"Hut ab vor unserem kampfstarken Team"

ESVB bot Spitzenreiter Bietigheim beim 4:6 Paroli


EISHOCKEY

Von Siegfried Zerrenner
"Hut ab vor unserer kampfstarken Mannschaft. Durch ihren unermüdlichen Einsatz hätte sie eigentlich den Sieg verdient gehabt", verteilte Vorsitzender Konrad Böhner nach dem 4:6 (2:4, 2:1, 0:1) des ESV Bayreuth gegen den auf Bundesliga-Kurs steuernden Spitzenreiter der 1. Liga Süd, SC Bietigheim-Bissingen, Komplimente an die Schützlinge von Trainer Duszenko, deren Niederlage erst 22 Sekunden vor Schluß besiegelt wurde.

Der einheimische Coach hatte in der letzten Minute alles riskiert und seinen Torhüter Wegmann zugunsten eines zusätzlichen Stürmers vom Eis geholt. Doch statt des Ausgleichstreffers gelang den routinierten Gästen der sechste Treffer. Das 5:5 wäre eigentlich bei drei Großchancen in der 59. Minute fällig gewesen. Während Bartos und Neuzugang Tuominen knapp verpaßt hatten, verzog Toivola 72 Sekunden vor Schluß freistehend aus kurzer Distanz vor dem nahezu leeren Tor. Somit blieben die Bemühungen der bis zum Schluß lobenswert rackernden Einheimischen unbelohnt. Mit diesem Engagement der "Tigers" wird es der Nachbarrivale ERC Selb im morgigen Derby beim ESV Bayreuth (Beginn um 19.30 Uhr) schwer haben, ebenfalls die Punkte zu entführen.
"Ich bin keinesfalls enttäuscht von meiner Mannschaft nach diesem Ergebnis. Mein Team, bei dem der verletzte Torjäger Rudberg fehlte, hat schließlich alles gegeben", resümierte ESVB-Trainer Duszenko, dessen Sorgenfalten allerdings im ersten Drittel nicht zu übersehen waren. Beim 0:1 (10.) hatte Zuordnung in der Defensive nicht gepaßt und beim 2:4 (17.) ließ der schnelle und kaltschnäuzige Ritchie ESVB-Junioren-Keeper Schmidt nicht gut aussehen. Bei den beiden anderen Gegentreffern waren nach zum Teil umstrittenen Strafzeiten auf beiden Seiten nur jeweils drei Feldspieler auf dem Eis und hier hatten die spielerisch versierteren Gäste, die Ex-Nationalstürmer Held erst im zweiten Drittel einsetzten, zweifellos einen Qualitätsvorsprung.
Doch diesen versuchten die Franken mit unbändigem Kampfgeist wettzumachen. "Unsere Mannschaft hat Charakter gezeigt. Mit dieser Einstellung und auch auch mit Fortune sollten wir in der nächsten Runde den Klassenerhalt schaffen. Als Aufsteiger haben wir in den letzten Wochen zwar einiges dazugelernt, doch gegen den Tabellenführer hatte es noch nicht ganz gereicht", setzt Coach Duszenko weiterhin auf harte Arbeit im Training und im Spiel.
Daß die Wagnerstädter zweimal zurück ins Spiel fanden, verdankten sie den Schlußqualitäten von Verteidiger Meixner in Überzahlsituationen. Signalwirkung hatte dabei das 3:4 in der 25. Minute, als der Gast nach der Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Mieszkowski (Stockcheck gegen Asanger) und einer 2-Minuten-Strafe gegen Appel ("Notbremse" gegen Boxer) nur drei Feldspieler auf dem Eis hatte. Bei einem weiteren Powerplay in der 26. und 27. Minute scheiterten jedoch Laituri, Sevcik und Meixner an dem reaktionsschnellen SC-Keeper Labreque, der in der 38. Minute Glück hatte, daß ein Bartos-Schuß um Zentimeter am Pfosten vorbei zischte. Fast im Gegenzug markierte Leahy das 5:3 für die Gäste, die immer dann ihrem Ruf als Tabellenführer gerecht wurden, wenn sie das Tempo erhöhten. Eine Nachlässigkeit des Spitzenreiters bestrafte der ungedeckte Tuominen mit dem 4:5 genau 14 Sekunden vor der zweiten Pause.

Niveaustarkes Schlußdrittel Das niveaustarke Schlußdrittel stand überwiegend im Zeichen der Einheimischen, die in Überzahl in der 53. Minute nur um Haaresbreite (Toivola, Laituri) das Ziel verfehlten, während Ponitz Gästekeeper Labreque (50.) vor einige Probleme gestellt hatte. Der ab der 21. Minute für Schmidt eingewechselte Torhüter Wegmann hatte seine stärkste Szene bei einer Glanztat in der 56. Minute, als er einen Naumann-Schuß abwehrte.
"Wir hatten einige Unterzahlsituationen zu überstehen und konnten letztlich mit viel Glück alle drei Punkte aus Bayreuth entführen", sinnierte Gästecoach Tom Pokel, der ab dem zweiten Drittel den angeschlagenen Stürmer Liebsch ersetzen mußte. Von seinen "Stars" verdienten sich Leahy, Ritchie und Nykopp in der Verteidigung die besten Noten, wie überhaupt das Aufbauspiel der Bietigheimer über weite Strecken präziser wirkte.
Die ESVB-Truppe hinterließ einen geschlossenen Eindruck, wobei Laituri, Sevcik und Toivola das größte Pensum absolvierten. Der am Freitag "eingeflogene" Amerikaner Boxer ging keinem Zweikampf aus dem Weg und gefiel durch Schnelligkeit. Bedachter wirkten die Aktionen von Tuominen, dessen erster, später Torschuß in der 40. Minute das 4:5 bedeutete. Vielleichte sollte er mitunter den geraden Weg zum Tor suchen.
ESV Bayreuth:
Schmidt (ab 21. Wegmann) - Laituri, Doll; Meixner, Bartos; Zimmermann, Weingran - Asanger, Sevcik, Boxer; Touminen, Toivola, Bärnreuther; Heubach, Ponitz, Schwindl; Trolda.
SC Bietigheim-Bissingen:
Labrecque - Mieszkowski, Nykopp; Drobny, Appel; Jablonski - Leahy, Teeple, Ritchie; Naumann, Liebsch, Bader; Jaufmann, Filbey, Grömling; Mundil, Held.
SR: Deibler (Peiting);
Zuschauer: 1400;
Strafminuten: Bayreuth 16, Bietigheim-Bissingen 16 plus 5 plus Spieldauerd. gegen Mieszkowski (Stockcheck).
Tore: 0:1 (9.) Grömling (Appel, Bader), 1:1 (10.) Asanger (Sevcik, Bartos - 4 gegen 4), 1:2 (11.) Leahy (Ritchie, Nykopp - 3 gegen 3), 1:3 (12.) Drobny (Naumann, Nykopp - 3 gegen 3), 2:3 (15.) Meixner (Toivola, Bärnreuther - 5 gegen 4), 2:4 (17.) Ritchie (Teeple), 3:4 (25.) Meixner (Zimmermann, Toivola - 5 gegen 3), 3:5 (39.) Leahy (Ritchie, Teeple), 4:5 (40.) Touminen (Toivola, Schwindl), 4:6 (60.) Leahy (Teeple, Ritchie - 5 gegen 6).

Kein Bruch der Kniescheibe Aufatmen beim ESV Bayreuth: Die erste Diagnose "Kniescheibenbruch" am Freitagabend in Ulm nach der Verletzung von Jonas Rudberg bestätigte sich nicht. Der Schwede, der mit 25 Treffern Nummer eins der vereinsinternen Torjägerliste ist, zog sich nach gestrigen Untersuchungen eine schmerzhafte Knieprellung zu, die eine Zwangspause von einigen Tagen zur Folge hat.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth