Offenbarungseid in Defensive

ESVB wehrte sich beim 5:8 gegen Kaufbeuren zu spät gegen Demontage durch Hegen

EISHOCKEY

Von Eberhard Spaeth

Seit gestern Abend müssen auch die hartnäckigsten Optimisten im Lager des ESV Bayreuth den Blick von den Play-off-Plätzen der Oberliga Süd abwenden und sich auf den Kampf ums "Überleben" in der Abstiegsrunde einstellen. Das liegt nicht nur am Abstand zum achten Rang, der bei vier ausstehenden Spielen auf zehn Punkte angewachsen ist, sondern vor allem an der enttäuschenden Leistung bei der 5:8 (2:3, 2:3, 1:2)-Niederlage gegen den ESV Kaufbeuren.

Grund zur Besorgnis gab dabei vor allem der Offenbarungseid der Bayreuther in der Defensive. Selbst unter der Berücksichtigung der personellen Probleme, die nach dem kurzfristigen Ausfall von Katz und Häußinger (jeweils Adduktorenbeschwerden) sowie dem frühen Ausscheiden von Herrmann (Muskelverletzung im Oberschenkel) nur noch ein Rumpfteam mit acht Stürmern (einschließlich des etatmäßigen Verteidigers Zimmermann) übrig gelassen hatten, war die Leichtigkeit der vorentscheidenden Kaufbeurer Tore im zweiten Drittel erschreckend. Ganz besonders D. Hegen nutzte den reichlichen Spielraum, um seine noch immer sehenswerte Technik zur Geltung zu bringen. Neben seinen vier prächtigen Toren in Folge innerhalb von genau 13:35 Minuten zum 6:2 (32.) verzeichnete der inzwischen 38 Jahre alte ehemalige Weltklasse-Stürmer auch noch einen Lattenschuss (33.) und reklamierte nach einer Doppelchance vor ESVB-Torwart Schmidt vergeblich einen weiteren Treffer (37.).
Dass der ESVB dabei nicht ganz aussichtslos in Rückstand geriet, verdankte er den mitunter fast ebenso großen Lücken in der Abwehr der Allgäuer, die besonders bei langen Bayreuther Pässen aus dem eigenen Drittel bis an die gegnerische blaue Linie (Kolek, Thumm) anfällig wirkte. Ausgesprochen eindrucksvoll war aber vor allem die Effektivität der Gastgeber im Powerplay. Für ihre drei Treffer in Überzahl benötigten sie insgesamt nur sage und schreibe 39 Sekunden - ganze vier beim 2:3, 18 beim 3:6 und 17 beim 5:7!
Viel zu spät begannen die Bayreuther jedoch damit, sich auch kämpferisch gegen das drohende Debakel zur Wehr zu setzen. Einen ersten Impuls dafür gab der erfolgreiche Endspurt im zweiten Drittel mit zwei Treffern innerhalb von 92 Sekunden zum 4:6. Die guten Vorsätze für den letzten Abschnitt wurden dann allerdings erst einmal wieder bitter enttäuscht, als die Bayreuther noch vor dem ersten Wechsel beim Duell der ersten Blöcke in ihrem eigenen Drittel fast vorgeführt wurden und nach 40 Sekunden das 4:7 kassierten. Zum Abschluss dieser Kombination sah auch noch ausgerechnet Kolek als vermeintlich sicherster Rückhalt der Abwehr im Zweikampf gegen den Torschützen Wraak ausgesprochen schlecht aus. Ebenso wie bei den anderen Gegentreffern war Torwart Schmidt letztlich der geringste Vorwurf zu machen.
Gerade wegen dieses erneuten Rückschlags waren aber die folgenden Bemühungen des ESVB doch noch aller Ehren wert. Druckvolles Spiel führte zu einigen turbulenten Szenen vor dem Tor der Gäste, in denen Schlussmann Zellhuber jedoch keinen rechtzeitigen Anschluss mehr zuließ. Diese Eindrücke waren es wohl vor allem, die ESVB-Trainer Paul Sommer letztlich doch eine gewisse Zuversicht für den Saisonendspurt gaben: "Am Willen des Teams fehlt es jedenfalls nicht."


 

TRAINERSTIMMEN


 

Sergej Svetlov

(Kaufbeuren): Die Zuschauer hatten ihren Spaß, weil sie viele Tore gesehen haben. Für meinen Geschmack waren aber fünf Gegentore etwas zu viel. Das lag vor allem am guten Überzahlspiel der Bayreuther.

Paul Sommer

(Bayreuth): Ich muss meine Mannschaft ein wenig loben, auch wenn das vielleicht blöd klingt. Beim 2:6-Rückstand hat sie sich mit nur acht Stürmern und vier Verteidigern bemüht, aber immer wenn der Anschluss möglich schien, wieder ein Tor kassiert. Wenn wir in dieser Lage keine gute Moral bewiesen hätten, wären wir abgeschossen worden.
Die Belastung durch die dünne Besetzung war auch der Grund dafür, dass wir nicht so körperbetont spielen konnten, wie es nicht zuletzt gegen Dieter Hegen nötig gewesen wäre.


ESV Bayreuth:

Schmidt - Kulczynski, Kolek; Thumm, Kubicek - Asanger, Duval, Reja; Meyer, Cmunt, Bärnreuther; Trolda, Herrmann, Zimmermann.

ESV Kaufbeuren:

Zellhuber - Kozacka, Norlander; Sulzer, Tessert; Rau, Franz - Sultanowitsch, Wraak, Masek; Waginger, Römer, D. Hegen; Hicks, Holdschik, Furchner.

SR:

von der Fenn (Peiting);

Strafminuten:

Bayreuth 10, Kaufbeuren 14;

Zuschauer:

1200.

Tore:

0:1 (6.) Furchner (Holdschik), 1:1 (9.) Meyer (Bärnreuther, Cmunt), 1:2 (15.) Furchner, 1:3 (19.) Hegen (Römer), 2:3 (19.) Kolek (Cmunt, Kubicek - 5 gegen 4), 2:4 (25.) Hegen (Römer, Sulzer), 2:5 (30.) Hegen (Hicks, Römer), 2:6 (32.) Hegen (Römer, Waginger - 5 gegen 4), 3:6 (38.) Cmunt (Kolek - 5 gegen 4), 4:6 (39.) Duval (Kubicek - 4 gegen 4), 4:7 (41.) Wraak (Norlander, Masek), 5:7 (59.) Reja (Kolek, Duval - 5 gegen 4), 5:8 (60.) Masek (Sultanovic, Zellhuber - 5 gegen 6).



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth