Im Penaltydrama fehlte das Quäntchen Glück

5:6 gegen Selb / Packende Aufholjagd nach 2:5-Rückstand / Drei Unterzahltore nach umstrittener Asanger-Strafe

EISHOCKEY

Von Siegfried Zerrenner

In ein Wechselbad der Gefühle wurden über 3500 Zuschauer im rasanten Oberfrankenderby der Oberliga-Süd gestürzt. Als die Bayreuther nach einer umstrittenen Asanger-Spieldauerdisziplinarstrafe im zweiten Drittel innerhalb von 143 Sekunden drei Gegentreffer kassierten und in der 45. Minute in erneuter Unterzahlsituation sogar das 2:5 hinnehmen mussten, schien das Spiel gelaufen. Die folgende tolle Aufholjagd wurde noch mit dem 5:5 genau 36 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit belohnt, doch im Penaltyschießen durfte der ERC Selb wieder jubeln, der mit 6:5 (1:1, 3:1, 1:3) letztlich das bessere Ende hatte.

Dem Bayreuther Team blieb der Trost, tolle Moral gezeigt zu haben und hat mit dem eroberten Punkt den Nachbarn vom Tabellenthron gestürzt. Um allerdings nicht das Spitzenfeld aus den Augen zu verlieren, ist am kommenden Wochenende mehr als nur ein "Dreier" notwendig.
Keine Frage: Die Schlüsselszene war die Asanger-Strafzeit in der 35. Minute. Nach einem Ellbogencheck des ESVB-Stürmers schien eine 2 Minuten-Strafzeit fällig, doch vom Strafmaß des Schiedsrichters waren Spieler und Fans erschüttert und erbost. Asanger kassierte eine Spieldauerdisziplinarstrafe und auch der protestierende "Kapitän" Kolek wanderte auf die Strafbank. Die Folge: Mit einem Doppelschlag innerhalb von 76 Sekunden wandelten die Selber einen 1:2-Rückstand in eine 3:2-Führung um, ehe der Unparteiische das Eis räumen ließ, nachdem bei wütenden Zuschauer-Protesten Gegenstände auf das Spielfeld geworfen wurden.

Habnitt-Rücktritt?

Möglicherweise haben die folgenden Ereignisse den Rücktritt von Dietmar Habnitt in seiner Funktion des sportlichen Leiters zur Folge. Habnitt hatte sich auf dem Weg in die Kabine offensichtlich mit dem Unparteiischen angelegt und bekam einen Verweis aus den Stadioninnenraum. ESVB-Vorsitzender Michael Böhner hofft allerdings die Wogen der Emotionen wieder glätten zu können und setzt - wie er in der Pressekonferenz anklingen ließ - auf eine weitere Zusammenarbeit.
Während ESVB-Trainer Bohuslav Ebermann nach der Strafe gegen Asanger und der am Freitag in Landshut erlittenen Fußverletzung von Stürmer Alexandar Polaczek von einer weiterhin angespannten Personalsituation in seinem Team sprach, kommentierte Selbs Coach Tapio Rautalammi das Derby aus seiner Sicht: "Mein Team hat nach der 5:2-Führung offensichtlich geglaubt, das Spiel schon gewonnen zu haben. Aber eine Partie dauert bekanntlich 60 Minuten und heute eben 65."
Die Zuschauer bekamen für ihr Geld auch im Schlussdrittel noch allerhand geboten. Die Bayreuther ließen sich durch den 3-Tore-Rückstand nicht entmutigen setzten alles auf eine Karte und wurden noch belohnt. Gerade in dieser Phase setzte der in den ersten 40 Minuten nur in Überzahlsituationen eingesetzte Kubiczek, der nach langer Verletzungspause sein Heimdebüt feierte, nachhaltige Akzente. Der Verteidiger brachte seine Schussstärke zur Geltung und war bei zwei Treffern beteiligt. Sein Tor zum 4:5 in der 52. Minute löste gewissermaßen noch eine Initialzündung bei den Wagnerstädter aus, die in den letzten zwei Minuten in Überzahl Geduld bewiesen und durch Frank noch zum nicht mehr für möglich gehaltenen 5:5 kamen. Und das bei nur acht Stürmern.
Ingesamt ist jedoch Selbs knapper Sieg nicht ganz unverdient. Die Gäste wirkten in den Zweikämpfen "ausgefuchster", und hatten schon während der ersten 30 Minuten die zwingenderen Chancen erzielt. Immer wieder stellte aber ESVB-Keeper Nachtmann seinen Formanstieg unter Beweis, meisterte drei Crombeen-Schüsse glänzend und stand öfter im Brennpunkt als sein Gegenüber Wegmann, aus dessen Unsicherheiten die "Tigers" allerdings nur wenig Kapital schlagen konnten. Auffällig: Die vielen Stockfehler der ESVB-Verteidiger beim Spielaufbau sowie brotlose Einzelaktionen im Angriff. Speziell der zweite Sturm hatte außer Kampfkraft wenig entgegen zu setzen. Michailov war gar als Ausfall zu bezeichnen.

ESV Bayreuth:

Nachtmann - Katz, Kolek; Mainer, Kulczynski; Thumm, Zimmermann; Kubiczek, Singaitis - Frank, Heinisch, Meyer; Michailov, Ahne, Bärnreuther; Trolda, Asanger, Häußinger.

ERC Selb:

Wegmann - Wittig, Tsetkov; Jonak, Körner; Hanft, J. Sommerer - Crombeen, Scott, Rich; Salpa, Ledlin, Gräbner; König, Hördler, Bado.

SR:

Langer (Zweibrücken);

Zuschauer:

3204;

Strafminuten:

Bayreuth 16 plus 5 plus Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Asanger (Ellbogencheck mit Verletzungsfolge), Selb 22.

Tore:

1:0 (9.) Heinisch (Kolek - 4 gegen 3), 1:1 (20.) Wittig (Crombeen), 2:1 (31.) Heinisch (Meyer, Kolek), 2:2 (37.) Scott (Ledlin, Crombeen - 5 gegen 3), 2:3 (38.) Gräbner (Rich - 5 gegen 4), 2:4 (39.) Ledlin (Scott), 2:5 (45.) Ledlin (Scott - 5 gegen 4), 3:5 (49.) Heinisch (Kubiczek, Kolek - 5 gegen 3), 4:5 (52. ) Kubiczek (Heinisch ,Frank - 5 gegen 4), 5:5 (60.) Frank (Kolek, Heinisch).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth