"Haie" spielten mit "Tigers" Katz und Maus

Desolates ESVB-Team nach 4:8 gegen Haßfurt reif für die 2. Liga / Vorstand: "Auftritt eine Unverschämtheit"

EISHOCKEY
Von Siegfried Zerrenner
Der ESV Bayreuth ist drauf und dran, seinen Kredit bei seinen treuen Anhängern zu verspielen: Im Nachbarderby der Qualifikation zur 1. Liga boten die Tigers im ersten und zweiten Drittel eine desolate Vorstellung und wurden beim 4:8 (0:2, 1:5, 3:1) vom cleveren ERC Haßfurt regelrecht vorgeführt. 1700 Zuschauer hatten keinen Zweifel: In dieser Verfassung sind die "Tigers" ein sicherer Kanditat für die 2. Liga.

Das in allen Belangen überforderte Team agierte gegen den bisherigen Klassenkameraden harmlos und ohne ersichtliches Konzept. Die Orientierungslosigkeit wurde gleich in der Anfangsphase bestraft. Ein Fiesel-Warnschuß nach 18 Sekunden wurde ignoriert und nach weiteren 17 Sekunden gelang dem am linken Flügel durchgebrochenen, stets brandgefährlichen ERC-Torjäger Goodall (3 Tore plus 3 Vorlagen) mit freundlicher Unterstützung der Defensivabteilung und Torhüter Wegmann (für den grippekranken Habnitt) die Gästeführung, die der Kanadier in der 6. Minute auf 2:0 ausbaute. Er hatte dabei Wegmann regelrecht verladen. Damit waren die Fronten früh geklärt.
Es wäre allerdings grundverkehrt, dem jungen Keeper die Alleinschuld an dem Debakel in die Schuhe schieben zu wollen. Das gesamte Team stand neben der "Kappe". Wegmanns anschließenden Paraden bei fast einem halben Dutzend klarer Chancen der Unterfranken war es letztlich zu verdanken, daß sich der Rückstand (0:2) bis zur ersten Drittelpause noch in Grenzen hielt. Die Konfussion im zweiten Abschnitt wurde durch das 0:3 nach nur 23 Sekunden vergrößert. Auf einen Nenner gebracht: Die Haßfurter "Haie" spielten mit den Bayreuther "Tigers" bis zur 40. Minute Katz und Maus.
Ein Kompliment den ESVB-Anhängern, die bei allen Tiefschlägen ihren Humor nicht verloren. Nach dem 1:5-Treffer skandierten sie "Jetzt gehts los" und beim 2:7 im Schlußdrittel "nur noch fünf". Und nach dem schön herausgespielten 4:8 durch Junior Trolda kam die ironische gemeinte Aufforderung: "Kämpfen und siegen!"
Hat der vor einer Woche zurückgetretene Trainer Wilbert Duszenko einen Scherbenhaufen hinterlassen? Kampf und willenlos fügten sich einige ESVB-Akteure ihrem Schicksal. Fast blamabel blieb das Überzahlspiel. Ein 5:3-Powerplay in der 2. und 3. Minute verpuffte ebenso wie weitere 5:4-Situationen, wobei Haßfurts Breaks immer gefährlicher waren, als das harmlose ESVB-Scheibchen-Schieben.
"Was sich unsere Mannschaft im ersten und zweiten Drittel erlaubt hat, war eine Unverschämtheit. Ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn einige Anhänger mit "Böhner-Raus"-Rufen ihrem Ärger Luft machen", reagierte ein frustrierter Vorsitzender Konrad Böhner. "Alle Vorsätze waren wie weggeblasen. Wir sind den Haßfurtern blind ins Messer gelaufen", kommentierte der an der Bande Regie führende Knut Pleger, während für Spielertrainer Anton Doll die Erkentnis blieb: "Haßfurt hat unsere Grenzen in jeder Situation aufgezeigt." Ergänzend meinte Doll: "Eigentlich hätte ich einige Spieler vom Eis nehmen müssen. Für den angeschlagenen Heubach kam im Schlußdrittel Trolda und in den letzten zehn Minuten mit Konrad Böhner für Toivola ein weiterer Junior. Mit dieser Maßnahme wollte ich ein Zeichen setzten." Hoffentlich wurde dies von Rudberg, Coté, Boxer und Co. verstanden.
ESV Bayreuth:
Wegmann - Laituri, Doll; Meixner, Bartos; Weingran, Zimmermann - Toivola, Coté, Asanger; Rudberg, Sevcik, Boxer; Heubach, Schwindl, Bärnreuther; Trolda, Böhner.
ERC Haßfurt:
Kuhnekath - Prochazka, Barnes; Granquist, Maly; Krause, Forster - Goodall, Lindmark, Fiesel; Stegmann, Heinisch, Tabor; Heinke, Koslowski, Mix.
SR: Deibel (Peiting);
Zuschauer: 1679;
Strafminuten: Bayreuth 4, Haßfurt 14.
Tore: 0:1 (1.) Goodall (Fiesel), 0:2 (6.) Goodall (Fiesel, Lindmark), 0:3 (21.) Prochazka (Goodall, Lindmark), 0:4 (27.) Prochazka (Goodall, Heinisch), 0:5 (30.) Goodall (Barnes), 1:5 (33.) Toivola (Meixner, Boxer), 1:6 (35.) Lindmark (Fiesel, Goodall, 1:7 (35.) Heinisch (Stegmann, Granquist), 2:7 (45.) Rudberg (Sevcik), 2:8 (48.) Heinke (Koslowski, Mix), 3:8 (48.) Sevcik (Boxer, Doll), 4:8 (54.) Trolda (Schwindl, Bärnreuther).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth