Nordbayrischer Kurier 20. März 1998
"Happy-End" im Penaltyschießen: ESVB in der 1. Liga

Nach 5:4-Krimi gegen den EHC Straubing: Begeisterte Bayreuther Fans stürmten die Eisfläche / Torhüter Dietmar Habnitt gefeiert
Die Sensation ist perfekt! In einem dramatischen Schlagabtausch mit dem EHC Straubing machte das imponierend kämpfende Eishockeyteam des ESV Bayreuth im vierten Spiel der Play-off-Hoffnungsrunde um den Aufstieg in die 1. Liga den Sack zu und schaffte mit einem "Happy-End" nach Penaltyschießen den Sprung nach oben. Matchwinner des des 5:4 (0:1, 2:0, 2:3/1:0) nach Verlängerung und Penaltyschießen war Torhüter Habnitt, der den entscheidenden Penalty von EHC-Torjäger Hoogsteen meisterte.
Vorher hatten Vire, Pepin und Bokenfohr für den ESVB getroffen, während beim Gast Vogl und Mäkelä verkürzt hatten. Nach Habnitts Meisterleistung stürmten die Fans die Eisfläche. Die knapp 2500 Zuschauer kamen in jeder Beziehung auf ihre Kosten, denn von Beginn an schenkten sich beide Teams in den mitunter hart geführten Zweikämpfen nichts. Bemerkenswert, daß das spielerische Niveau kaum darunter litt.
Die Oberfranken starteten wiederum couragiert und verlagerten mit kämpferischem Engagement das Geschehen meist in die Hälfte der Gäste. Die erste Chance bot sich dabei Ponitz in der 5. Minute, als er von Pepin mit einem feinen Paß bedient wurde. Doch in bester Position traf der Ex-Pegnitzer die Scheibe nicht voll, ehe EHC-Keeper Zankl bei einem Kukacka-Schuß (7.) erstmals gefordert war. Danach stand allerdings ESVB-Torwart Habnitt im Blickpunkt des Geschehens. Als Hansch nach einem Zuspiel von Rossi de Mio in der 9. Minute volley aus anderthalb Metern abzog, rettete der Routinier mit einem sagenhaften Reflex.In ihrer ersten Drangphase konnten die Niederbayern etwas überraschend in Führung gehen. Dabei hatte die Defensive der Einheimischen nach einem von Habnitt abgewehrten Dylla-Schuß nicht hundertprozentig aufgepaßt. Pepin brachte in bedrängter Situation die Scheibe nicht aus der Gefahrenzone. Die Gäste nutzten die Verwirrung und der freigeblockte Schambeck vollstreckte unhaltbar. Hauptsächlich durch Einzelaktionen suchten anschließend beide Teams ihr Heil. Während Ponitz im letzten Augenblick von EHC-Verteidiger McCourt (15.) gestoppt wurde, klärte auf der Gegenseite Habnitt nach einem Hansch-Schuß im Nachfassen. In der 19. Minute mußte Habnitt per Fuß klären, als Mäkelä Verteidiger Zimmermann abgeschüttelt hatte.
Auch im zweiten Drittel blieb das Bayreuther Überzahlspiel zunächst mäßig. Es krankte bereits am Aufbau, so daß kaum zwingende Chancen erzielt wurden. Doch zum Glück der Duszenko-Schützlinge: Auch das Powerplay der Gäste blieb nahezu ohne Wirkung, wie überhaupt sich die EHC-Stürmerstars in 1:1-Situationen kaum entscheidend in Szene setzen konnten. Mit einer Einzelleistung ließ ESVB-Stürmer Asanger den einheimischen Anhang erstmals jubeln. Nach einem Bullygewinn tankte er sich in der 27. Minute durch und kam überraschend unbedrängt zum Schuß. Clever nutzte er die Situation zum Ausgleich. Und Bayreuth blieb am Drücker. Auch von einer umstrittenen Strafzeit gegen Schwindl ließ man sich nicht aus dem Konzept bringen und leistete in beeindruckender Manier Gegenwehr. Als Schwindl von der Strafraum zurückgekehrt war, erhöhte der ESVB den Druck und brachte den Gast damit wiederholt in Verlegenheit. Kukacka (34. u. 35.), H. Bärnreuther (35.) und Pepin (36.) konnten jedoch aus Unsicherheiten der Gäste kein Kapital schlagen. Eine Notbremse von EHC-Verteidiger Niedermaier gegen den durchgebrochenen Vire hatte allerdings Folgen. Nicht zuletzt durch beherzten Kukacka-Einsatz konnte der ESVB ein Powerplay aufziehen. H. Bärnreuther traf aus spitzem Winkel zum 2:1, wobei der Puck vom Pfosten über die Linie prallte.
Im Schlußdrittel übernahm sofort Ex-Erstligist Straubing das Kommando und hatte dabei gute Möglichkeiten. In der 42. Minute rettete Habnitt gegegen Hoogsten, ehe er bei einem Dylla-Schuß an den Pfosten Glück hatte und beim Vöst-Nachschuß schon wieder auf dem Posten war. Beim Entlastungsangriff setzte Meixner einen geschickten Schlenzer überraschend zum 3:1 in die Maschen, ehe 28 Sekunden später Stevens mit einem Glückschuß zum 4:1 (43.) traf. In beiden Fällen sah Gästekeeper Zankl mit der Stockhand schlecht aus. Er verließ entnervt das Eis und wurde durch Fellhauer ersetzt. Der Gast ließ sie dadurch aber nicht beirren, forcierte weiter das Tempo und brachte sich mit einem Doppelschlag (innerhalb von 39. Sekunden) in der 45. Minute wieder ins Spiel zurück. Erst mit einer Auszeit konnte ESVB-Trainer Duszenko den Elan der Gäste etwas einschränken. Der ESVB kam wieder zu Entlastungsangriffen, schien aber beim Ausgleich in der 56. Minute durch den auftauenden Star Corpse etwas zu offensiv orientiert. Genau 62 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit verhinderte TW Habnitt mit einer Glanztat gegen Rossi de Mio das 5:4 für die Gäste.
In der Verlängerung suchten beide Teams die Entscheidung, so daß die Fans beider Lager auf die Folter gespannt wurden. Während TW Habnitt gegen Corpse seine Klasse bewies hatten die Oberfranken durch Kukacka, H. Bärnreuther und Schederin die zwingenderen Chancen, ehe sie im Penaltschießen Nervenstärke bewiesen.
ESV Bayreuth: Habnitt - Schederin, Doll; Zimmermann, Meixner; Bartos - Kukacka, Bokenfohr, H. Bärnreuther; Stevens, Pepin, Ponitz; Schwindl, Vire, Asanger; Cameron, Weilert.
EHC Straubing: Zankl (ab 43. Fellhauer) - Boman, Vogl; McCourt, Schambeck; Niedermaier, Eckert - Corpse, Mäkelä, Heitzer; Hoogsteen Meier, Dylla; Rossi de Mio, Hansch, Vöst; Knott, Setz.
SR: Frenzel (Zweibrücken);
Zuschauer: 2171;
Strafminuten: Bayreuth 18, Straubing 22.
Tore: 0:1 (11.) Schambeck (Hoogsteen, Dylla), 1:1 (27.) Asanger, 2:1 (38.) H. Bärnreuther (Kukacka - 5 gegen 4), 3:1 (43.) Meixner (H. Bärnreuther), 4:1 (43.) Stevens (Doll), 4:2 (45.) McCourt (Vöst, Corpse), 4:3 (45.) Corpse (Dylla, McCourt), 4:4 (56.) Corpse (Dylla, Vöst).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth