Defensivmängel konsquent bestraft

ESVB-Team mußte Überlegenheit der Crimmitschauer beim 1:6 anerkennen / Über 3500 Anhänger


Von Siegfried Zerrenner
Die Kasse stimmte beim ESV Bayreuth, die vagen sportlichen Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht: Vor über 3500 Zuschauern (Saisonrekord) setzte sich im gestrigen Kassenschlager der 1. Eishockey-Liga Süd die Cleverneß des Tabellenzweiten ETC Crimmitschau in den entscheidenden Situationen durch, der Defensivmängel bestrafte und den Schützlingen von Trainer Wilbert Duszenko eine 1:6 (0:1, 0:2, 1:3)-Niederlage verpaßte.

Bereits im ersten Drittel wurde Crimmitschau seinem Ruf als Spitzenteam gerecht. Die Westsachsen wirkten scheiben- und kombinationssicherer und profitierten von vielen Abstimmungsmängeln der nervös wirkenden Wagnerstädter, die ihrerseits kein Rezept gegen die in der Defensive gut gestaffelten Westsachsen fanden. Aufgrund der zwingenderen Einschußchancen ging daher die 1:0-Führung nach dem ersten Abschnitt in Ordnung. Der Bayreuther Rückstand in der 16. Minute hatte sich während einer Druckphase der Gäste abgezeichnet. Prada (15.), Losch und Schultz waren unmittelbar vor dem Gegentreffer noch an Torwart Habnitt gescheitert, der dann bei Loschs "Strich" machtlos war. Ausgangspunkt war allerdings ein ärgerlicher Scheibenverlust im Mitteldrittel und Laituri attackierte den Torschützen nur halbherzig.
Habnitt hatte vorher schon bei Schüssen von Rohrbach (5.), Shaver (7.) und Prada (10.) im Brennpunkt gestanden, während sich das Offensivspiel der Einheimischen nur mäßig entwickelte. Abspielfehler hemmten obendrein den Spielfluß erheblich. Erst nach dem 0:1 wagten sich die Duszenko-Schützlinge engagierter in die Offensive und beinahe wäre Schwindl (17.) der Ausgleich gelungen. Bei einem Überzahlspiel nach einer Strafzeit gegen Stastny fanden die Einheimischen keine Powerplay-Aufstellung. Schüsse von Doll und Neuzugang Ivanov waren die einzige Ausbeute.
Furios eröffnete der Gast den zweiten Abschnitt, als Shaver nach wenigen Sekunden zweimal "anklopfte" und Hedman (23.) nur knapp verzog. Als der Schwede wenig später auf die Strafbank mußte, kam das Überzahlspiel erneut nicht auf Touren, ehe just in Unterzahl die ersten Möglichkeiten zu verzeichnen waren. Zunächst wurde ein Schuß des wiederum auffälligen Sevcik (26.) aus spitzem Winkel von Gästekeeper Eriksson entschärft, ehe der Kanadier bei einem Break mustergültig für Laituri auflegte, dessen Schlagschuß aber von einem Verteidiger im letzten Augenblick noch abgeblockt wurde.
Danach folgte die stärkste Phase der Gastgeber, die einen offenen Schlagabtausch erzwangen. Der Ausgleich lag wiederholt förmlich in der Luft. In der 31. Minute traf Sevcik nur den Außenpfosten, ehe Toivola nach einem Doll-Zuspiel aus kurzer Distanz die Scheibe nicht unter Kontrolle brachte. Der Finne verpaßte keine 30 Sekunden später das mögliche 1:1. Nach sehenswertem Doppelpaß mit Bokenfohr kam er in beste Schußposition, verzog aber überhastet.
Der Knackpunkt im Bayreuther Spiel folgte zwei Minuten später. Die Strafzeit gegen Stastny und Doll war eben abgelaufen, als Zweikampfsieger Laituri den von der Strafbank gesprinteten Stastny unfreiwillig bediente und der Tscheche nahm das Geschenk zum 2:0 der Gäste dankend an.
Fehlende Cleverneß wurde den Einheimischen auch beim vorentscheidenden 0:3 zum Verhängnis. Als der Schiedsrichter in der 38. Minute eine Strafzeit gegen Heubach anzeigte, ging die Ordnung in der Defensive verloren. Gästestürmer Schultz schaltete schneller und vollstreckte kaltschnäuzig.
Die Luft im Bayreuther Team war in der 45. Minute endgültig raus, als Losch acht Sekunden vor Ablauf einer Strafzeit gegen Toivola zum 4:0 traf. Zwei Minuten später bügelte ETC-Keeper Eriksson einen Fehler seiner Vorderleute aus, als er gegen den alleine durchgebrochenen Sevcik rettete, ehe der überragende Losch beim 5:0 den dritten ESVB-Block mit einem sehenswerten Solo schlecht aussehen ließ. Beim Bayreuther Ehrentor zeigte sich der im Schlußdrittel eingewechselte Asanger entschlossen im Abschluß.
ESV Bayreuth:
Habnitt - Ivanov, Laituri; Hartmann, Doll; Meixner, Bartos - Heubach, Sevcik, Rudberg; Toivola, Bokenfohr, Bärnreuther; Ponitz, Hartfuß, Schwindl; Asanger, Weingran.
ETC Crimmitschau:
Eriksson - Winstanley, Krüger; Weiß, Sebek; Hedman, Maaß; Solf - Henkel, Prada, Steinbock; Rohrbach, Stastny, Sekera; Losch, Shaver, Schulz; Heine, S. Schröder.
SR: Sander (Peiting);
Zuschauer: 3350 (offizielle Angabe);
Strafminuten: Bayreuth 16, Crimmitschau 16.
Tore: 0:1 (16.) Losch (Hedman, Prada), 0:2 (35.) Stastny (Prada), 0:3 (38.) Schultz, 0:4 (45.) Losch (Hedman - 5 gegen 4), 0:5 (49.) Losch, 0:6 (50.) Weiß, 1:6 (52.) Asanger (Rudberg, Sevcik).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth