29 Sekunden fehlten zum Punktgewinn

ESVB musste sich gegen Crimmitschau mit 5:6 geschlagen geben / Bestes Saisonspiel

EISHOCKEY

von Siegfried Zerrenner

Komplimente als Trostpflaster! Crimmitschaus Trainer Horymir Sekera sowie Bayreuths Vorsitzender Michael Böhner attestiertem dem ESVB nach der Schlusssirene eine starke Leistung, doch letztlich standen die »Tigers« ohne Beute da. Bis 112 Sekunden vor Schluss lagen sie zwar noch mit 5:4 in Front, ehe der Oberliga-Tabellenzweite das Spiel kippte. Beim 5:6 (2:2, 2:2, 1:2) fehlten vor der Saison-Rekordkulisse von 3200 Zuschauern genau 29 Sekunden zum Punktgewinn.

"Das war das beste Spiel, das seit langem hier im Eisstadion geboten wurde. Leider haben wir unglücklich verloren", gab ESVB-Vorsitzender Michael Böhner in der Pressekonferenz kund, während es der Gästetrainer mit anderen Worten auf den Punkt brachte: "Das war ein packendes, abwechslungsreiches Spiel so recht nach den Vorstellungen der Zuschauer und stand auf gutem Oberliganiveau." Freilich sprach er auch die Tatsache an, dass beide Teams von Fehlern des Gegners lebten.
Und hier entschied die höhere Quote zu Ungunsten der Oberfranken, die auch nach Koleks überlegt herausgespielten Überzahltreffer zum 5:4 (47.) Unsicherheiten in der Defensive nicht abstellen konnten und letztlich dafür bestraft wurden. Der Umschwung deutete sich Minuten vorher an, als der auffällige ETC-Stürmer Sekera bei einem Powerplay nur die Latte traf (48.) und Heine (54. und 56.) zweimal freistehend am ausgezeichnet reagierenden ESVB-Torwart Nachtmann scheiterte. Diese Unordnung in der Defensive kostete schließlich die Punkte.

In der vorletzten Minute verlagerte der Gästeangriff sein Spiel auf die linke Seite, als der rechts frei stehende Verteidiger Blahe mit einem Musterpass (4:4) bedient wurde. Und der Gast machte weiter Druck. 34 Sekunden vor Schluss scheiterte der durchgebrochene Sekera an TW Nachtmann, der sich fünf Sekunden später zum 5:6 geschlagen geben musste. Im Anschluss an ein Bully kam Heine sträflich unbedrängt in Schussposition. "Ich hatte in dieser Situation meine erfahrenen Spieler auf dem Eis", wollte wollte ESVB-Trainer Bohuslav Ebermann den Vorwurf von mangelnder Cleverness seiner Mannschaft nur bedingt gelten lassen. "Leider waren wir nicht in der Lage, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen."

Wie tief der Stachel der Enttäuschung saß, verkörperte Keeper Nachtamnn der sich nach dem Treffer auf die Eisfläche warf und hernach seinem Ärger mit der Torhüterkelle Luft machte. Sicherlich fühlte er sich im Schlussdrittel von seinen Vorderleuten mehrmals im Stich gelassen, doch letztlich musste auch er sich an seine eigene Nase fassen. Er hatte nach einem Traumstart der Einheimischen 34 Sekunden nach dem 2:0 den Anschlusstreffer der Westsachsen begünstigt, als er nach einem abgewehrten Schuss ebenso die Übersicht verlor, wie bei Sekeras Ausgleich zum 4:4. Bei den Gegentoren zwei und drei waren die Wagnerstädter von den kombinationssicheren Gästen, die mit drei kompakten Blöcken operiert hatten, mit Spielzügen ausgehebelt worden.

Steigerung im Sturm

"Mein Team hat sich im Angriff gesteigert", stellte der ESVB-Coach fest, dessen Truppe in kämpferischer Hinsicht eine beachtliche Vorstellung bot und die zuletzt arg vermisste spielerische Linie zumindest teilweise erkennen ließ. Mit vier Einschüssen setzte der viel homogener als zuletzt wirkende erste Block die meisten Akzente, wobei der stets gefährliche Torjäger Stephens, Mihailov und Kolek herausragten und Reja als unermüdlicher Arbeiter auffiel.

Polaczek gefiel

Im zweiten Block zeigte Polaczek seine beste Saisonleistung. Schade, dass er 14 Sekunden vor Schluss durch eine unnötige Strafzeit ein letztes Überzahlspiel der Oberfranken verhinderte. Der angeschlagene Cmunt blieb in seinem Rahmen, doch Bärnreuhter und Verteidiger Thumm bleiben etwas blass. Deutlich zum dritten Block der Gäste fiel die dritte Formation der "Tigers" ab, die weiter vergeblich auf einen Leistungsschub (siehe Polaczek) des Ex-Berliners Meyer hofften. Vielleicht lag es auch daran, dass sich das junge Verteidigerpaar Singaitis (unsinnige Strafzeit) und Kulczynski stets als Unsicherheitsfaktor erwies.

ESV Bayreuth:

Nachtmann - Zimmermann, Kolek; Katz, Thumm; Singaitis, Kulczynski - Mihailov, Stephens, Reja; Polaczek, Cmunt, Bärnreuther; Walz, Heinisch, Meyer; Asanger

ETC Crimmitschau:

Erikson - Krause, Weiß; Solf, Blaha, Ollila, Maaß - Sekera, Müller, Rohrbach; Henkel, Vit, Heine; Losch, Hackert, Schulz

SR: Mrachatz (Höchstadt)

Zuschauer: 3152

Strafminuten: Bayreuth 16, Crimmitschau 18

Tore: 1:0 (7.) Mihailov(Katz), 2:0 (10.) Katz (Polaczek), 2:1 (10.) Hackert (Ollila, Schulz), 2:2 (15.) Schulz (Losch - 4 gegen 4), 2:3 (23.) Ollila (Schulz, Losch), 3:3 (29.) Stephens - 4 gegen 4, 4:3 (34.) Stephens (Reja, Mihailov), 4:4 (36.) Sekera, 5:4 (47.) Kolek (Stephens, Reja - 5 gegen 4), 5:5 (59.) Blaha (Krause), 5:6 (60.) Heine



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth