"Standing Ovations" nach Husarenstreich

Kampfstarkes ESVB-Eishockeyteam bezwang den Meisterschafts-Favoriten SC Bietigheim mit 8:5


Von Siegfried Zerrenner
Für eine faustdicke Überraschung sorgte der ESV Bayreuth am 15. Spieltag der 1. Liga Süd. Trotz Personalnot und einem frühen 0:2-Rückstand (8. Min.) riß die kampfstarke ESVB-Truppe noch die Kastanien aus dem Feuer und feierte einen 8:5 (3:3, 2:0, 3:2)-Erfolg über den Meisterschafts-Favoriten SC Bietigheim-Bissingen, dessen Stürmerstars konsequent abgeblockt wurden. Die "Tigers", die mit "Standing Ovations" von ihren Anhängern verabschiedet wurden, verdienten sich ein Gesamtlob.

ESVB-Trainer Wilbert Duszenko war vor Spielbeginn nicht zu beneiden. Verletzungsbedingt mußte er neben den Verteidigern Marco Zimmermann, Michael Meixner und Stürmer Peter Asanger auch auf seinen Stammtorhüter Dietmar Habnitt verzichten, der sich im Training eine Schulterverletzung zugezogen hatte. Obendrein hatte sich am späten Nachmittag der kürzlich für vier Wochen verpflichtete Russe Vladimir Terekhov überraschend verabschiedet. Er soll Heimweh verspürt haben. Damit waren die takischen Überlegungen des Trainers zunichte gemacht. Letztlich durfte er froh gewesen sein, wieder auf den zuletzt angeschlagenen Schweden Jonas Fredmark in der Verteidigung zurückgreifen zu können.
Ein Wellental der Gefühle erlebten die rund 1600 Zuschauer im ersten Drittel: Die Gäste wurden zunächst ihrem Ruf als Topfavorit gerecht und kontrollierten in den ersten zwölf Minuten das Geschehen. Eine umstrittene Strafzeit gegen ESVB-Verteidiger Laituri (6.) hatte 22 Sekunden vor Ablauf der Strafe Folgen. Nachdem das Powerplay der Bietigheimer zunächst nicht recht auf Touren kam, schloß Bader eine Blitzaktion mit der Führung der Gäste ab, die zwölf Sekunden später erneut jubeln konnten. Bei der "Entstehung" hatte Habnitt-Ersatz Wegmann zunächst keine gute Figur gemacht, doch auch seine Verteidiger schalteten zu spät. Als SC-Verteidiger Ahlroth in der 11. Minute nur den Pfosten traf, mußten die Einheimischen Schlimmes befürchten.
Doch mit Strafzeiten gegen die Schwaben wurden die Oberfranken förmlich wieder aufgebaut. Als ab der 16. Minute Filbey, Teeple und später Leahy und Nykopp nacheinander auf die Strafbank mußten, stach erstmals in dieser Saison die Überzahl-Trumpfkarte der Duszenko-Schützlinge, die innerhalb von 150 Sekunden bei 5:3-Überzahl einen 0:2-Rückstand in eine 3:2-Führung ummünzten. Doch die Freude dauerte nur drei Sekunden. Mit einem haltbaren Weitschuß kassierten die Einheimischen den Ausgleich, nachdem SC-Verteidiger Nykopp fast von der Mittellinie genau Maß genommen hatte.
Auf beachtlichem Niveau stand der zweite Abschnitt, der über weite Strecken ausgeglichen verlief. Die "Tigers" verzeichneten allerdings die zwingenderen Aktionen vor dem Tor. Sie fanden über den Kampf zu ihrem Spiel und verstanden es ausgezeichnet, die Stürmerstars im Gästeteam rechtzeitig abzublocken. Ein Doppelschlag in der 27. Minute war letztlich weichenstellend für die Partie. Zunächst hatte Bärnreuther ein Bokenfohr-Zuspiel mit einem Volleyschuß abgeschlossen, als sich der zu Wochenbeginn verpflichtete Hartfuß in Szene setzte. Sechs Sekunden nach dem 4:3 erzielte er mit einer Einzelaktion das 5:3, wobei Gästekeeper Labreque offensichtlich mit einem Abspiel auf Schwindl gerechnet hatte. Das Tor hatte die Schwaben offensichtlich geschockt. Trainer Tom Pokel nahm gleich eine Auszeit, um wieder Ordnung in seine Reihen zu bringen. Das klappte nur bedingt, denn keine 100 Sekunden später unterlief ihm ein Wechselfehler, die eine weitere Strafzeit einbrachte.
Auffallend: Auch im ebenfalls abwechslungsreichen Schlußdrittel bewährte sich der reaktionsschnelle TW Wegmann. Die Schlüsselszene in der 52. Minute: Unmittelbar nach dem Anschlußtreffer durch Ex-Nationalstürmer Held gelang Rudberg das 6:4. Als Schwindl nach einem Konter auf 7:4 erhöhte, war die Vorentscheidung gefallen.
ESV Bayreuth:
Wegmann - Laituri, Fredmark; Doll, Hartmann; Bartos - Heubach, Sevcik, Rudberg; Toivola, Bokenfohr, Bärnreuther; Ponitz, Hartfuß, Schwindl; Weingran.
SC Bietigheim-Bissingen:
Labreque - Mieszkowski, Nykopp; Drobny, Ahlroth; Jablonski - Leahy, Teeple, Ritchie; Naumann, Liebsch, Bader; Hess, Filbey, Held; Mundil.
SR: Brill (Zweibrücken);
Zuschauer: 1513;
Strafminuten: Bayreuth 10, Bietigheim-Bissingen 18.
Tore: 0:1 (9.) Bader (Teeple, Leahy - 5 gegen 4), 0:2 (9.) Hess (Held, Filbey), 1:2 (17.) Sevcik (Toivola, Hartmann - 5 gegen 3), 2:2 (18.) Rudberg (Hartfuß, Toivola - 5 gegen 3), 3:2 (19.) Bokenfohr (Laituri - 5 gegen 3), 3:3 (19.) Nykopp (Jablonski - 4 gegen 5), 4:3 (27.) Bärnreuther (Bokenfohr), 5:3 (27.) Hartfuß (Laituri, Ponitz), 5:4 (51.) Held (Drobny), 6:4 (52.) Rudberg (Sevcik), 7:4 (54.) Schwindl (Ponitz, Hartfuß), 7:5 (56.) Liebsch, 8:5 (60.) Sevcik (Rudberg - 6 gegen 5).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth