Ausgleich lag in der Luft

ESVB in Bietigheim erst in Schlußminuten mit 3:6 bezwungen


Von Claus Pfitzer
und Herbert Steininger
Fast hätte der ESV Bayreuth seine Außenseiterchance beim hohen Favoriten der 1. Eishockey-Liga Süd, SC Bietigheim-Bissingen, genutzt: Mit 3:6 (1:3, 1:1, 1:2) zogen die Wagnerstädter zwar den kürzeren, doch mußten die Gastgeber bis zwei Minuten vor der Schlußsirene auf ihren "erlösenden" fünften Treffer warten.

Die ansprechende Vorstellung des ESVB-Teams läßt auf eine Wiederholung am kommenden Freitag im Oberfrankenderby beim ERC Selb hoffen, ehe am Sonntag mit dem Deggendorfer EC eine weitere Spitzenmannschaft seine Visitenkarte im Bayreuther Eisstadion abgibt.
Die überraschende 4:9-Pleite der Bietigheim-Bissinger beim EHC Haßfurt zwei Tage zuvor zeitigte Wirkung: Statt des hochgepriesenen Kanadiers Labreque, dem man etliche Treffer anlastete, hütete erstmals nach Wochen wieder einmal der zweite Keeper, Baader, das SC-Gehäuse, bei den Bayreuthern erfüllten sich die Hoffnungen auf einen Einsatz von Torwart-Routinier Habnitt indes nicht. Sein Stellvertreter Wegmann versah seinen Part aber ordentlich.
In der wenig berauschenden Partie mit vielen kämpferischen, aber kaum spielerischen Momenten wurden die Bietigheimer ihrer Favoritenrolle zunächst nicht gerecht: Zwar gingen sie erwartungsgemäß bei Überzahl in der 6. Minute in Führung, doch nur 60 Sekunden später wurden die Bayreuther Bemühungen durch den Ausgleich belohnt, als - ebenfalls mit einem Mann mehr auf dem Eis - Verteidiger Doll eine Vorarbeit von Laituri und Ponitz vollendete. Pech für die Duszenko-Truppe, daß eine weitere Minute später Verteidiger Ivanov nach einem Stockstich in die Magengegend angeschlagen wurde - an einen weiteren Einsatz war nicht zu denken. Zimmermann und Doll füllten die Lücke abwechselnd aus. Die bis dato völlig von der Rolle scheinenden Einheimischen nutzten die zeitweilige Verwirrung im ESVB-Team, kamen besser zum Zuge. Logische Konsequenz: Das 2:1 und 3:1, was aber beileibe nicht für die nötige Sicherheit bei den Württembergern sorgte. Vielmehr wußten sich die "Tigers" immer wirkungsvoller aus der Umklammerung zu lösen und erzwangen bis zur Drittelpause eine ausgeglichene Partie.
Auch im zweiten Durchgang setzte sich die ansprechende Bayreuther Vorstellung fort. Vor allem in puncto Zweikampfstärke erwiesen sich die Duszenko-Schützlinge als durchaus ebenbürtig, und bei ihren mutigen Vorstößen fehlte zuweilen auch ein wenig das Glück. Torwart Baader mußte in einigen Szenen sein Können unter Beweis stellen, hatte aber beim zweiten Bayreuther Treffer Pech, als ihn Bärnreuther mit einem "klassischen" Beinschuß überwand (31.). Einziger echter "Höhepunkt" des weiterhin spielerisch armen Treffens war eine Aktion von Meixner (32.), der nach einem an ihm verwirkten Foul mit dem Schläger auf seinen Gegenspieler losging - der Unparteiische löste die Situation mit zweimal zwei Minuten für Meixner und weiteren zwei für den Einheimischen auf.
Als die Wagnerstädter gleich zu Beginn des letzten Abschnitts zum 3:4 kamen - der Kanadier Coté markierte auf Toivola-Vorlage seinen zweiten Treffer im ESVB-Trikot -, lag der Ausgleich gleich mehrfach in der Luft. Mit ihren frech herausgespielten Kontern brachten die "Tigers" ihre Gastgeber ein ums andere Mal in Bedrängnis, fanden aber entweder in Baader ihren Meister oder vergaben überhastet. Erst eine Einzelaktion von Ritchie zwei Minuten vor dem Ende brachte die Einheimischen auf die Siegerstraße zurück. Als ESVB-Trainer Wilbert Duszenko alles auf eine Karte setzte und für Wegmann einen sechsten Feldspieler brachte, stellten die Bietigheimer zwei Sekunden vor Schluß den Endstand her.

Statistik SC Bietigheim-Bissingen:
Baader - Mieszkowski, Nykopp; Drobny, Ahlroth; Jablonski, Bauer - Leahy, Teeple, Ritchie; Naumann, Liebsch, Bader; Hess, Filbey, Held.
ESV Bayreuth:
Wegmann - Bartos, Zimmermann; Ivanov, Meixner; Laituri, Doll - Heubach, Ponitz, Asanger; Toivola, Coté, Schwindl; Rudberg, Sevcik, Bärnreuther.
SR: Drews (Regensburg);
Zuschauer: 1300;
Strafminuten: Bietigheim-Bissingen 8, Bayreuth 10.
Tore: 1:0 (6.) Teeple (Bader, Nykopp - 5 gegen 4), 1:1 (7.) Doll (Laituri, Ponitz - bei 5 gegen 4), 2:1 (11.) Ritchie (Leahy, Teeple), 3:1 (16.) Naumann (Liebsch, Ahlroth - bei 5 gegen 4), 4:1 (27.)
Leahy (Ritchie), 4:2 (31.) Bärnreuther (Sevcik, Doll), 4:3 (41.) Coté (Toivola), 5:3 (58.) Ritchie (Leahy), 6:3 (60.) Leahy (Teeple - 5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth