Überheblichkeit nach 2:0-Führung bestraft

ESVB-Fans forderten nach 4:7-Heimniederlage gegen Zweitliga-Meister Bad Aibling Rücktritt von Trainer Duszenko

Von Siegfried Zerrenner
Einen empfindlichen Rückschlag im Kampf um die Rückkehr in die 1. Liga Süd erlitt der ESV Bayreuth. Bei der vermeidbaren 4:7 (1:0, 2:2, 1:5)-Niederlage gegen den fehlgestarteten bisherigen Zweitliga-Meister EHC Bad Aibling wurde die Überheblichkeit der "Tigers" nach souveräner 2:0-Führung letztlich bitter bestraft. Im Wettstreit um die drei sicheren Qualifikationsplätze der Gruppe A sind die Wagnerstädter damit unerwartet ins Hintertreffen geraten.

Die Chance zur Wiedergutmachung besteht am morgigen Dienstag um 19.30 Uhr, wenn im neuangesetzten Duell Nachbar EV Weiden beim ESVB gastiert.
Vor knapp 1400 Zuschauern wurde die Geduld der ESVB-Anhänger überstrapaziert. Nach desolatem Schlußdrittel mußten sich die konditionsschwachen Akteure lautstarke "Aufhören"-Sprechchöre gefallen lassen und aufgebrachte Fans forderten gar den Rückritt von Trainer Wilbert Duszenko. Vorsitzender Konrad Böhner nahm in der Pressekonferenz jedoch seinen Coach in Schutz. "Diese Situation hat alleine die Mannschaft zu verantworten. Ich entschuldige mich jedenfalls bei den Zuschauern für den schwachen Auftritt unseres Teams", meinte der Vorsitzende der Konsequenzen im Spielerkreis in den nächsten Tagen nicht ausschließen wollte.
"Meine Mannschaft hat nach der 2:0-Führung aufgehört zu spielen. Unser Zweikampfverhalten war katastrophal und so haben wir uns im zweiten Drittel das Spiel aus der Hand nehmen lassen", ärgerte sich Trainer Duszenko, der mit Recht die lasche Einstellung verschiedener Spieler kritisierte. Der Comeback-Effekt von Stürmer Ray Coté, der am Wochenende aus Kanada zurückgeholt wurde, blieb ohne die erhoffte Wirkung.
Die "Tigers" zeigten zwei Gesichter. Sie begannen im ersten Drittel druckvoll, agierten sicher in der Defensive, doch vergaßen sie wie schon oft in dieser Saison, ihre Chancen konsequent zu nutzen. Alleine der einzig im dritten Sturm auffallende Schwindl (15., 16. u. 19.) versiebte drei "Hundertprozentige", so daß Rudberg (19.) zunächst der einzige Vollstrecker blieb. Nach dem 2:0 nach einer beherzten Einzelaktion von Verteidiger Doll vergaßen Schwindl (28.) und Coté (32.) jedoch den Sack zuzumachen, ehe mit Nachlässigheiten in Serie der Gast förmlich aufgebaut wurde.
Eine Konzentrationsschwäche nach fast überstandenem Unterzahlspiel folgte das 1:2 und nur 72 Sekunden später das 2:2. Nach Sevciks 3:2 patzte Torwart Habnitt und nach Rudbergs 4:3 lud die zu langsam in Nachschußsituationen reagierende Defensive die Oberbayern zum Toreschießen ein. Und Ex-Nationalstürmer Berwanger nahm dankend an. Innerhalb von 24 Sekunden kippte jedenfalls das Spiel und das Aufbäumen der Einheimischen hielt sich in Grenzen. Der gesperrte Ankurbler Laituri wurde jedenfalls ebenso vermißt wie der erkrankte Bärnreuther.
Dafür lief an einigen ESVB-Cracks das Spiel total vorbei. Was Toivola im sogenannten Paradesturm bot, grenzte schon an eine "Frechheit".
Der zweite Block bestand ausschließlich aus Solisten, die brotlose Kunst produzierten und Asanger und Heubach im dritten Sturm sind in dieser Verfassung von ehrgeizigen ESVB-Junioren spielend leicht zu verdrängen. Die Reaktion der Fans für das systemlose "Gestochere" war durchaus verständlich.
Unverständlich blieben allerdings die im Schlußdrittel zerfahrenen Aktionen der Verteidiger, wobei Zimmermann nach angezeigter Strafzeit gegen den Bad Aiblinger Buchecker förmlich um eine Strafe bettelte und damit in einer wichtigen Phase (47.) eine Überzahlsituation verhinderte.
ESV Bayreuth:
Habnitt - Bartos, Meixner; Zimmermann, Doll; Weingran - Toivola, Sevcik, Rudberg; Coté, Ponitz, Boxer; Asanger, Schwindl, Heubach; Trolda.
Bad Aibling:
Häusler - Hiemer, Paderhuber; Donbeck, Taticek; Buchecker, Derkits - Schneider, Berwanger, Scheid; Kopecky, Mayer, Mach; Hieble, Flöss, Wieser.
SR: Sander (Peiting);
Zuschauer: 1325;
Strafminuten: Bayreuth 4, Bad Aibling 10.
Tore: 1:0 (19.) Rudberg (Toivola, Sevcik), 2:0 (27.) Doll (Toivola, Zimmermann), 2:1 (37.) Flöss (Taticek, Hieble - 5 gegen 4), 2:2 (39.) Berwanger (Derkits, Schneider), 3:2 (40.) Sevcik (Coté, Meixner - 5 gegen 4), 3:3 (42.) Mayer (Mach, Taticek), 4:3 (44.) Rudberg (Heubach, Meixner), 4:4 (46.) Hieble (Flöss, Buchecker), 4:5 (46.) Schneider (Scheid, Berwanger), 4:6 (52.) Schneider (Berwanger, Scheid), 4:7 (60.) Berwanger (Scheid, Schneider - 5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth