Mißglückter Härtetest stimmt nachdenklich

ESVB nach 1:4-Derbyniederlage gegen Weiden Letzter der 1. Liga Süd / Drei "Patzer" von Ersatztorwart Wegmann

Von Siegfried Zerrenner
Das erste Saisonziel des ESV Bayreuth wurde verfehlt: Durch die 1:4 (1:3, 0:0, 0:1)-Niederlage gegen den personell geschwächten Nachbarn EV Weiden schloß der Neuling seine erste Serie in der 1. Liga Süd als Tabellenletzter ab. Diese Tatsache wäre weniger tragisch, doch die gestern gezeigte mäßige Vorstellung läßt für die am Freitag beginnende Qualifikation um den Klassenerhalt wenig Gutes ahnen.

Am kapitalen Fehlstart gegen die Oberpfälzer, bei denen mit Stürmerroutinier Hlinka ein Leistungsträger fehlte, hatte Ersatztorhüter Stefan Wegmann nicht unwesentlichen Anteil. Das 0:1 nach nur 133 Sekunden bei einem eigentlichen harmlosen Pastika-Schuß geht ebenso auf seine "Kappe" wie das 0:2, als er im Übereifer zu früh sein Tor verließ. Auch beim 0:3 in der 14. Minute durch einen Treffer des Ex-Bayreuthers Müller machte der Ex-Selber Keeper keine gute Figur. Wegmanns "Höchststrafe" folgte allerdings in der 54. Minute, als der erst 17jährige Thomas Stetter sein erstes Erstliga-Tor erzielte, das ein Erstliga-Schlußmann eigentlich hätte halten müssen.
Möglicherweise war Wegmann mental nicht auf seinen Einsatz vorbereitet, nachdem eigentlich Stammtorhüter Dietmar Habnitt vorgesehen war. Doch der 40jährige, der am Freitag nach siebenwöchiger Verletzungspause sein Comeback feierte, mußte wegen einer schweren Grippe das Bett hüten.
Unübersehbar war: Die Schützlinge von Trainer Wilbert Duszenko verloren nach dem ärgerlichen 0:1 jegliche Übersicht, produzierten in der ersten Viertelstunde eine regelrechte "Fehlpaß-Orgie" und ließen alle die in den letzten Wochen gelobten Tugenden wie Einsatzfreude und Zweikampfbereitschaft vermissen. Der sehenswerte Laituri-Hammer zum 1:3 genau in den Torwinkel konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß derzeit Sand ins Getriebe der Einheimischen geraten ist. Die Abstimmung vor allem beim Überzahlspiel klappte überhaupt nicht. Sicherlich trug dazu auch der Ausfall von Stürmer Jouni Touminen im zweiten Sturm bei, daß die Durchschlagskraft zu wünschen übrig ließ. Der Finne, dessen Rückenprobleme offensichtlich wieder aufgebrochen sind, befindet sich seit wenigen Tagen in einer Straubinger Spezialklinik. Ob er überhaupt noch einmal ins Geschehen eingreifen kann, ist äußerst fraglich.
Alle lobenswerten Aufbäumversuche der Oberfranken machte Weidens überragender Torhüter Haider zunichte, der mit einigen Glanztaten aufwartete. Bei Schüssen von Ponitz (5.), Doll, Rudberg (30.) bewies er seine Klasse, ehe er gegen Asanger (36.) und Heubach (43.) auf spektakuläre Weise rettete und damit Bayreuths Aufholversuche im Keim erstickte. "Unser Torwart war der beste Mann auf dem Eis. Er war ein sicherer Rückhalt und gab uns mit seiner Leistung Selbstvertrauen. Bayreuth hat das Spiel bestimmt, aber wir schossen die Tore", resümierte Gästecoach Steven Polgar.
"Ich bin enttäuscht darüber, daß wir den 11. Platz nicht behaupten konnten. Dafür trage ich auch die Verantwortung. Bei fairer und sachlicher Kritik wird man feststellen müssen, daß wir viele verletzte Spieler hatten und lange auf Torhüter Habnitt verzichten mußten. Er ist 50 Prozent unserer Mannschaft", meinte ESVB-Coach Duszenko. "Sicher war meine Mannschaft nach dem 0:3-Rückstand verunsichert, doch hat sie sich gegen die Niederlage aufgebäumt."

Gespäche angekündigt Ergänzend meinte der ESVB-Trainer: "Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammesetzen, denn es geht nicht um einzelne Personen, sondern um den ESV Bayreuth."
Gespäche mit den Spielern kündigte auch Vorsitzender Konrad Böhner an, dessen Rücktritt von einigen wenigen Fans gefordert wurde. "Wir dürfen uns vom Tabellenstand nicht verrückt machen lassen", sagte Böhner, ehe er ergänzte: "Personaldiskussionen sind jetzt überflüssig und kein geeignetes Mittel. Wir müssen zusammenstehen, das Beste geben und gemeinsam versuchen, in den nächsten Wochen die 1. Liga zu erhalten."
ESV Bayreuth:
Wegmann - Laituri, Doll; Zimmermann, Meixner; Bartos, Weingran - Rudberg, Sevcik, Bärnreuther; Asanger, Toivola, Boxer; Trolda, Ponitz, Heubach.
EV Weiden:
Haider - Jonak, Duris; Gschwill, Gaus; Felsch - Jelinek, Millen, Cumming; Hagn, Müller, Blazyczek; Stetter, Pastika, Raß.
SR: Strobl (Königsdorf);
Zuschauer: 1113;
Strafminuten: Bayreuth 4, Weiden 8.
Tore: 0:1 (3.) Pastika, 0:2 (5.) Jelinek (Millen, Duris), 0:3 (14.) Müller (Jelinek, Cumming), 1:3 (14.) Laituri (Sevcik, Rudberg), 1:4 (54.) Stetter (Jonak, Raß).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth