Lustlose "Tigers" regelrecht vorgeführt

Nach blamablem 2:7 gegen Bad Aibling kündigte der Trainer ernsthafte Gespräche mit seinen Spielern an / Defensive konfus

EISHOCKEY

Von Siegfried Zerrenner

In dieser desolaten spielerischen Verfassung wird es der ESV Bayreuth schwer haben, sein Saison-Mindestziel, die Play-off-Aufstiegsrunde, zu erreichen: Vor knapp 1500 Zuschauern wurden die "Tigers" vom zweikampfstärkeren EHC Bad Aibling im Oberliga-Heimspiel phasenweise regelrecht vorgeführt und bezogen mit dem blamablen 2:7 (1:3, 0:2, 1:2) die fünfte Niederlage in Folge. Die erste Reaktion: Der mit versteinerter Miene an der Bande stehende Trainer Bohuslav Ebermann kündigte am morgigen Abend ernsthafte Gespräche mit seinen Spielern an und Vorsitzender Michael Böhner schloss Konsequenzen nicht aus.

"Wir werden allerdings keine Panik-Attacken starten, um Spieler auszutauschen. Wir müssen in dieser Situation kühlen Kopf bewahren", lautete Böhners Kommentar nach dem schwächsten Heimspiel der letzten Jahre. Und Erinnerungen wurden wach: Nach einem 3:7 vor anderthalb Jahren gegen die Bad Aiblinger nahm der damalige Trainer Wilbert Duszenko seinen Hut.

"Ohne Siegeswillen"

"Ich habe von meiner Mannschaft keinen Siegeswillen gesehen. Unsere Torschüsse waren überwiegend Trainingsschüsse und außerdem wurde ohne Einatz, Körperspiel und Disziplin gespielt", brachte es Coach Ebermann nach der Schlusssirene treffend auf einen Nenner. Sein Experiment mit dem Tausch der Rechtsaußen Frank und Michailov in den beiden ersten Blöcken erwies sich als glatter Fehlgriff, den er im zweiten Abschnitt schnell wieder korrigierte. Aber zu spät, denn die zuletzt noch halbwegs funktionierende erste Reihe war dadurch ebenso lahm gelegt wie die anderen. Paradebeispiel Heinisch: Der bisher torgefährlichste ESVB-Stürmer konnte nicht die von ihm gewohnten Akzente setzen.
Die setzten die Bad Aiblinger mit ihrer Paradereihe. Das Trio Wieser-Gustafson-Schneider legte mit fünf Treffern den Grundstock zum Sieg. Gustafson stellte bereits nach 58 Sekunden seine Torgefährlichkeit unter Beweis und 27 Sekunden später zappelte die Scheibe im Bayreuther Tornetz, ehe die Gäste nach weiteren 118 Sekunden das 2:0 folgen ließen. In Überzahl klappte zwar der Anschlusstreffer durch einen Kubuczek-Hammer, doch mit dem von Gustafson nach einem Solo aus der eigenen Verteidigungszone eingefädelten 3:1 erlosch schon wieder das Strohfeuer bei den Einheimischen, die bei einer Unterzahlsituation Ende des ersten Drittels eigentlich reif für das 1:4 waren. Schädler (20.) traf u. a. nur den Pfosten.
"Der ESVB hat uns das Siegen leicht gemacht", lautete das Fazit des ehemaligen Bayreuther Stürmers. In der Tat: Das Defensivverhalten aller drei Blöcke wirkte bedenklich konfus. Das konnte Coach Ebermann auch durch einen Torhüterwechsel nicht verändern. Der junge Schmidt (für den schwächelnden Nachtmann) machte beim 1:4 und 1:5 keine gute Figur, verhinderte aber mit drei Glanztaten im Schlussdrittel ein durchaus denkbares zweistelliges Debakel.
Dabei ist die Verteidigung nicht mehr das personelle Sorgenkind der "Tigers". Doch durch fehlende Abstimmung, ungenaues Aufbauspiel und Fehlpässe der Stürmer waren die Einheimischen oft selbst Verursacher heikler Szenen vor dem eigenen Gehäuse.
Der Sturm agierte druck- und mitunter kopflos. Allen voran Frank und Michailov, die sich mit brotlosen Einzelaktionen durchzuwühlen versuchten. Keine Frage, dass nach solchen Vorstellungen die Ausländerbesetzung zur Disposition gestellt wird. Doch unter dem Strich kam auch vom arg enttäuschenden Meyer sowie vom blassen Bärnreuther nichts heraus. Ahne hat offensichtlich noch Trainingsrückstand. Im dritten Sturm bewies nur Trolda den Mut zum Torschuss, doch gravierend bei allen Formationen war die Bullyschwäche. Hier herrscht ebenso Handlungsbedarf wie in der Defensivarbeit.
Mit Körpereinsatz und klug gestaffelter Deckung war es den spritziger wirkenden Oberbayern möglich, das Sturmspiel der Gäste zu blockieren. "Wir standen hinten stabil und haben unsere Möglichkeiten bei Kontern genutzt. Ich möchte jedem einzelnen in meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen", hatte Bad Aiblings Trainer Markus Berwanger berechtigten Grund zur Freude.

ESV Bayreuth:

Nachtmann (ab 21. Schmidt) - Katz, Kolek; Mainer, Kubiczek; Thumm, Zimmermann; Kulczynski - Michailov, Heinisch, Meyer; Frank, Ahne, Bärnreuther; Trolda, Asanger, Polaczek; Häußinger, Walz.

EHC Bad Aibling:

Häusler - Bouquet, Hiemer; Adam, Paderhuber; Buchecker, Kathan - Schädler, Samanski, Slezak; Wieser, Gustafson, Schneider; Splitter, Mayer, Scheid.

SR:

Bendl (Planegg);

Zuschauer:

1427;

Strafminuten:

Bayreuth 16 plus 10 gegen Ahne , Bad Aibling 14.

Tore:

0:1 (2.) Schneider - 5 gegen 4, 0:2 (4.) Slezak (Gustafson, Schädler), 1:2 (8.) Kubiczek (Mainer - 5 gegen 4), 1:3 (13.) Wieser (Gustafson), 1:4 (30.) Wieser (Schneider), 1:5 (35.) Schneider (Gustafson, Adam - 4 gegen 3), 1:6 (46.) Schädler (Slezak, Samanski), 1:7 (59.) Wieser (Hiemer), 2:7 (60.) Polaczek (Trolda, Heinisch - 5 gegen 4).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth, Bayreuth Tigers GmbH