Zumindest ein Punkt für gute Kampfmoral

3:4-Niederlage des ESV Bayreuth über Spitzenreiter Regensburg drei Sekunden vor Schluss der Verlängerung

EISHOCKEY

Von Siegfried Zerrenner

In entscheidenden Szenen agiert der ESV Bayreuth in dieser Oberliga-Saison unglücklich und wenig clever! Diese Feststellung nach dem bisherigen Verlauf der Verbandsrunde traf auch am gestrigen Heimspiel gegen Spitzenreiter EV Regensburg zu, denn durch eine Kubicek-Nachlässigkeit mußten die Schützlinge von Trainer Bohuslav Ebermann drei Sekunden vor Schluss der Verlängerung eine 3:4 (1:1, 0:2, 2:0)-Niederlage quittieren.

Die Sekunden nach der Entscheidung: Der bezwungene ESVB-Torhütert Markus Nachtmann lag regungslos und offensichtlich frustriert auf dem Eis. Der in den letzten 25 Minuten überragende Keeper der Einheimischen war bei diesem Treffer machtlos, aber seine Vorderleute waren vermutlich ob der nahenden Schlusssirene nicht mehr so beherzt zur Sache gegangen. "Unsere Mannschaft verzeichnete eine Steigerung im Vergleich zu den letzten Spielen, doch ich bin überzeugt, sie kann noch mehr", lautete das Fazit des sportlichen Leiters Dietmar Habnitt. Doch zumindest der Eindruck der letzten 25 Minuten stimmt positiv für die Zukunft. Nach dem 1:3-Rückstand der Einheimischen durch den dritten Treffer des starken ersten Regensburger Blockes schien in der 38. Minute die Moral der Oberfranken gebrochen, die bis auf fünf Sekunden eine Heinisch-Strafzeit überstanden hatten und bei Unterzahlkontern durch Frank und Bärnreuther dem Ausgleich nahe waren.
Doch ein Treffer von Cmunt unmittelbar nach Ablauf einer Überzahlsituation brachte die eigentlich schon abgeschriebenen "Tigers" in der 42. Minute ins Spiel zurück. Plötzlich zeigten die Gastgeber vorher vermisste Tugenden, fanden in der Defensive erstmals seit Wochen zu einer geschlossenen Einheit zurück und auch im Angriff ging ein Ruck durch die Reihen. Paradebeispiel 47. Minute: Nach feinem Zuspiel von Cmunt, der nach seiner vierwöchigen Verletzungspause (mehrfacher Dauenbruch) zum Aktivposten avancierte, zeigte Michailov Durchsetzungsvermögen im Zweikampf und markierte das 3:3.
Leider ließ der Unparteiische im Anschluss zwei Fouls an Polaczek (48.) und Ahne (50.) ungeahndet. Vielleicht wäre dann die Partie noch gekippt. Anderseits verhinderte Nachtmann bei Aktionen von Kock (56.) und Fical (57) und Verteidiger Schinköthe (59.) noch während der regulären Spielzeit ein 3:4. Auch in der Verlängerung hatte der Keeper gegen Roland (63.) und Curth (64.) toll gerettet.
"Das war ein Spiel für die Zuschauer und stand auf hohem Oberliga-Niveau. Es wurde hart aber fair gekämpft, doch leider wurden wir nach der 3:1-Führung etwas leichtsinnig", urteilte Regensburgs Trainer Jiri Ehrenberger, während ESVB-Coach Ebermann mangelndes Selbstvertrauen seiner Schützlinge in wichtigen Szenen bemängelte. "Im zweiten Drittel führten dumme Fehler zum 1:3-Rückstand, aber anschließend wurde gut gekämpft." Richtig: In den ersten 40 Minuten lief nur wenig zusammen bei den Oberfranken, die nach einer unglücklichen Nachtmann-Abwehraktion in der 4. Minute in Rückstand gerieten, dann aber durch einen Meyer-Glückschuss (10.) ausgleichen konnten. Beim 1:2 gestatteten die Bayreuther Regensburgs Torjäger Fical viel Platz. Und beim 1:3 in Unterzahl hätte Ahne TW Nachtmann zu Hilfe kommen müssen.
Unübersehbar trotz zahlreicher brotloser Aktionen blieb aber das Bemühen aller Spieler. So versuchte im ersten Block endlich einmal Meyer Akzente zu setzen, während das Zusammenspiel von Heinisch und Frank nur selten klappte. Die zweite Sturmreihe profitierte sichtlich vom Mitwirken Cmunts, das offensichtlich Bärnreuther zu mehr Tatendrang beflügelte. Lediglich in der dritten Angriffsreihe ging spielerisch wenig. Vielleicht ist Ahne als Mittelstürmer besser aufgehoben als auf dem Flügel, wo auch Spitzigkeit gefragt ist. Auffallend hoch war über weite Strecken die Fehlerquote bei allen Verteidigern.
Auffälligste Akteure der Regensburger, die lange den Nachweis ihres Tabellenplatzes schuldig blieben, waren die stets torgefährlichen Fical, Kock und Roland.

ESV Bayreuth:

Nachtmann - Katz, Kolek; Thumm, Kubicek; Zimmermann, Kulczynski - Frank, Heinisch, Meyer; Michailov, Cmunt, Bärnreuther; Ahne, Asanger, Polaczek;

EV Regensburg:

Haider - Herdt, R. Martin; Beran, Tischler; Schinköthe, Palenta - Fical, Cermak, Curth; Lala, Praznik, Eichenmann; Kock, Naumann, Roland.

SR:

Stratz (Freiburg);

Zuschauer:

2038;

Strafminuten:

Bayreuth 14,
Regensburg 12.

Tore:

0:1 (4.) Cermak (Fical), 1:1 (10.) Meyer (Heinisch, Kolek),1:2 (29.) Fical, 1:3 (39.) Curth (Fical - 5 gegen 4), 2:3 (42.) Cmunt (Thumm, Kubicek), 3:3 (47.) Michailov (Cmunt), 3:4 (65.) Naumann.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth, Bayreuth Tigers GmbH