl (Boman, Mäkelä - 5 gegen 3), 1:1 (23.) Ponitz (H. Bärnreuther, Zimmermann - 5 gegen 4), 1:2 (39.) Kukacka (H. Bärnreuther, Bokenfohr), 1:3 (60.) Bokenfohr (Kukacka - 5 gegen 6), 1:4 (60.) Stevens (Pepin - 5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth