Tigers im Nachbarderby ohne jeden Biss

Ein Doppelschlag zu Beginn des zweiten Drittels leitete die 1:5-Schlappe des ESV Bayreuth beim ERC Selb ein

EISHOCKEY

Von Siegfried Zerrenner und Reiner Goeritz

Das Vorhaben des ESV Bayreuth, mit zwei Siegen in Duellen mit direkten Mittelfeld-Konkurrenten in der Tabelle der Eishockey-Oberliga weiter nach vorne zu stoßen, ist gescheitert: Die Schützlinge von Trainer Bohuslav Ebermann präsentierten sich gestern im Obefrankenderby beim ERC Selb ohne Biss und mussten sich vor knapp 3000 Zuschauern glatt mit 1:5 (1:1, 0:3, 0:1) geschlagen geben. Damit rutschte der ESV Bayreuth wieder auf den achten Platz ab.

Die Entscheidung zugunsten der Gastgeber fiel zu Beginn des zweiten Drittels, als die Selber mit einem Doppelschlag binnen 36 Sekunden auf 3:1 davonzogen. Der erste Treffer gelang den Selbern dabei in einer Überzahlsituation, die noch aus dem Schluss des zweiten Drittels resultierte: Michailov hatte nach der Schlusssirene des ersten Drittels noch auf das Selber Tor geschossen und damit eine Keilerei ausgelöst, die mit mehreren Strafzeiten und letztlich einer Selber Überzahl endete. Beim 1:2 agierten die Bayreuther nicht konsequent genug, beim 1:3 nutzten die Einheimischen die Verwirrung in der Bayreuther Defensive.
Dass sich die Bayreuther von diesem Doppelschlag lange nicht erholten, wurde in der 25. Minute deutlich: Trotz einer 5:3-Überzahl - Ledlin und Körner waren gemeinsam in der Kühlbox - sprangen bei dem viel zu durchsichtig angelegten Überzahlspiel in 91 Sekunden lediglich zwei Schlagschüsse von Kolek und ein Meyer-Schuss heraus, den Wegmann parierte. Wesentlich besser agierten die Selber in Überzahl - drei Treffer gelangen ihnen so -, doch auch in Unterzahl trafen sie: Einen leichtsinnigen Scheibenverlust der Bayreuther nutzte König in der 29. Minute zum Break, das er mit dem endgültig entscheidenden 4:1 abschloss.

Taktik ging nicht auf

Im weiteren Verlauf der Partie wurde klar, dass die Taktik von Ebermann nicht aufging: Der ESVB-Coach hatte auf Verteidiger Kubicek verzichtet, stattdessen mit Michailov einen zusätzlichen Stürmer gebracht und den formschwachen Heinisch aus dem Aufgebot gestrichen. Dieser Plan brachte keinen Erfolg, weil die geschwächte Abwehr der Belastung nicht gewachsen war und vor allem Kolek zu lange auf dem Eis stehen musste. Dennoch zählte Kolek neben Stephens und Nachtmann zu den besten Bayreuthern, während Selb mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung aufwartete.
Nach dem 4:1 hätte der ERC im Mitteldrittel sogar noch höher in Führung gehen können, doch Torwart Nachtmann verhinderte dies bei guten Möglichkeiten von Wittig (33.) und Ledlin (35.). Zwei Chancen hatten auch die Bayreuther, aber Michailov (37.) und Cmunt (37.) konnten sie nicht verwerten.

Im Schlussdrittel warteten die rund 800 mitgereisten Bayreuther Fans vergeblich auf ein Aufbäumen ihres Teams. Ein Übergewicht an Chancen besaßen die Selber auch in diesem Abschnitt, doch außer dem von einem Katz-Fehler begünstigten Treffer von Salpa zum 5:1 sprang für die Einheimischen nichts heraus, weil ESVB-Keeper Nachtmann in glänzender Manier Tormöglichkeiten von Körner (43.), Bado (45.), Gräber (56.) und Crombeen (57.) vereitelte. Dagegen hatten die Bayreuther nur drei nennenswerte Chancen: Zweimal scheiterte Kolek (47., 59.) an Wegmann und in der 51. Minute vergab Cmunt bei einer 3:1-Überzahl nach Asanger-Pass in kläglicher Manier.

Dass die Bayreuther so chancenlos sein würden, hatte sich im ersten Drittel noch nicht abgezeichnet. Die Selber hatten zwar durch Grögor und König den Führungstreffer auf dem Schläger (4.), doch gelang dieser Stephens nach herrlicher Kolek-Vorarbeit bei der ersten Bayreuther Chance. Die Verunsicherung der Gastgeber hätte der ESVB nur 31 Sekunden später sogar beinahe zum 2:0 genutzt, doch der Ex-Bayreuther Wegmann im Selber Tor war auf dem Posten. Dass die Einheimischen in Überzahl gefährlich sind, zeigten sie dann beim Ausgleich, als sie das druckvolle Spiel bereits nach 14 Sekunden mit einem Jonak-Treffer von der blauen Linie krönten (Kulczinski saß auf der Strafbank). Anschließend hätten Salpa (12.) und Jonak (14. - Pfosten) ihr Team in Führung bringen können, doch die Schlussphase dieses ersten Abschnitts gehörte wieder den Bayreuthern. Wegmann hatte bei einem Cmunt-Break Mühe (16.) und in einer Drangphase bei Überzahl traf Kulczinski nur das Außennetz (18.).

ERC Selb:
Wegmann - Jonak, Tsvetkov; Porzig, Hanft; Körner, Wittig - Crombeen, Ledlin, Salpa; König, Grögor, Barth; Gräber, Hördler, Bado.

ESV Bayreuth:
Nachtmann - Kolek, Kulczynski; Katz, Thumm; Singaitis - Michailov, Stephens, Reja; Polaczek, Cmunt, Bärnreuther; Asanger, Ahne, Meyer; Trolda.

SR:
Dahle (Berlin);

Zuschauer:
2679;

Strafminuten:
Selb 28, Bayreuth 26.

Tore:
0:1 (6.) Stephens (Kolek), 1:1 (10.) Jonak (Tsvetkov, Ledlin - 5 gegen 4), 2:1 (22.) Ledlin (Salpa, Tsvetkov - 5 gegen 4), 3:1 (23.) König (Körner, Grögor), 4:1 (29.) König (Salpa, Körner - 4 gegen 5), 5:1 (49.) Salpa (Crombeen, Tsvetkov - 5 gegen 4).

Trainerstimmen

Tapio Rautalammi (Selb):
"Wir haben nach guter Leistung 5:1 gewonnen. Das Wesentliche für mich ist aber: Wir haben erstmals in dieser Saison eine gute Mannschaftsleistung mit drei sehr guten Blöcken geboten. Das gibt Selbstvertrauen. Ich glaube, meine Mannschaft wird in den nächsten Wochen weiter nach vorne kommen. Der Schiedsrichter verdient ein Lob."

Bohuslav Ebermann (Bayreuth):
"Ich bin enttäuscht von der Mannschaftsleistung. Wir haben im ersten Drittel gut gespielt, die Partie aber im zweiten Drittel verloren. Wir haben zwar nicht schlecht gearbeitet, letztlich aber ohne Wirkung. Selb hatte drei kampfstarke, gute Blöcke, hat sehr aggressiv und hart gespielt und drei Überzahlsituationen genutzt."
 



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth