Zittern dauerte bis 58 Sekunden vor Schluß

Dann hatte der ESVB mit einem 5:3-Sieg beim EV Weiden den Klassenerhalt sogar als Tabellendritter geschafft

EISHOCKEY
Von Siegfried Zerrenner
und Eberhard Spaeth

Das Zittern des ESV Bayreuth um den Klassenerhalt in der 1. Liga Süd war erst 58 Sekunden vor dem Ende der Saison überstanden. Zu diesem Zeitpunkt fiel gestern abend der entscheidende Treffer zum 5:3 (1:1, 2:0, 2:2)-Sieg beim EV Weiden. Damit sicherte sich der letztjährige Aufsteiger nicht nur den rettenden vierten Platz in der Gruppe A der Qualifikationsrunde, sondern verbesserte sich dank der Niederlage des VfL Waldkraiburg in Miesbach sogar noch auf Rang drei in der Abschlußtabelle.

Wie schon am Freitag gegen Selb bekam der ESVB aber auch diesmal nichts geschenkt. Trotz des feststehenden Abstiegs legten sich die Weidener ins Zeug und erzwangen einen abwechslungsreichen Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Beide Torhüter konnten sich dabei wiederholt auszeichen, wobei Habnitt im Bayreuther Tor mitunter sogar noch ein wenig häufiger im Brennpunkt stand.
Die Bayreuther begannen offensiv und hatten schon nach 49 Sekunden die erste Chance durch Heubach, der wegen der Personalnot in der Abwehr (Laituri und Meixner gesperrt) als Verteidiger neben Doll oder Bartos spielte. Bei den nächsten Gelegenheiten für Ponitz und Bartos (4.) zeigte sich aber auch schon die Schattenseite des Offensivdrangs: Im Gegenzug ergab sich für die Weidener gegen die zu weit aufgerückte ESVB-Abwehr eine 2:1-Überzahl, die Millen zum unhaltbaren Führungstor nutzte.
Bei einer ersten Überzahl-Chance (5.) brachten die Bayreuther nicht viel mehr als Weitschüsse zuwege, und in der 9. Minute mußte Habnitt gegen Millen sogar das drohende 0:2 verhindern, aber die zweite Weidener Strafzeit wurde dann nach einiger Anlaufzeit doch zum Ausgleich genutzt. Allerdings war der Treffer kein typisches Überzahl-Tor, denn er resultierte nicht aus einer Powerplay-Aufstellung, sondern aus schnellem Aufbau vom eigenen Drittel aus. Durchaus "typisch" war dafür der Torschütze, denn Ponitz ragte mit seinem enormen Kampfgeist aus dem ersten Block heraus.
Trotz dieser Stabilisierung konnte aber von einer Wende noch längst keine Rede sein. Vielmehr wankte der Gleichstand in der ersten Pause noch zweimal bedenklich, als Blazyczek die Latte traf (15.) und Habnitt mit einer Glanzparade gegen Pastika rettete (18.).
Die Weichenstellung zu ihren Gunsten verdankten die Bayreuther im zweiten Abschnitt zwei Treffern, die in kritischen Situationen jeweils zum "goldrichtigen" Zeitpunkt fielen. Das 2:1 erzielte Boxer mit einem energischen Alleingang aus dem eigenen Drittel, nachdem unmittelbar zuvor Torwart Habnitt eine Chance von Millen vereitelt hatte. Noch krasser war der Szenenwechsel aber beim 3:1, das damit vielleicht die Schlüsselsituation schlechthin darstellte: Gerade hatten die Bayreuther eine turbulente Situation nach einem von der Bande zurückgeprallten Hagn-Schuß mit einer Portion Glück und letztem Einsatz von Torwart Habnitt überstanden, als Bärnreuther den direkten Gegenzug erfolgreich abschloß. Sehenswert war dabei vor allem der Paß, mit dem Toivola durch Freund und Feind hindurch den Torschützen bedient hatte.
Nachdem Habnitt auch noch die unmittelbare Antwort der Weidener durch ihren auffälligsten Stürmer Millen glänzend vereitelt hatte (35.), besaß der ESVB gegen die sichtlich angeschlagenen Weidener auch noch die Chance zu einer Vorentscheidung vor der zweiten Pause. Bei einem Treffer von Asanger nach Zuspiel von Schwindl, mit dem er nicht nur in dieser Szene wirkungsvoll harmonierte, wurde sogar schon gejubelt. Offenbar war dabei aber ein vorangegangener Abseits-Pfiff "untergegangen".
Somit bot auch noch das letzte Drittel reichlich Spannung, wobei auf Weidener Seite vor allem Jonak als Antreiber für eine Schlußoffensive auffiel. Selbst als nach Chancen auf beiden Seiten letztlich doch das 1:4 gefallen war, bei dem erneut Toivola als Initiator und Boxer als Vollstrecker auffielen, blieb die Moral der Gastgeber ungebrochen. Mit zwei Toren innerhalb von kaum einer Minute sorgten sie dafür, daß im Bayreuther Lager noch einmal kräftig gezittert werden mußte.
Als geschickter Schachzug in dieser kritischen Situation erwies sich eine Auszeit des Trainergespanns Doll/Pleger, um drohender Verunsicherung in der bis dahin überzeugenden Defensivarbeit vorzubeugen. Zwar brachten die Weidener bereits 110 Sekunden vor Schluß einen sechsten Feldspieler für Torwart Wilhelm und hatten auch noch eine Chance zum Ausgleich - einmal mehr durch Millen (59.) -, aber die Bayreuther behielten letztlich die Übersicht. Als Boxer einen Paß abfing und seine wohl beste Leistung im ESVB-Trikot mit einem Schuß ins leere Tor krönte, waren 58 Sekunden vor Schluß endgültig alle Zweifel am Klassenerhalt ausgeräumt.
EV Weiden:
Wilhelm - Jonak, Felsch; Gschwill, Salinger; Gaus, Duris - Blazyczek, Hlinka, Cumming; Müller, Pastika, Millen; Gruhle, Stetter, Hagn.
ESV Bayreuth:
Habnitt - Doll, Bartos; Heubach; Weingran, Zimmermann - Toivola, Ponitz, Bärnreuther; Rudberg, Sevcik, Boxer; Trolda, Schwindl, Asanger; Böhner.
SR: Bertl (Forst);
Strafminuten: Weiden 16, Bayreuth 4;
Zuschauer: 2100.
Tore: 1:0 (4.) Millen (Jonak), 1:1 (13.) Ponitz (Toivola, Bärnreuther - 5 gegen 4), 1:2 (27.) Boxer (4 gegen 4), 1:3 (34.) Bärnreuther (Toivola), 1:4 (53.) Boxer (Toivola, Rudberg - 5 gegen 4), 2:4 (56.) Cumming, 3:4 (57.) Jonak (Hlinka), 3:5 (60.) Boxer (5 gegen 6).

 



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth