Knoten im Schlussdrittel endlich geplatzt

Kampfstarker ESVB wandelte 0:2-Rückstand in 4:3-Sieg gegen den EV Füssen um / Verantwortliche erleichtert

EISHOCKEY

Von Siegfried Zerrenner

Nicht zu überhören war er, der Stein, der Spielern, Trainer, Verantwortlichen und auch Fans nach der Schlusssirene förmlich vom Herzen fiel. Mit einem schwer erarbeiteten 4:2 (0:1, 0:1, 4:1) im Oberliga-Heimspiel gegen den EV Füssen wandelten die "Tigers" im Schlussdittel einen 0:2-Rückstand in einen Sieg um und beendeten damit ihre Negativserie mit acht Niederlagen in Folge.

Nach einer Pause wartet in knapp zwei Wochen bereits ein Schlüsselspiel um Tabellenplatz acht auf die Schützlinge von Trainer Bohuslav Ebermann. Als Tabellenneunter empfangen sie mit dem EC Peiting den gegenwärtigen Achten.
"Ich bin jedenfalls froh, dass diese schwarze Serie endlich beendet ist", machte Coach Ebermann kein Geheimnis aus seiner Stimmung. "Auf unseren Schultern lastete ein Riesendruck."
Und beinahe hätte es so ausgesehen, als ob seine Truppe erneut an der eigenen Erwartungshaltung scheitern könnte. Sie lieferte zwar eine tadellose kämpferische Leistung ab, doch im Angriff fehlte lange Zeit der krönende Abschluss. Und just in Phasen als Treffer förmlich in der Luft zu hängen schienen, wurden die Einheimischen von den geschickt aus der Defensive agierenden Füssenern nach allen Regeln der Kunst ausgekontert. Beim 0:1 während eines Überzahlspieles leistete Kolek mit einem Risikopass die unfreiwillige Vorarbeit und EVF-Torjäger Kaufmann bedankte sich mit einem erfolgreich abgeschlossenen Alleingang (20.), ehe Vacca mit dem 2:0 (23.) bei seiner Einzelleistung den nur halbherzig störenden Meyer schlecht aussehen ließ. In der 36. Minute drohte gar der dritte Gegentreffer, doch Torwart Nachtmann rettete gegen den durchgebrochenen Ex-Selber Opulskis. Wer weiß, wie die Partie sonst verlaufen wäre, denn auch die Entscheidungen von Schiedsrichter Pfeil waren mitunter fragwürdig.
"Wir hatten uns im Schlussdrittel vorgenommen, noch einmal alles zu geben", kommentierte Coach Ebermann die entscheidenden Phasen. Die Wagnerstädter erhöhten den Druck, doch Füssens lange Zeit überragender Torhüter Martinovic, der u. a. ein Kubicek-Geschoss mit dem Kopfschutz abwehrte, schien mit weiteren Glanztaten einen dicken Strich durch die Rechnung der Oberfranken machen zu wollen, ehe Routinier Heinisch in der 47. Minute mit dem Treffer aus kurzer Distanz den Bann brach. Er setzte damit ein Signal für die Offensive, wobei eine folgende 5:3- bzw. 5:4-Überzahlsituation das Spiel zum Kippen brachte. Nach einem Kubicek-Hammer zum 2:2 ließ der stets rackernde "Kapitän" Kolek mit einem sehenswerten Schuss unter die Latte genau 36 Sekunden später das 3:2 folgen. Als Cmunt im zweiten Versuch in der 53. Minute das 4:2 erzielte, war die Entscheidung gefallen, obwohl nach Füssens 3:4 gut zwei Minuten vor Schluss noch einmal kräftig gezittert werden musste.
"Der Druck der Bayreuther über die gesamte Spielzeit war einfach zu groß. Meine Mannschaft hat gut in der Defensive gestanden und fast alles richtig gemacht, ich bin daher nicht enttäuscht", analysierte Füssens Trainer Georg Holzmann, der weiterhin gute Chancen für sein Team im Wettstreit um den für die Play-off-Aufstiegsrunde wichtigen achten Tabellenplatz sieht.
Zumindest die Moral stimmte im total umgebauten Bayreuther Team. "Mit dieser Maßnahme wollte ich mein Team wecken", ließ Trainer Ebermann durchblicken, der im Vorfeld der Partie zusammen mit der Vorstandschaft Einzelgespräche mit den Spielern geführt hatte. Eins vorweg: Obwohl die Formationen kräftig durchgeschüttelt worden waren, klappte die Harmonie phasenweise besser als vorher. Ob damit der richtige Weg beschritten wurde, das werden aber erst die nächsten Partien beweisen. Insofern kommt den "Tigers" das Privatspielwochenende mit den Vergleichen mit dem Nord-Oberligisten Dresden (Heimspiel am Sonntag um 18.30 Uhr) gerade recht.
Das Heimdebüt des Kanadiers Danny Reja, der in den nächsten zwei Wochen zur Probe beim ESVB weilt, ließ nur wenige Schlüsse zu, zumal der "Neue" auf der ungewohnten Mittelstürmer-Position eingesetzt worden war. Nachdem obendrein der kanadische Neuzugang Troy Stephens integriert werden soll, ist mit weiteren Umstellungen zu rechnen. Auffällig in der Defensive war die Steigerung aller Verteidiger, wobei sich Thumm als sehr solider und verlässlicher Abwehrspieler erwies.

ESV Bayreuth:

Nachtmann - Zimmermann, Kolek; Kubicek, Thumm; Kulczynski - Michailov, Reja, Polaczek; Ahne, Cmunt, Bärnreuther; Asanger, Heinisch, Meyer.

EV Füssen:

Martinovic - Tirkkonen, Fordal; Kannewurf, Palkovnikov; Gmeinder, Petermann - Kaufmann, Koziol, Sänger; Opulskis, Thurner, Boldavesko; Schneider, Vacca, Friedl; Wolf, Knöpfler, Jung.

SR:

Pfeil (Ingolstadt);

Zuschauer:

1427;

Strafminuten:

Bayreuth 14 plus 5 gegen Cmunt, Füssen 18.

Tore:

0:1 (20.) Kaufmann (Tirkkonen - 4 gegen 5), 0:2 (23.) Vacca (Gmeinder - 4 gegen 4), 1:2 (47.) Heinisch (Bärnreuther), 2:2 (49.) Kubicek (Kolek - 5 gegen 3), 3:2 (50.) Kolek (Meyer, Bärnreuther - 5 gegen 4), 4:3 (53.) Cmunt (Bärnreuther, Kolek), 4:3 (58.) Boldavesko.



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth, Bayreuth Tigers GmbH