Doppelter Rückschlag in der 40. Minute

Zwei Gegentore in letzten 21 Sekunden des zweiten Drittels stellten Weichen zum 3:5 des ESVB gegen Braunlage

Die Hoffnung auf überdurchschnittliche Punktausbeute am ersten Wochenende mit zwei Heimspielen in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga hat sich für den ESV Bayreuth nicht erfüllt. Zwei Tage nach dem 5:4-Sieg gegen ETC Crimmitschau verpasste er gestern abend gegen den EHC Braunlage mit 3:5 (1:2, 1:2, 1:1) den möglichen Vorstoß auf einen der vier Play-off-Plätze.

"In 20 schwarzen Sekunden wurde unsere Arbeit zerstört", klagte ESVB-Trainer Bohuslav Ebermann am Ende über den nicht alltäglichen Spielverlauf. Er erinnerte damit an die Schlussphase des zweiten Drittels, als die Bayreuther bei einer Restspielzeit von 21 Sekunden und dann genau mit dem Pausensignal zwei Treffer nach exakt gleichem "Strickmuster" hinnehmen mussten. In beiden Fällen wurde der schussgewaltige Verteidiger Silfwerplatz mit Rückpässen von Hölscher bedient und traf von der praktisch genau gleichen Postion an der blauen Linie ins Schwarze. Einen Vorwurf an ESVB-Torhüter Nachtmann konnte man dabei höchstens richten, wenn man sich schon allzu sehr an dessen makellose Leistungen gewöhnt hatte. Dieser Doppelschlag traf die Bayreuther ganz besonders schmerzlich, weil sie gerade erst 55 Sekunden vor dem 2:3 ihrerseits zum Ausgleich gekommen waren. Bärnreuther hatte bei einem Fehlpass der Gäste schnell ihre aufgerückte Position erkannt und Mazanec bedient, der unbedrängt auf das Tor zulaufen konnte und elegant abschloss.
Vom zweiten 2-Tore-Rückstand so kurz nach dem mühsam aufgearbeiteten frühen 0:2 erholten sich die Bayreuther nicht mehr. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass ein grober Stellungsfehler der Gäste nach nur 27 Sekunden im letzten Drittel die Chance zum 3:4 eröffnete. Für ein entscheidendes Nachsetzen fehlte es den Bayreuthern einfach an der Substanz, nachdem das ohnehin durch den Ausfall von Doll (Bluterguss am Knie) weiter dezimierte Aufgebot auch noch ohne Heinisch auskommen musste. Die stark grippegeschwächte Führungspersönlichkeit des ersten Blocks musste gegen Ende des zweiten Drittels endgültig aufgeben und durch Mazanec ersetzt werden, so dass für die übrigen Formationen nur noch Verlegenheitsbesetzungen zur Verfügung standen.
Die offensiven Bemühungen des ESVB um eine Wende führten daher fast mehr zu gegnerischen Kontern als zu eigenen Möglichkeiten, und Torwart Nachtmann rückte vor allem bei Chancen des ersten Braunlager Sturms zunehmend in den Blickpunkt. Mit dem Abschluss ging der bisherige Zweitligist allerdigs ebenso halbherzig um, wie zuvor mit seinem spielerischen Übergewicht. Schließlich hatte er nach seiner 2:0-Führung trotz des optisch ausgeglichenen Verlaufs mit relativ wenig zwingenden Chancen auf beiden Seiten das Geschehen weitgehend kontrolliert, ohne aber gegen die mit viel mehr kämpferischem Aufwand arbeitenden Bayreuther eine Vorentscheidung zu erzwingen. Somit benötigten die Gäste letztlich die Hilfe eines ESVB-Wechselfehlers, um in Überzahl mit dem dritten Schlagschuss-Treffer eines Verteidigers (diesmal Raubal) alle Zweifel am Sieg ausräumen zu können. Bei diesem Tor wurden freilich auch die Personalprobleme der Gastgeber deutlicher denn je, denn sie standen mit einer Unterzahl-Formation auf dem Eis, die vor der Saison sicher in keinem taktischen Konzept vorgesehen war: Zimmermann, Weingran, Ponitz, Asanger.
Insgesamt litt die Bayreuther Offensivkraft entscheidend unter der Schwächung von Heinisch. Da auch Jun so gut wie gar nicht zur Geltung kam, erzielte die erste Reihe trotz guter Ansätze von Bärnreuther zu wenig Wirkung. Im zweiten Sturm suchte Mazanec oft vergeblich nach Anspielstationen. Asanger sorgte vereinzelt mit Einzelaktionen für Gefahr, während Crawford wie ein Fremdkörper wirkte. Der dritte Block hielt sich wiederum im Rahmen seiner Möglichkeiten wacker, auch wenn Bartos mit schwachem Zweikampfverhalten beim 0:2 die Bilanz etwas trübte. Insgesamt verstand es diese Formation über weite Strecken, das Geschehen aus dem eigenen Drittel heraus zu halten und sogar den eigenen Abschluss zu suchen.

ESV Bayreuth: Nachtmann - Taborsky, Meixner; Zimmermann, Thumm; Weingran, Bartos - Jun, Heinisch, Bärnreuther; Crawford, Mazanec, Asanger; Trolda, Ponitz, Häußinger; Ziegler.
EHC Braunlage: Kuris - Miikkulainen, Raubal; Silfwerplatz, Schubert; Richardt, Gajewski - Lundmark, Ozellis, Gailer; Murray, Hölscher, Krinner; Gerike, Gaudet, Bleicher; Draxler, Buchwieser.
SR: Langer (Zweibrücken);
Strafminuten: Bayreuth 8, Braunlage 12;
Zuschauer: 1644.
Tore: 0:1 (3.) Buchwieser (Murray), 0:2 (9.) Lundmark (Ozellis, Raubal - 4 gegen 4), 1:2 (12.) Bärnreuther (Heinisch - 5 gegen 4), 2:2 (39.) Mazanec (Bärnreuther), 2:3 (40.) Silfwerplatz (Hölscher - 5 gegen 4), 2:4 (40.) Silfwerplatz (Hölscher), 3:4 (41.) Jun (Taborsky, Mazanec), 3:5 (57.) Raubal (Gerike - 5 gegen 4).
 



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth