Pechsträhne brachte ESVB nicht aus der Fassung

Tolle Moral mit 6:4-Sieg über Tabellenzweiten Deggendorf belohnt


Von Siegfried Zerrenner
Ein lupenreines Eigentor zum 0:1-Fehlstart, ein Fehlpaß-Geschenk, das zum 2:4-Rückstand führte und ein vom überzeugenden Sevcik verschossener Penalty (32.) beim 3:4-Zwischenstand. Auch von einer Pechsträhne ließ sich das Eishockeyteam des ESV Bayreuth nicht aus der Fassung bringen, setzte auf Kampfmoral und riß im Heimspiel der 1. Liga Süd ein fast schon verloren geglaubtes Treffen noch aus dem Feuer. Mit 6:4 (2:3, 2:1 2:0) wurde mit dem Tabellenzweiten Deggendorfer EC die auswärtsstärkste Mannschaft der Spielklasse letztlich verdient bezwungen.

Mit einer beeindruckenden Gesamtleistung rührten die "Tigers" nach Beendigung ihrer Negativserie (fünf Niederlagen in Folge) die Werbetrommel für das Derby am ersten Weihnachtsfeiertag gegen den unterfränkischen Nachbarn ERC Haßfurt (Beginn um 19.30 Uhr).
"Ehrlich gesagt, mir ist nach der Schlußsirene ein Stein vom Herzen gefallen, denn nach der aus meiner Sicht bitteren Derbyniederlage am Freitagabend in Selb sind wir enorm unter Druck geraten", atmete ESVB-Trainer Wilbert Duszenko erleichtert auf. Fast im gleichen Atemzug ergänzte der Coach: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die nach dem 1:3- bzw. 2:4-Rückstand Charakter gezeigt und gut gekämpft hat. Ich war in einigen Situationen schon fast der Ansicht, die Mannschaft braucht keinen Trainer, sondern einen Psychiater. Doch zum richtigen Zeitpunkt haben wir glücklich agiert und wurden im letzten Drittel belohnt."
Seine Resümee zum Schlußdrittel traf dann auch den Nagel auf den Kopf: "Im Gegensatz zum Spiel im Selb wurde nach dem 4:4 weitergearbeitet und geduldig auf die Chance gewartet."
Gästecoach Kim Collins, der vier Leistungsträger zu ersetzen hatte, analysierte aus seiner Sicht: "Wir haben nach dem 2-Tore-Vorsprung unsere Chance nicht genutzt, in Bayreuth zumindest einen Punkt zu holen. Ich bin auch deshalb enttäuscht, weil wir die Gastgeber durch vermeidbare Scheibenverlusten wieder ins Spiel zurückbrachten."
Hauptverantwortlich dafür zeichnete ESV-"Kapitän" Anton Doll, der an seine letzten guten Heimvorstellungen anknüpfte und in zwei kritischen Phasen für die Einheimischen ein Signal setzte. Mit seinem Glückstor zum 2:3-Anschlußtreffer, mit dem er offensichtlich Deggendorfs Torwart Burkhardt in der 20. Minute überrascht hatte, forderte er geradezu seine Kollegen zu mehr Mut beim Torschuß auf, ehe er beim wichtigen 4:4-Ausgleich in der 35. Minute mit einem Weitschuß die Vorlage für Asanger gab.
Beim anschließenden offenen Schlagabtausch schien beim druckvollen Überzahlspiel bereits die Führung fällig. Einen Sevcik-Schuß wehrte allerdings der Gästekeeper mit tollem Reflex ab, ehe Bärnreuther um Haaresbreite (38.) verfehlte.
Mehr Glück hatte Laituri zu Beginn des Schlußdrittels. Bei seinem Weitschuß in der 42. Minute zum 5:4 sah DEC-Schlußmann Burkhardt erneut nicht gut aus. Zwar handelte sich der Schwede Sekunden später eine Strafzeit ein, doch in Unterzahl zeigten die "Tigers" Zähne und Siegeswillen und ließen keine einzige Einschußmöglichkeit zu. In der 53. Minute rettete allerdings Torwart Habnitt in höchster Not gegen Hogan, ehe fast im Gegenzug die Entscheidung gelang. Ein Heubach-Vorstoß schien mit Deggendorfer Körpereinsatz schon abgeblockt, ehe der Stürmer im Fallen die Scheibe zu Toivola schlenzte. Und kaum zu glauben: Nachdem der Finne vorher wiederholt die Courage zum Torschuß vermissen ließ, vollstreckte er im Stile eines kaltschnäuzigen Vollstreckers.
Heubach hatte mit seinem Einsatz seinen Schnitzer zu Beginn des zweiten Abschnittes wettgemacht. Mit einem leichtsinnigen Querpaß hatte er die Vorlage für Gästestürmer Fical serviert, der sich nicht lange bitten ließ und zum 2:4 vollstreckte. Bei den drei Gegentreffern vorher hatte die Defensivabstimmung nicht gestimmt. Die Niederbayern waren im Erfassen der Situation zunächst stets schneller und legten nicht unverdient eine 3:1-Führung vor. Dabei hatten sie auch vom überraschenden 1:0 profitiert, als ESVB-Stürmer Ponitz bei einer Rettungsaktion im Torraum die Scheibe über die Torlinie drückte.
Die besten Noten bei den Oberfranken verdienten sich der wiederum fleißig rackernde Sevcik, der nach seinem Schlenzer zum 1:1 beinahe "schlitzohrig" den 3:4-Anschlußtreffer besorgt hatte, sowie die schußstarken Verteidiger Doll und Laituri. Dagegen ließ der Kanadier Coté die Durchschlagskraft vermissen, wenngleich sein Paßspiel gefällig wirkte. Bei den Niederbayern erzielten die Kanadier Crombeen und Hogan die meiste Wirkung.
ESV Bayreuth:
Habnitt - Ivanov, Meixner; Laituri, Doll; Zimmermann, Bartos - Toivola, Coté, Bärnreuther; Rudberg, Sevcik, Heubach; Asanger, Ponitz, Schwindl; Trolda.
Deggendorfer EC:
Burkhardt - Wood, Weber; Borberg, Tischler; Andersson, Weinzierl - Kindeev, Crombeen, Hogan; Fical, Vanik, Greilinger; Kulzer, Kopitz.
SR: Deibler (Peiting);
Zuschauer: 1100;
Strafminuten: Bayreuth 10, Deggendorf 16.
Tore: 0:1 (7.) Fical (Eigentor Ponitz), 1:1 (11.) Sevcik (Doll, Rudberg), 1:2 (13.) Kindeev (Crombeen), 1:3 (15.) Kindeev (Crombeen - 5 gegen 4), 2:3 (20.) Doll (Bärnreuther - 5 gegen 4), 2:4 (22.) Fical, 3:4 (28.) Sevcik, 4:4 (35.) Asanger (Doll, Sevcik), 5:4 (42.) Laituri (Heubach), 6:4 (56.) Toivola (Sevcik, Heubach).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth