ESVB-Chef kritisierte Hühnerhaufen-Taktik

Dieter Hegen besiegelte 1:3-Niederlage gegen Kaufbeuren

EISHOCKEY
Von Siegfried Zerrenner

Die Hoffnung von Trainer Bohuslav Ebermann auf den Beginn einer neuen Erfolgsserie seines Teams wurde zunichte gemacht. Nach frühen Gegentoren im ersten Drittel verhinderten die bekannten Abschlussschwächen des ESV Bayreuth eine Aufholjagd der "Tigers", die im Oberliga-Heimspiel gegen den ESV Kaufbeuren eine 1:3 (0:2, 0:0, 1:1)-Niederlage quittieren mussten. Dabei sorgte Ex-Nationalstürmer Dieter Hegen mit der 3:0-Führung in der 43. Minute für die entscheidende Weichenstellung zu Gunsten der Allgäuer.

ESVB-Vorsitzender Michael Böhner machte nach Spielschluss kein Geheimnis aus seiner Enttäuschung und kritisierte die "Hühnerhaufen-Taktik" der zusammenhanglos agierenden Einheimischen. Dagegen hatte Gästetrainer Sergej Svetlov Grund zur Freude. "Wir hatten den richtigen Schlüssel gefunden, um die Bayreuther zu knacken", lautete sein Fazit. ESVB-Trainer Ebermann musste eingestehen, dass sein Konzept nicht aufgegangen ist. "Eigentlich wolltemn wir von Beginn an auf Angriff spielen."
Regelrecht überrumpelt

Offensichtlich überrumpelt wurden die Wagnerstädter vom Anfangselan der Gäste, die bereits nach 23 Sekunden ihre Torgefährlichkeit (Wedl) andeuteten. Und als sich ESVB-Stürmer Reja nach weiten 34 Sekunden eine Strafzeit (zwei plus zwei Minuten) einhandelte, wurden die Einheimischen beinahe gänzlich eingeschnürt. Trotzdem sprang für die Gäste nur eine einzige hundertprozentige Chance heraus, als Ex-Nationalstürmer D. Hegen Verteidiger Norlander mit einem Musterpass bedient hatte. Doch just mit Ablauf der Strafzeit brachte Rau die Allgäuer mit einem Weitschuss in Führung, die sich dann beim 2:0 (10.) über eine Nachlässigkeit von ESVB-Keeper Nachtmann freuen konnten. Er hatte nach einem abgewehrten Hicks-Nachschuss offensichtlich die Übersicht verloren und der Puck kullerte fast in Zeitlupe über die Torlinie.
Trotz dieses zweifellos glücklichen Treffers ging die Führung der mannschaftlich homogener und spritziger wirkenden Kaufbeurer vollauf in Ordnung. Norlander (11. und 19.) sowie Waginger (19.) hätten sogar früh für eine Vorentscheidung zu Gunsten der Gäste, deren Umschalten von Defensive auf Offensive ausgezeichnet klappte, erzielen können.

Dagegen produzierten die in der Defensive mitunter wackligen, im Spielaufbau ungenau passenden Einheimischen in der Offensive mehr oder weniger nur Zufallsaktionen. Abgesehen von einem Cmut-Konter (2.) ergaben sich erst bei einem schwachen Powerplay (12.) durch Kolek und Bärnreuther erste Schusschancen, während Polaczek (13.) bei einem Break im Übereifer den freistehenden Stephens übersehen hatte. Ein Thumm-Fehlschuss nach einem Cmunt-Pass (19.) und das war schon die ganze Herlichkeit der Gastgeber in den ersten 20 Minuten.
Umstellung

Mit einer Stürmerumstellung erzwang ESVB-Trainer Ebermann im zweiten Abschnitt zumindest eine veränderte Situation auf der Eisfläche. Mit Michailov im ersten Block (für Polaczek) erarbeiteten sich die Oberfranken ein klares Chancenplus, doch gingen sie im Abschluss mitunter fahrlässig mit ihren Möglichkeiten um. Michailov wirkte nach feinen Einzelaktionen in letzter Konsequenz (23. und 37.) einfach zu überhastet. Bei Schüssen von Meyer (26.), Kolek und Reja (27.) reagierte Kaufbeurens Ersatztorhüter Zellhuber glänzend, während Reja (38.) nach prächtiger Vorarbeit aus kurzer Distanz (38.) ebenso versagte wie Sekunden später Cmunt bei zwei Versuchen. In diesen Situationen wäre mehr zweifellos mehr drin gewesen, ehe zum Schluss, ehe eine fragwürdige Polaczek-Strafzeit den Spielfluss der Einheimischen hemmte.

Auffällig: Die beiden ersten ESVB-Blöcke ließen nur noch jeweils eine Möglichkeit ihrer gegnerischen Reihen zu, während die dritte ESVB-Formation gegen den Kaufbeurer Youngsterblock zwar optische Vorteile, doch keine Gelegenheiten erzielte.
Zumindest ein Aufbäumen gegen die drohende Niederlage war im Schlussdrittel zu registrieren. Als der Anschlusstreffer förmlich in der Luft hing, kam allerdings die eiskalte Dusche. Mit einem vom schwedischen Stürmer-Neuzugang Wraak eingeleiteten Konter sorgte D. Hegen in der 43. Minute mit dem 3:0 für die Entscheidung. TW Nachtmann verhinderte anschließend bei Aktionen von Wedl und Hegen einen möglichen vierten Gegentreffer, ehe sich die "Tigers" endlich wieder fingen.

Der nur im Schlussdrittel auffällige Stephens scheiterte zwei Mal am ESVK-Torwart (46.), der sich eine gute Note verdiente. Nach dem 1:3-Anschlusstor mit einem Schuss aus dem Gewühl vor dem Gästetor (51.) mobilisierten die Bayreuther zwar alle Kräfte, wobei sich aber eine höchst zweifelhafte Strafzeit gegen Kolek negativ auswirkte. Als in den letzten anderthalb Minuten Coach Ebermann TW Nachtmann zugunsten eines Stürmers vom Eis nahm (Cmunt zum ersten Block) hätten mit Glück Kolek, Michailov und Cmunt eine Ergebnisverbesserung schaffen können.

Statistik

ESV Bayreuth:
Nachtmann - Zimmermann, Kolek; Katz, Thumm; Kulczynski, Singaitis - Meyer, Stephens, Reja; Michailov, Cmunt, Bärnreuther; Trolda, Heinisch, Asanger.

ESV Kaufbeuren:
Zellhuber - Wedl, Norlander; Kozacka, Sulzer; Rau, Franz - Waginger, Wraak, D. Hegen; Hicks, Holdschik, Furchner; Kleinheinz, Sultanowitch, Hubner.

SR:
Bendel (Planegg);

Zuschauer:
1363;

Strafminuten:
Bayreuth 14, Kaufbeuren 2.

Tore:
0:1 (6.) Rau (Kleinheinz), 0:2 (10.) Hicks, 0:3 (43.) D. Hegen (Wraak), 1:3 (51.) Reja (Stephens, Michailov).
 



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth, Bayreuth Tigers GmbH