Sympathiewerbung beim Nachbarn

Bayreuther Eishockeyteam in Selb mit Beifall verabschiedet/ Im Schlussdrittel „zerlegt“

Mit müdem begrüßen, mit Beifall verabschiedet wurde das Eishockeyteam des SV Bayreuth zwei Tage nach der Erringung der Deutschen Regionalliga- Meisterschaft am Dienstagabend beim Zweitbundesligisten VER Selb. Zwar konnten die Gäste vor 1500 Zuschauern die vorprogrammierten 5:11 (2:3, 3:2, 0:6)- Niederlage in der Porzellanstadt nicht verhindern, doch lieferte das SVB- Team den Nachweis , dass mittlerweile in der Wagnerstadt ansprechendes Eishockey gepflegt wird. Mit nur zehn Feldspielern bot der Gast- wie kurz gemeldet- bis zur 43. Minute Paroli (5:5), ehe die zwei Klassen höher spielenden Selber im Schlussdrittel ihre spielerische Überlegenheit mit sechs Treffern zum Ausdruck brachten. Dass die Bayreuther die Torlawine in sportlicher tadelloser Manier „schluckten“, rundete die Sympathiewerbung beim oberfränkischen Nachbarn ab.

„Unsere Truppe hat eine optimale Leistung gezeigt“, resümierte SVB- Abteilungsleiter Alfred Zapf nach der Schlusssirene.
Vor dem Treffen hatte er allerdings noch Trübsal geblasen, nachdem seine Mannschaft auf den angeschlagenen „Kapitän“ Plattner sowie auf Verteidiger Janker (fehlte unentschuldigt) verzichten musste. Zehn Feldspiele darunter mit Sobeck und Hartmann zwei noch wenig erfahrene Nachwuchscracks. Die bange Frage: Konnte das gut gehen? Immerhin bot der Gastgeber drei Sturm- und drei Abwehrreihen auf.
Eins gleich vorweg: Diese kleine Truppe schlug sich kämpferisch bravourös. Von Anfang an darauf bedacht, ein Debakel zu verhindern, verbarrikadierten sich die Bayreuther vor dem eigenen Gehäuse, ließen die eigensinnig operierenden Selber anrennen und blockten oft mit letztem Körpereinsatz Schussversuche der Einheimischen ab. Im Brennpunkt des Geschehens stand wiederholt SVB- Torhüter Knetsch. Mit Serien von Glanzparaden machte er nahezu zwei Dutzend beste Möglichkeiten der Zweitbundesligisten zunichte.
Gewissermaßen als „Prellbock“ erwies sich Verteidiger Campbell. Der Kanadier mit Zweitligaformat stand mit Ausnahme von zwei Strafminuten nahezu pausenlos auf dem Eis, entschied eine Vielzahl von Zweikämpfen zu seinen Gunsten und „fädelte“ mit klugem Passspiel mehrere vielversprechende Angriffe ein.
Die Bayreuther gingen im Sturm recht couragiert zu Werke. Sie ließen sich von den körperlich robusten Selber Abwehrspielern nicht so ohne weiteres abdrängen. In die Kategorie „sehenswert“ ist auf alle Fälle Hortons Tor zum 3:3 in der 26. Minute einzureihen. Mit einem technischen Kabinettstückchen ließ der Kanadier im SVB- Trikot drei Selber aussteigen, ehe er mit einem glasharten Schlagschuss Torhüter Manteufel keine Chance ließ. Der direkte Vergleich mit seinem Selber Namensveter endete letztlich unentschieden. Während sich der Einheimische im Schlussdrittel immerhin dreimal in die Torschützenliste einzutragen vermochte, glänzte der SVB- Torjäger in technischer Hinsicht.
Am wirkungsvollsten im Sturm des künftigen Oberligisten setzte sich L. Schmid in Szene. Der Ex- Selber zeigte Übersicht und ließ mit drei Einschüssen seine Torjägerqualitäten aufblitzen. Weniger Glück im Abschluss hatte hingegen Endres. Nach dem 3:3 ließ der Ex- Inzeller innerhalb von 30 Sekunden zwei hundertprozentige Gelegenheiten ungenutzt verstreichen. Auch der zweite Sturm hatte sein Erfolgserlebnis. In der 34. Minute startete Spielertrainer G. Schmid ein Solo. Er verlud zwei VER- Abwehrspieler, lockte den wenig überzeugenden TW Manteufel aus dem Gehäuse und vollstreckte mit einem eleganten Flachschuss zum 4:4.
Speziell nach dem zweiten Drittel mussten sich die Porzellanstädter, ob ihrer laschen Einstellung, Pfiffe der einheimischen Anhänger gefallen lassen. Bei optischer Überlegenheit wirkten Ahne und Co. im Abschluss unkonzentriert und ohne Durchschlagskraft. In der Schlussviertelstunde zeigten sie den Gästen alerdings auf, dass in stocktechnischer und läuferischer Hinsicht Nachholbedarf besteht.

VER Selb: Tor: Manteufel (Formader),
Verteidigung: Seitz, Fischer, Guggemos, Wunschel , Netzsch, Setzer
Sturm: Ahne, Pyatt, Horton, Strauch, Neubauer, Ballhauen, Rossmeisel, Bayreuther, Feselmayer

SV Bayreuth: Tor: Knetsch,
Verteidigung: Campbell, Fritsch, Sobeck, Hartmann
Sturm: Wilhelm, G. Schmid

Schiedsrichter: Böhm (Landshut), Köhler (Erkehrsreuth), Bucek (Bayreuth)
Zuschauer: 1500


Tore: 1:0 Guggemos (2.- Weitschuss), 1:1 L. Schmid (7.- Vorlage W. Schmid), 1:2 L. Schmid (13.- Weitschuss), 2:2 Netzsch (14.- Pass Rossmeisel), 3:2 Pyatt (20.- Weitschuss), 3:3 Horton (26.- Schlagschuss), 4:3 Pyatt (32.- Nachschuss), 4:4 G. Schmid (34.- Alleingang), 5:4 Pyatt (37.- Alleingang), 5:5 L. Schmid (40.- Eigentor Guggenmos), 6:5 Guggenmoos (44.- Weitschuss), 7:5 Ballhausen (49.), 8:5 Setzer (51.- Pass Pyatt/ Neubauer), 9:5 Horton (52.- Zuschauer Pyatt), 10:5 Horton (54. Pass Ahne), 11:5 Horton (55.- Vorlage Ahne)
Strafminuten: Selb (12), Bayreuth (6)

Stimmen zum Spiel
Fritz Schiller (VER- Betreuer, früherer SVB- Trainer): „Keine Frage, die Bayreuther haben sich achtbar aus der Affäre gezogen, Sie haben zwei Drittel lang sehr clever gespielt. Der VER hatte drei Sturm- und drei Abwehrblöcke aufgeboten. Dass sich dies letztlich konditionell auswirken muss, war eigentlich vorherzusehen.
Gerhard Schmid (SVB- Spielertrainer) „Berücksichtigt man, dass wir erst am Montagfrüh nahezu ausgelaugt aus Unna zurückgekehrt sind, haben wir nicht so schlecht ausgesehen. Mit nur zwei Drittel lang mit den sogenannten Profis mitzuhalten. Als wir kräftemäßig am Ende waren, haben uns allerdings die Selber unsere spielerischen Grenzen klar ausgezeigt.
 



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth, Bayreuth Tigers GmbH