Nervenflattern nach Traumstart im Derby

ESVB Bayreuth nach 9:7-Zittersieg gegen Haßfurt wieder Oberliga-Spitzenreiter / Jun und Menschig mit drei Toren

Mit dem vierten Derbysieg in der noch jungen Saison eroberte der ESV Bayreuth überraschend wieder die Tabellenspitze in der Oberliga Süd. Allerdings wurden die rund 2000 Zuschauer beim 9:7 (3:1, 2:4, 4:2)-Zittersieg über den ERC Haßfurt bis zur Schlussminute regelrecht auf die Folter gespannt, obwohl die "Tigers" mit einem Traumstart und drei Prachttoren nach elf Minuten klar auf der Siegerstraße schienen.

Doch mit dem ersten Gegentreffer begann das Nervenflattern bei den Gastgebern, die mit sträflich hoher Fehlerquote den Gast zum Toreschießen regelrecht animierten und im zweiten Drittel nicht einmal unverdient mit 3:4 im Rückstand lagen. Die Unterfranken führten noch mit 6:5, ehe die kampfstarken Gastgeber mit einem dramatischen Endspurt doch noch das Blatt wendeten und für Zufriedenheit auf den Rängen sorgten. Wie schon beim 6:0 vor einer Woche gegen Weiden stellte der zweite Block die Weichen auf Sieg. Die überragenden Daniel Jun und Markus Menschig (je drei Tore) glänzten als Vollstrecker in wichtigen Phasen.
Erstmals in der Rolle des Gejagten können die Wagnerstädter nur mit verbessertem Defensivverhalten am kommenden Freitag im Heimspiel gegen den EHC Straubing (Beginn um 19.30 Uhr) ihre unerwartete Position verteidigen.
Schwache Defensivleistung
"Das war unsere schwächste Defensivleistung dieser Saison", schimpfte nach der Schlusssirene ESVB-Trainer Buhuslav Ebermann, dessen Schützlinge sich von der aggressiven Spielweise der Gäste offensichtlich beeindrucken ließen. "Ich hatte meiner Truppe vor dem Spiel geraten, ohne Respekt in Bayreuth aufzutreten. Im ersten Drittel hat unser 2-Mann-Forechecking noch nicht geklappt, doch dann habe ich zur Pause meinen Spielern geraten, etwas härter zu spielen, denn das mögen die Spieler aus dem Osten nicht so recht", machte Gästetrainer Robert Köcheler kein Geheimnis aus seiner Taktik, die beinahe aufgegangen wäre.
Allerdings brauchte er sich eigentlich nicht zu wundern, dass das Strafzeiten-Konto seiner Mannschaft anwuchs. Weshalb der Gästecoach in seiner Analyse ausgerechnet den ersten ESVB-Block hervorhob, war sehr verwunderlich.
Die Statistik spricht eindeutig gegen die frühere Paradereihe, in der mit dem schussstarken Verteidiger Taborsky ein Leistungsträger verletzungsbedingt erneut pausieren musste. Mit der Einschränkung, dass auch Unterzahl-Gegentreffer dabei waren, kassierte der erste Block vier der sieben Haßfurter Tore und kam lediglich zu drei Einschüssen. Und nicht zu vergessen: Ausgerechnet in Überzahl musste nach einem dicken Synkov-Patzer in der 27. Minute das 3:3 hingenommen werden. Überhaupt kam diese Formation mit dem Körperspiel der Gäste phasenweise überhaupt nicht zurecht und ESVB-Torwart Nachtmann bekam wiederholt Gelegenheit, sich bei Schüssen oft frei stehender Gästespieler auszeichnen zu können.
Eine ausgezeichnete Bilanz weist hingegen der zweite Block mit sechs Toren bei einem Gegentor auf. Vor allem Jun und Menschig zeigten in ihren Aktionen stets den Drang zum Tor und wurden dabei belohnt.
Sehenswerte Tore
Sehenswert war Juns Einschuss zum 2:0 nach doppelten Doppelpass mit Bärnreuther, Juns "Hammer" zum 7:6 und das erlösende 9:7 in vorletzter Minute, als Menschig als energischer Vorbereiter geglänzt hatte. Probleme in der Offensive und Defensive konnte die dritte Formation nicht verbergen. Ponitz mit einigen Abspielfehlern, Asanger und der tempomäßig mitunter überforderte Weingran wirkten mehr als Einzelkämpfer. Zusammenhängende Aktionen hatten jedenfalls Seltenheitswert. In der Verteidigung verdiente sich nur Kolek (mit langen Eiszeiten) ein Sonderlob. Meixners ungenaues Passspiel brachte sein Team mehrmals in Bedrängnis, während Doll beim zweiten Gegentor nicht im Bilde schien. Bei der "Entwickung" vom 1:3 war zwar auch der "Kapitän" an der Scheibe, doch war er von Popek unfair attackiert worden.
Beim Gast nahm der erste Block eindeutige Sonderstellung ein. Die in den Zweikämpfen nicht zimperlichen Kanadier Lessard (3 Tore) und Tremblay (2) sorgten für allerhand Wirbel. In der Defensive taten sich ihre Landsleute Benazic und Cote als Aufräumer hervor. Dieses Risiko musste Cote in der 50. Minute mit einer 2 plus 10-Miunten-Strafe teuer bezahlen. Das war möglicherweise der Knackpunkt im couragierten Spiel der Gäste.
ESV Bayreuth: Nachtmann - Meixner, Kolek; Zimmermann, Doll; Bartos, Thumm - Kulabuchov, Heinisch, Synkov; Menschig, Jun, Bärnreuther; Asanger, Ponitz, Weingran, Trolda.
ERC Haßfurt: Kunekath - Benazic, Cote; Dobler, Forster; Naumann, Hanemann - Mengele, Tremblay, Lessard; Hoffmann, Richards, Heubach; Popek, Dumpis, Mix.
SR: Bertl (Peißenberg);
Zuschauer: 1894;
Strafminuten: Bayreuth 14, Haßfurt 24 plus 10 gegen Cote wegen Unsportlichkeit.
Tore: 1:0 (7.) Menschig, 2:0 (10.) Jun (Bärnreuther), 3:0 (12.) Synkov (Heinisch), 3:1 (13.) Popek, 3:2 (21.) Lessard (Hanemann), 3:3 (27.) Mix (Forster - 4 gegen 5), 3:4 (28.) Tremblay (Richards - 5 gegen 4), 4:4 (31.) Menschig (Jun - 5 gegen 4), 5:4 (32.) Heinisch (Synkov - 5 gegen 4), 5:5 (37.) Lessard (Tremblay), 5:6 (41.) Lessard - 4 gegen 4, 6:6 (42.) Menschig (Thumm - 4 gegen 4), 7:6 (45.) Jun (Doll - 5 gegen 4), 7:7 (49.) Tremblay (Lessard - 5 gegen 4), 8:7 (55.) Heinisch (Synkov), 9:7 (59.) Jun (Menschig - 5 gegen 4).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth