Oberstdorfer in Bayreuth regelrecht vom Eis gefegt

Zuletzt ging`s Schlag auf Schlag
SVB- Eishockeyteam festigte mit 9:2 Spitzenposition / Mit einem Bein in der Oberliga

Spätestens seit Samstagabend ist es entgültig perfekt: Bereits zwei Wochen vor Beginn der offiziellen Aufstiegsrunde, der besten fünf, steht das Eishockeyteam des SV Bayreuth mit einem Bein in der Oberliga. Mit einem in dieser Höhe sicherlich nicht erwarteten 9:2 (2:0, 1:1, 6:1)- Sieg über den direkten Verfolger EC Oberstdorf ließ der Regionalliga Spitzenreiter sein stolzes Punktekonto auf 28:2 Zähler anwachsen. Nur noch eine Außergewöhnliche Durststrecke könnte den Bayreuthern den Weg in die nächsthöhere Klasse verbauen. Vor überraschend „nur“ 2850 zahlenden Zuschauern vermochten sich die Oberfranken im Schlagerspiel vor allem im Schlussdrittel deutlich zu steigern, als sie mit einem halben Dutzend Treffern den Allgäuern jeglichen Wind aus den Segeln nahmen. Zum Ausklang der ersten Runde ist der SVB am Samstag Gastgeber für Frillensee/ Inzell.

Beinahe hätte man glauben können- ein Dramaturg eines Theaters hätte in diesem direkten Duell der Titelrivalen Regie geführt. Zwei Drittel lang hatte sich auf dem Eis spielerisch ziemlich wenig getan. Genauer gesagt, der konzentriert gestartete SVB hat sich bis zur 44 Minute strikt an die taktischen Order gehalten, die Oberstdorfer Paradesturmreihe mit Cecco, Ryerson und O`Brian nicht wirkungsvoll ins Spiel kommen zu lassen, um dann in den letzten 16. Minuten für einen schallenden Schlussakkord zu sorgen.
Denn just in einer Phase als die Oberstdorfer mit dem 2:3- Anschlusstreffer durch einen Weitschuss Ryersons (weshalb kein Forechecking) „Morgenluft“ witterten, das Spiel eventuell zu kippen drohte, legten die Oberfranken zur Freude ihrer Anhänger in gewohnter Manier los. Kaum eine Minute nach diesem „Schock“ markierte Endres auf Zuspiel von Campbell das 4:2 und nur ganze 15 Sekunden später schloss der wirkungsvoll operierenden W. Schmid eine Einzelaktion zum vorentscheidenden 5:2 erfolgreich ab.
Die Weichen auf Sieg waren damit gestellt.
Erst danach lieferte der Aufsteiger eindrucksvoll den Nachweis seiner Spitzenstellung in dieser Klasse. Hatte der SVB vorher mehr oder weiniger nur von Einzelaktionen „gelebt“, lief nach dem Kombinationsspiel beinahe wie am Schnürchen, wobei die anfangs nervösen Bayreuther Stürmer ihre Vollstreckungsqualitäten unter Beweis stellten.
Sehenswert speziell der Treffer zum 6:2 in der 45 Minute. Der imponierende Campbell wirbelte mit einem feinen Solo die EC- Deckung durcheinander, kurvte um das Gästetor und passte dann die Scheibe haargenau auf den Stock Hortons. Blitzschnell bugsierte der zweite Kanadier den Puck ins Netz. Einem Drehschuss W. Schmids zum 7:2 folgte ein Prachttor Plattners. Der „Kapitän“ überlistete den ausgezeichneten Oberstdorfer Torhüter Josef Geiger mit einem geschickt gezirkelten Heber. Das abschließende 9:2 resultierte aus kluger Zusammenarbeit der Schmid- Brüder Lothar und Gerhard.
Hochstimmung herrschte natürlich in der Bayreuther Kabine nach der Schlusssirene.
..Welch ein schöner Zufall!“ Ausgerechnet in meinem 100. Spiel für den SVB gelang mir das 100 „Saisontor“. Strahlte „Kapitän“ Joachim Plattner. Vergessen war für einen kurzen Augenblick der quälende Schmerz, als er bereits im ersten Drittel des insgesamt fairen Gipfeltreffens einen Schlag auf die Nase abgekommen hatte. Ob er das dick angeschwollene Nasenbein gebrochen hatte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht festzustellen.
Nicht minder heilfroh über diesen Erfolg jedoch restlos ausgepumpt und erschöpft kauerte auf der selben Bank Bayreuths überragender Akteur: John Campbell. Das „Konditionsbündel“ hatte 58 Minuten auf dem Eis gestanden. Lediglich eine 2-Minuten –Zeitstrafe hatte ihm zu einer Verschnaufpause „verholfen“. Er hat angedeutet, dass er auch in der 2. Bundesliga seinen Mann stehen konnte“, zollte ihm SVB- Spielertrainer G. Schmid ein Sonderlob.
In der Tat was der sympathische Kanadier anfasste, hatte Hand und Fuß. Er organisierte wiederum mit Bravour die Abwehr und schlug mit seiner Offensivkraft Breschen in die Hintermannschaft der Allgäuer. Die Folge: Neben den beiden Granaten zum 2:0- Vorsprung im ersten Drittel servierte der stocktechnisch überzeugende Verteidiger zu zwei weiteren Treffern jeweils die Vorlagen. Es war gewiss kein schlechter Schachzug G. Schmids, voll auf den Kanadier zu setzten, denn schließlich sind Abwehrspieler mit „Köpfchen“ im SVB- Team recht dünn gesät. Neben Campbell kamen abwechselnd Janker, Fritsch und G. Schmid in der Abwehr zum Zuge.
Für die angenehmste Überraschung sorgte die zweite SVB- Sturmreihe mit Plattner, W. Schmid und Wilhelm. War in den letzten Wochen ein großes Leistungsgefälle zwischen den beiden Angriffsformationen zu konstatieren war das Trio um „Kaptain“ Plattner wesentlich an der hohen Trefferausbeute beteiligt.
Die Oberstdorfer vermochten die Erwartungen nicht zu erfüllen. Zwar gab EC- Trainer Dr. Cerveny unüberhörbar kund dass die Titelfrage erst in der Aufstiegsrunde entschieden werde, doch was die Allgäuer letztendlich zustande brachten war wenig meisterlich. Beide Teams dürften nach Lage der Dinge in die Oberliga aufrücken, doch dort bläst ein anderer Wind. Dies sollten auch Bayreuths Fans bei aller Euphorie bedenken.
Tore: 1:0 Campbell (6.- Schlagschuss), 2:0 Campbell (17.- Weitschuss), 3:0 Plattner (28.), 3:1 Ryerson (29.- Rückhandschlenzer), 3:2 Ryerson (43.- Weitschuss), 4:2 Endres (44.- Vorlage Campbell), 5:2 W. Schmid (44.- Alleingang), 6:2 Horton (45.- Pass Campbell), 7:2 W. Schmid (53.- Drehschuss), 8:2 Plattner (Pass L. Schmid).
Strafminuten: SVB (16), Oberstdorf (22).
Schiedsrichter: Schimki (Berlin), Heil (Amberg).
Zuschauer: 2850



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth