Ovationen für den unglücklichen Verlierer

ESVB nach 2:3 in Crimmitschau auf Platz vier zurückgefallen / Menschig verzweifelte an ETC-Matchwinner Eriksson

Die Prachtkulisse von über 6000 Zuschauern feierte noch fünf Minuten nach der Schlusssirene zwei Mannschaften. Das packende und ab dem zweiten Drittel niveaureiche Verfolgerduell der Oberliga-Süd hätte in der Tat keinen Verlierer verdient gehabt, doch letztlich musste sich der im Abschluss unglückliche ESV Bayreuth nach beeindruckender kämpferischer Vorstellung mit 2:3 (0:2, 1:0, 1:1) geschlagen geben. Als Matchwinner der Westsachsen tat sich der schwedische Torhüter Jonas Eriksson hervor, der mit Glanztaten vor allem den fünf Mal durchgebrochen ESVB-Stürmer Markus Menschig schier zur Verzweiflung brachte.

Während Cimmitschau auf Position zwei vorrückte, fahren die Schützlinge von Trainer Bohuslav Ebermann am Freitag als Tabellenvierter zum Spitzenreiter EV Regensburg, ehe der wieder erstarkte ERC Selb am Sonntag um 18.30 Uhr zum Derby in der Wagnerstadt gastiert.
"Ich bin zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft, aber enttäuscht vom Ergebnis. Wir hatten unsere Chancen, konnten sie aber leider nicht nutzen. In beiden Teams standen Super-Torhüter", brachte es der Bayreuther Coach nach Spielschluss kurz auf den Punkt, während sein Crimmitschauer Kollege Horymir Sekera seine Freude über den knappen Sieg zu Ausdruck brachte. "Wir haben im ersten Drittel sehr stark gespielt, doch im zweiten Abschnitt machte Bayreuth Druck und letztlich bin ich froh, dass wir mit einem Tor vorne lagen."
Dass die Westsachsen noch ein Mal ins Schwitzen kamen, daran hatten nach den ersten 20 Minuten wohl nur die Optimisten im ESVB-Lager geglaubt. Der Grund: Die Gäste knüpften zunächst nahtlos an die schwache Heimvorstellung vom Freitagabend gegen die Miesbacher an, ließen den Einheimischen alle Freiheiten, ihr druckvolles Spiel aufzuziehen und waren mit dem 0:2-Rückstand noch gut bedient. Dieses knappe Ergebnis verdankten sie in erster Linie Torhüter Nachtmann, der mit sehenswerten Reaktionen bei Schüssen von Bartoska (2.), Henkel (8.) Steinbock (13.) und Winstanley (14.) rettete, während er bei einem Pfostenknaller Bartoskas (17.) das Glück des Tüchtigen hatte. Nichts zu halten gab es bei beiden Gegentreffern, wobei die ESVB-Abwehr in beiden Fällen nicht gut ausgeschaut hatte. Beim 0:1 wurde ausgerechnet der von Beginn an mit Körpereinsatz agierende Doll von "Wirbelwind" Bartoska umkurvt und das 0:2 hätte Thumm mit entschlossenerem Einsatz verhindern können.
"Meiner Mannschaft habe ich zur Drittelpause eigentlich nur so viel gesagt, dass sie noch eine Chance hat. Sie muss allerdings in den Zweikämpfen energischer zu Werke gehen und muss vor allem die Räume enger machen", erkärte Trainer Ebermann auf KURIER-Anfrage, denn seine Truppe kam wie ausgewechselt aus der Kabine. Sie bot den Sachsen in spielerischer Hinsicht Paroli, wirkte in der Defensive homogen, gewann die meisten Zweikämpfe und kam plötzlich auch zu zwingenden Chancen. Jun (25.), Bärnreuther (26./Pfostenschuss), Kulabuchov (27.) und Menschig (29. nach einem Jun-Musterpass) scheiterten noch vor dem Anschlusstreffer am überragenden ETC-Schlussmann Eriksson. In sechs Überzahlsituationen wurde jedoch der verletzte Verteidiger-Scharfschütze Taborsky schmerzlich vermisst.
Den Ausgleich schienen Menschig (33. und 37./Pfosten), Synkov (35.) sowie Asanger sowie Kolek (jeweils 38.) nahe, während Crimmitschau durch Weiß (37.) nur die Latte traf. Im Schlussdrittel traf Steinbock in der 47. Minute nur die Latte, doch die Oberfranken verzeichneten das optische Übergewicht. Dreimal bot sich dem glücklosen Menschig die Möglichkeit zum Ausgleich (48 und 49.) und auch Synkov und Heinisch (55.) verpassten nur um Zentimeter. Die Entscheidung zu Gunsten der Crimmmitschauer fiel genau 127 Sekunden vor Schluss. Ein Kolek-Distanzschuss der drängenden Gäste wurde abgeblockt und der anschließende Konter führte zum 3:1. Es sprach für die Moral der Franken, die noch ein Mal alles riskierten und durch Kolek 29 Sekunden vor Schluss noch auf 2:3 verkürzten.
Kolek war neben Torhüter Nachtmann zweifellos bester ESVB-Akteur, bei dem der frühere Paradeblock wiederum die Erwartunen nicht erfüllen konnte. Ein Lichtblick: Der fleißig rackernde Synkov zeigte ansteigende Form, wenngleich ein Mann seiner Qualität einen Alleingang nach einem Jun-Steilpass (35.) hätte versenken müssen. Die anschlagenen Heinisch und Kulabuchov konnten allerdings erneut kaum Akzente setzen, wobei der an einem Bandscheibenvorfall laborierende Kulabuchov verständlicherweise den Zweikämpfen aus dem Wege ging. Ob man dem Stürmer mit seinem lobenwerten Willen zum Einsatz einen Gefallen tut, steht auf einem anderen Blatt.
Ein Lob verdiente der gut funktionierende zweite Block, der im direkten Duell mit Crimmitschaus Paradereihe einen ansprechenden Eindruck hinterließ. Jun betätigte sich als unermüdlicher Ankurbler und Passgeber für Menschig und Bärnreuther. Ordentlich zog sich auch der dritte Block der "Tigers" aus der Affäre, der den Einheimischen kaum zwingende Chancen gestattete. Verteidiger Bartos lieferte dabei seine beste Saisonvorstellung.
ETC Crimmitschau: Eriksson - Winstanley, Tischler; Sebak, Weiß; Solf, Maaß - Henkel, Müller, Steinbock; Sekera, Bartoska, Rohrbach; Hosch, Heine, Schulz.
ESV Bayreuth: Nachtmann - Meixner, Kolek; Zimmermann, Doll; Bartos, Thumm - Kulabuchov, Heinisch, Synkov; Menschig, Jun, Bärnreuther; Asanger. Ponitz, Weingran.
SR: Breiter (Freiburg);
Zuschauer: 5912;
Strafminuten: Crimmitschau 16, Bayreuth 14.
Tore: 1:0 (8.) Bartoska (Sekera), 2:0 (12.) Heine (Schultz - 5 gegen 4), 2:1 (31.) Bärnreuther (Doll), 3:1 (58.) Rohrbach (Sekera), 3:2 (60.) Kolek (Menschig, Jun).

"Kompliment an Fans"

6000 Anhänger (darunter etwa 1000 Fans aus Bayreuth) sorgten für eine beeindruckende Atmosphäre im fast randvollen Eisstadion am Sahnpark. "Mein Lob gilt den disziplinierten Fans beider Vereine. Es gab überhaupt keine Beanstandungen", gab der Leiter der ETC-Geschäftsstelle, Anton Besser, kund.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth