Demontage im zweiten Spieldrittel

ESVB-Team verlor nach umstrittenem Gegentor zum 1:2 den Faden / 3:6 gegen Nachbarn Amberg


Von Siegfried Zerrenner
Auch im sechsten Spiel in Folge blieb Neuling ESV Bayreuth ohne Sieg. Im Derby der 1. Eishockey-Liga Süd bezogen die Oberfranken nach einer spielerischen Demontage im zweiten Drittel eine 3:6 (1:1, 0:4, 2:1)-Niederlage gegen den in wichtigen Phasen clever agierenden Nachbarn ERSC Amberg und sehen nun unruhigen Zeiten entgegen. Die Aufholjagd im Schlußdrittel blieb unbelohnt.

Die Schlüsselszene war in der 33. Minute zu notieren. ESVB-Torwart Wegmann wehrt gegen den durchgebrochenen Amberger Stürmer Svitzer ab, der Schiedsrichter pfeift, die Situation schien bereinigt und die Akteure beider Teams waren offensichtlich auf ein Bully im Drittel der Einheimischen eingestellt. Der Schiedsrichter hatte aber die Scheibe hinter der Torlinie gesehen und verblüffte Spieler und Zuschauer mit seiner Tor-Entscheidung für die Amberger, die aus der folgenden Konfusion der Einheimischen Kapital zu schlagen vermochten. 68 Sekunden nach dem 1:2 ließ ERSC-Kanadier Labonte Verteidiger Zimmermann und Torhüter Wegmann mit seinem Flachschuß zum 3:1 schlecht aussehen und beim 4:1 in der 37. Minute wurde die ESVB-Abwehr regelrecht überlaufen. Als beim 5:1 der Ex-Bayreuther Morin beinahe unbehindert vollstrecken konnte, mußten sich die Schützlinge von Trainer Wilbert Duszenko Pfiffe ihrer Anhänger gefallen lassen. Und das völlig zu Recht.
Dabei hatte alles vielversprechend für die Wagnerstädter begonnen. Im Nachsetzen besorgte der wiederum fleißig rackernde Sevcik schon nach 65 Sekunden die 1:0-Führung für die Einheimischen, die in der Defensive in Druckphasen des Gegners ebenso wenig sattelfest wirkten wie der Nachbar. Unmittelbar vor dem Ausgleich in der 4. Minute hatte Wegmann mit tollem Reflex gegen gegen Labonte geklärt, doch schien der Habnitt-Ersatzmann beim 1:1 wie seine Vorderleute die Übersicht verloren zu haben.
Bis zur ersten Drittelpause verzeichneten anschließend die Oberfranken klar die zwingenderen Chancen. Dabei hätten Toivola (10. und 19.) sowie Bärnreuther (14.) jeweils aus kurzer Distanz die Führung erzielen müssen.
Das 2:1 für die Bayreuther lag auch zu Beginn des zweiten Abschnitts mehrmals in der Luft. Bärnreuther nach herrlichem Toivola-Paß (23.), Heubach (26.- nach Mustervolage von Sevcik) scheiterten aber jeweils an ERSC-Keeper Quapp, ehe ESVB-"Kapitän" Doll nach einem Stockschlag von Gosselin auf die Halsschlagader benommen auf dem Eis liegen blieb und später in die Kabine gebracht werden mußte. Der Amberger Verteidiger kam mit zwei plus zwei Strafminuten äußerst glimpflich davon, zumal auch Rudberg und Ponitz (für TW Wegmann) auf die Strafbank mußten. Passend zur Bayreuther Pechsträhne im Abschluß: Sekunden vor dem umstrittenen 1:2 hatte Bokenfohr nur die Latte getroffen, ehe ein folgender Blackout die Niederlage einleitete.
Zumindest im Schlußdrittel setzten sich die Gastgeber gegen ein drohendes Debakel zur Wehr. Zwar verlief das erste Überzahlspiel in der 44. und 45. Minute mitunter holprig, doch nach einem Ponitz-Treffer nach sehenswertem Schwindl-Zuspiel (50.) kam noch einmal Stimmung auf. Zwei Sekunden vor Ablauf einer Strafzeit gegen Kinateder verkürzte Laituri (53.) auf 3:5 und die Partie wurde wieder spannend. Eine Laituri-Strafzeit (56.) brachte allerdings den Spielfluß ins Stocken. Als Coach Duszenko in der Schlußminute seinen Keeper vom Eis nahm wurde das Risiko nicht belohnt und Amberg (erstmals mit Verteidiger-Neuzugang Haslach vom Bundesligisten Ingolstadt) beseitigte mit dem 6:3 genau 17 Sekunden vor Schluß alle Zweifel.
ESV Bayreuth:
Wegmann - Ivanov, Meixner; Laituri, Doll; Zimmermann, Bartos - Toivola, Bokenfohr, Bärnreuther; Heumann, Sevcik, Rudberg; Schwindl, Hartfuß, Ponitz; Weingran.
ERSC Amberg:
Quapp - Martin, Kunce; Gosselin, Thumm; Kunce, Martin; Haslach, Carroll - Morin, Roland, Gorman; Kock, Labonte, Young; Kinateder, Svitzer, Bauer; Melia.
SR: Drews (Regensburg);
Zuschauer: 1120;
Strafminuten: Bayreuth 14, Amberg 18.
Tore: 1:0 (2.) Sevcik (Laituri), 1:1 (4.) Roland (Morin, Martin), 1:2 (33.) Svitzer, 1:3 (34.) Labonte (Gosselin), 1:4 (37.) Svitzer (Kinateder, Haslach), 1:5 (39.) Morin (Gosselin, Kunce), 2:5 (50.) Ponitz (Schwindl, Laituri), 3:5 (53.) Laituri (Sevcik, Bärnreuther - 5 gegen 4), 3:6 (60.) Kock (Gosselin - 5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth