Siegtraum platzte 5 Sekunden vor Schluß

Kampfstarkes ESVB-Eishockeyteam unterlag gegen Straubing nach Penaltyschießen unglücklich 4:5


Von Siegfried Zerrenner
Lediglich fünf Sekunden fehlten zum vielversprechenden Start ins Jahr 1999. Im Heimspiel der 1. Eishockey-Liga Süd schien der ESV Bayreuth nach dem 4:3-Führungstor genau 204 Sekunden vor der Schlußsirene auf der Erfolgsspur, ehe der Siegtraum doch noch platzte. Der clevere EHC Straubing nutzte nach einem Bully die Unordnung in den ESVB-Reihen und erzwang noch eine Verlängerung, in der beide Teams keine Entscheidung herbeiführen konnten. Im Penaltyschießen hatten die Niederbayern mit Torhüter Thomas Melin den Matchwinner zum 5:4 (0:1, 2:1, 2:2) auf ihrer Seite.

"Das war bitter für uns, daß wir fünf Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit noch den Ausgleich kassierten", resümierte ESVB-Trainer Wilbert Duszenko unmittbar nach dem Penaltykrimi. Ergänzend meinte er: "Ein altes Sprichwort hat sich erneut bewahrheitet. Wenn man unten steht, fehlt das notwenige Quentchen Glück."
Und das hatten freilich die Straubinger, die zehn Sekunden vor Schluß einen Bully im Bayreuther Drittel erzwangen. Gästecoach Rudolf Sindelar nahm seinen schwedischen Torhüter Melin zugunsten eines zusätzlichen Stürmers vom Eis und wurde für diese taktische Maßnahme belohnt. Die Gäubodenstädter nutzten eine Unsicherheit zum Ausgleich.
In der Verlängerung scheiterte Rudberg in der 62. Minute am Straubinger Keeper, ehe eine Minute später der reaktionsschnelle ESVB-Schlußmann Wegmann im Liegen gegen EHC-Stürmer Preuß rettete. Dafür hatte der tüchtige Torwart beim Penaltyschießen kein Glück. Den Schuß von Ex-Nationalstürmer Franz hatte er bereits abgewehrt, ehe die Scheibe doch noch über die Linie kullerte. Franz traf ebenso wie St. Jacques und Meier, während beim ESVB nur Bärnreuther Nervenstärke bewies. Sevcik, Rudberg und Laituri konnten hingegen EHC-Torwart Melin nicht überwinden.
"Unsere Mannschaft hat gezeigt, daß sie gewillt ist, zu gewinnen", meinte ESVB-Vorsitzender Konrad Böhner, der sich beim letzten Spielbericht in Weiden falsch zitiert fühlte. "Ich habe nicht gesagt, daß es derzeit egal sei, auf welchem Platz wir in dieser Runde landen würden. Vielmehr sagte ich, es ist egal ob wir Platz fünf erreichen oder nicht, denn ab Platz fünf müssen alle Teams in die Qualifikationsrunde und dabei ist es wichtig, daß wir erfolgreich und in guter Verfassung in diese entscheidende Runde kommen."
In dieser Hinsicht zeigten die Wagnerstädter vielversprechende Ansätze. Obwohl sie nach Cotés Heimkehr nach Kanada derzeit eine Ausländerstelle unbesetzt hatten, erzwangen sie einen offenen Schlagabtausch und verzeichneten sogar ein Plus an Chancen. Intakt ist auf alle Fälle die kämpferische Einstellung des ESVB-Teams, das sich in den Zweikämpfen mit prominenten Gegenspielern nicht den Schneid abkaufen ließ.
Auf beiden Seiten warteten die Torhüter mit überragenden Reflexen auf. So hatte ESVB-Keeper Wegmann, der zunächst mit unsicheren Abwehraktionen seine Vorderleute ins Schwitzen brachte, großen Anteil an der knappen Führung nach dem ersten Drittel. Er wehrte in der 17. Minute einen Dylla-Alleingang ebenso spektakulär ab wie einen Konter von Vöst (19.), ehe er in der 32. Minute EHC-Kanadier St. Jacques mit einer Fußabwehr beinahe zur Verzweiflung brachte. Auf Straubinger Seite verhinderte Melin mit eindrucksvollen Paraden ein Davonziehen der Bayreuther. Unmittelbar nach dem 1:2-Anschlußtor der Niederbayern machte der schwedische Keeper hundertprozentige Chancen von Rudberg, Asanger (jeweils 29. Min.) und Bärnreuther (30.) zunichte, während er in der 34. Minute bei einem Pfostenschuß von Sevcik (nach Doppelpaß mit Rudberg) eine gehörige Portion Glück hatte. In der 44. Minute lag nach einem Asanger-Vorstoß das möglicherweise vorentscheidene 4:2 für die Oberfranken in der Luft, die in Überzahl (55. und 56.) mit zahlreichen Schüssen mangelndes Vollstreckerglück beklagten.
Die einheimischen Abwehrspieler (ohne den erkrankten Zimmermann) boten eine solide Gesamtleistung, wobei Ivanov, Doll und Laituri herausragten. Im Sturm erzielte das Duo Sevcik-Rudberg die meiste Wirkung. Seine beste Leistung im ESVB-Trikot zeigte der zweimalige Torschütze Toivola, der auf der ungewohnten Mittelstürmerposition unerwartet gut zurecht kam. Auch der dritte Block um Ponitz erfüllte die Erwartungen und agierte taktisch diszipliniert.
Neben Melin verdienten sich beim Gast der schnelle und gewitzte St. Jacques sowie das stets torgefährliche Duo Dylla-Meier die besten Noten.
ESV Bayreuth:
Wegmann - Laituri, Doll; Ivanov, Meixner; Weingran, Bartos - Rudberg, Sevcik, Heubach; Asanger, Toivola, Bärnreuther; Trolda, Ponitz, Schwindl; P. Häußinger, Böhner.
EHC Straubing:
Melin - Mainer, Wittl; Johansson, Schambeck; Vöst, Necas - Franz, Preuß, St. Jacques; Meier, Dylla, Sauter; Richter, Tatar, Leinsle; Eckert, Knott.
SR: Bettermann (Miesbach),
Zuschauer: 1600;
Strafminuten: Bayreuth 10, Straubing 16.
Tore: 1:0 (11.) Toivola - 4 gegen 4, 2:0 (25.) Rudberg (Laituri), 2:1 (28.) Tatar (Richter - 4 gegen 4), 2:2 (39.) Meier (Sauter, Schambeck), 3:2 (43.) Toivola (Ivanov, Sevcik - 5 gegen 4), 3:3 (47.) Meier (Dylla, Sauter), 4:3 (58.) Bärnreuther (Toivola), 4:4 (60), Dylla (Tatar, Meier - 6 gegen 5).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth