Neuling in allen Belangen unterlegen

ESVB-Team mußte sich spielerisch dominierendem Tabellenzweiten Deggendorf mit 0:3 beugen


Von Siegfried Zerrenner
Im vierten Spiel vor eigenem Anhang riß die kleine Heimserie des ESV Bayreuth. Der Neuling der 1. Liga Süd mußte vor 1700 Zuschauern die Überlegenheit des Tabellenzweiten Deggendorfer EC neidlos anerkennen und zog letztlich verdient mit 0:3 (0:2, 0:1, 0:0) Toren den kürzeren, wobei der Endstand bereits in der 23. Minute erzielt wurde. Auffallend: Die Gegenwehr der Einheimischen in den entscheidenden Zweikämpfen blieb dabei erstaunlich gering.

Auch im morgigen Auswärtsspiel wird es für die Schützlinge von Trainer Wilbert Duszenko nicht einfach, beim oberfränkischen Rivalen ERC Selb zumindest einen Zähler zu entführen.
Bereits vor Spielbeginn war den Deggendorfern eine kleine Überraschung geglückt, denn sie waren auf der Suche nach einer Verstärkung doch noch rechtzeitig auf dem Transfermarkt fündig geworden. Sie holten kurzfristig aus Kanada den körperlich robusten Abwehrspieler Doug Wood, der noch in der Vorsaison beim DEL-Klub Kassel gespielt hatte. "Einen Verteidiger dieser Klasse hätte ich auch gerne in meiner Mannschaft", kommentierte ESVB-Coach Duszenko den Blitztransfer der Niederbayern, die gleich in den ersten Minuten ihre Torgefährlichkeit aufblitzen ließen. Bei einer Strafzeit gegen ESVB-Verteidiger Laituri hatten die Wagnerstädter bereits erhebliche Schwierigkeiten, doch der wiederum zuverlässige Torhüter Habnitt meisterte einen Goodall-Schuß in toller Manier (3.).
Wenn überhaupt die Einheimischen eine Chance gehabt hätten, ihr Spiel in die richtigen Bahnen zu lenken, dann in zwei Überzahlsituationen während der ersten zehn Minuten. Das Powerplay wurde zunächst noch ordentlich aufgezogen, doch bei Schüssen von Sevcik, Fredmark (5.) und Rudberg (8.) fehlten die berühmten Zentimeter zum goldenen Abschluß.
Ein blitzschneller Spielzug der Niederbayern führte in der 11. Minute zum 1:0, wobei der erste Block seine Defensivaufgabe nicht hundertprozentig wahr genommen hatte. Auch beim 0:2 (18.) stand der erste Block auf dem Eis, doch die "Ursache" ist klar Rudberg anzulasten, der sich im eigenen Spieldrittel einen folgenschweren Scheibenverlust erlaubte.
Eins galt allerdings für alle Blöcke, die in manchen Phasen des zweiten Drittels mitunter hilflos überfordert waren: Die Zweikämpfe wurden nicht angenommen! So konnte die kanadische Sturmreihe der Gäste mit Crombeen, Hogan und dem überragenden Vorbeiter und Vollstrecker Goodall fast nach Belieben schalten und walten. Daran änderte auch die Umstellung nichts, als sich im zweiten Drittel der zweite ESVB-Block um den Paradesturm der Niederbayern zu kümmern hatte.
Obendrein erhielt die Moral der Einheimischen einen frühen Knacks, als Goodall in der 23. Minute mit einem "Strich" in Überzahl auf 3:0 erhöhte. Zwar kamen die Einheimischen zu einigen vielversprechenden Einzelaktionen, doch der clever den Rhythmus bestimmende Gast kontrollierte stets das Geschehen und hatte weitere gute Möglichkeiten. So wurde ein Schuß von Fical im letzten Augenblick von Rudberg auf der Torlinie (28.) abgewehrt. Auf der Gegenseite traf der überhastete Schwindl nur den Außenpfosten (35.), während ein verdeckter Laituri-Distanzschuß vom DEL-erfahrenen TW Meister per Fußabwehr (38.) entschärft wurde.
Im Schlußdrittel ließ der Gast kaum noch Zweifel an seinem Sieg aufkommen. Die routinierteren Niederbayern, deren Eigenfehlerquote im Vergleich zum ESVB gering blieb, schaukelten ihren Vorsprung auch mit reduzierter Kraft souverän über die Runden und hatten dabei noch die zwingenderen Chancen. Für Spannung hätten allerdings die Oberfranken in der 44. Minute sorgen können, doch Bärnreuther und Rudberg (Nachschuß) konnten einen Konter nicht abschließen. Verfrüht war der Torjubel der ESVB-Anhänger in der 55. Minute. Gästetorwart Meister hatte die Scheibe nach einem Ponitz-Schuß mit den Beinschienen eingeklemmt. Unmittelbar nach dem Abpfiff des Unparteiischen kullerte die Scheibe über die Torlinie.

Trainerstimmen Wilbert Duszenko
(ESVB): "Entscheidend war die Tatsache, daß uns Deggendorf keinen Raum für unser Spiel gegeben hat. Obendrein blieben einige Akteure meiner Mannschaft unter ihren Möglichkeiten."
Kim Collins
(Deggendorf): "Von den bisherigen Spielen meines Teams war dies das Kompletteste. Lediglich in den Unterzahlsituationen des ersten Drittels hatte ich etwas Bedenken."
ESV Bayreuth:
Habnitt - Laituri, Meixner; Fredmark, Doll; Zimmermann, Bartos; Weingran - Heubach, Sevcik, Rudberg; Toi-vola, Bokenfohr, Bärnreuther; Asanger, Ponitz, Schwindl; Trolda.
Deggendorfer EG:
Meister - Wood, Kopitz; Andersson, Weber; Borberg, Tischler - Crombeen, Goodall, Hogan; Fical, Vanik, Schäfer; Penzkofer, Kindeev, Greilinger; Kulzer.
SR: Drews (Regensburg);
Zuschauer: 1700;
Strafminuten: Bayreuth 12, Deggendorf 12.
Tore: 0:1 (11.) Goodall (Hogan), 0:2 (17.) Hogan (Crombeen, Goodall), 0:3 (23.) Goodall.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth