Kampf der Tigers beim Bayernligaauftakt blieb unbelohnt

TEV Miesbach – EHC Bayreuth  6:1 (1-0;1-0;4-1)

Ein Eishockeyinteressierter, der gestern das Spiel nicht live gesehen hat, denkt bei diesem Ergebnis sicher an ein relativ einseitiges Spiel, aber dieses Resultat spiegelt den Spielverlauf dieses Duells Ligatopfavorit gegen Aufsteiger nur unzureichend wieder. Denn bis zum 3-1 in der 42. Minute sah man zwei Mannschaften die sportlich nicht soweit von einander entfernt waren, als man von den Namen im Kader und Endergebnis her annehmen könnte. Aber alles schön der Reihe nach.
Die Voraussetzungen für beide Teams konnten in diesem Saisoneröffnungsspiel unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite konnte Heimtrainer Wieland 17 Akteure aufbieten die letzte Saison mindestens in der Oberliga gespielt haben und auf der anderen Seite fehlte Spielertrainer Noob eine komplette Reihe wichtiger Spieler beim Aufsteiger aus der Landesliga.

Davon völlig unbeeindruckt nahmen die Oberfranken aber den Kampf beherzt an und glichen die stocktechnischen Vorteile der Kreisstädter mit großem Einsatz aus. Einen kapitalen Fehler im eigenen Spielaufbau bestrafte Leitner zwar schon nach 4 Minuten mit dem 1-0 für den TEV, doch mit zunehmender Spielzeit schwammen sich die Wagnerstädter immer mehr frei. Bei den brand gefährlichen Angriffen der Oberländer zeigte sich Tigerstorwart Sievers als absoluter Könner und hielt sein Team mit zahlreichen Prachtparaden im Spiel. Aber auch auf der Gegenseite konnte sich Hochhäuser über mangelnde Arbeit nicht beklagen und hatte einige schwierige Prüfungen zu bestehen. Von dem erwarteten Klassenunterschied konnte man jedenfalls nur vereinzelt etwas feststellen, die Gelb-schwarzen waren voll im Spiel.
Gleiches Bild bot sich dem im von KFZ-Pfeiffer mitgesponserten Fanbus angereisten stimmungsvollen Anhang des Neulings im Mittelabschnitt. Besonders Sturmführer Müller und Abwehrchef Meixner kurbelten immer wieder an und zwangen den hohen Favoriten zu einem Spiel auf Augenhöhe, bei dem oftmals nur das berühmte Quäntchen Glück fehlte. Symptomatisch für das ganze Spiel war die Szene aus 26. Spielminute. Die Tigers schoben die Scheibe bei einem klasse Konter mit riesen Torchance um wenige Zentimeter am Tor vorbei und praktisch im Gegenzug gelingt Klett mit einem „Gegenkonter“, aus nicht optimaler Schussposition das 2-0. Das viel zitierte Scheibenglück war diesmal einfach nicht vorhanden für den EHC. Doch auch von diesem weiteren Rückschlag ließ man sich nicht unterkriegen und kämpfte unverdrossen weiter und weitere Gelegenheiten auf beiden Seiten blieben ungenutzt.
Noch einmal neu motiviert ging man dann ins Schlussdrittel und Müller gelang mit einem unwiderstehlichen Antritt in Unterzahl tatsächlich der verdiente Anschlusstreffer. Aber, wie als wäre das „Drehbuch des Spiels“ in der Traumfabrik Hollywoods geschrieben, gelang dem TEV noch im gleichen Powerplay durch Kletts fulminanten Weitschuss wieder der 2-Tore-Vorsprung. Das 4-1 durch Veicht war dann noch mal ein Beweis dafür, wie entscheidend die Kleinigkeiten waren. Sein Schuss fand nämlich nur den Weg vorbei am überragenden Sievers, da sie so unglücklich lief weil der Stürmer die Scheibe gar nicht richtig getroffen hatte. Von diesem neuerlichen Schlag erholten sich die Tigers dann nicht mehr. Nochmals dezimiert durch eine fragwürdige 10-Minutenstrafe des insgesamt schwachen Schiedsrichtergespanns für Spielertrainer Noob, verlor man zum Ende etwas die Ordnung und kassierte durch Ex-DEL-Stürmer Hart und Oppenberger noch zwei weitere Gegentore zum Endstand.
Mit erhobenen Kopf und verdientem Applaus der Anhänger gingen die Tigers vom Eis. Man hatte dem großen Favoriten lange Zeit einen harten Kampf geliefert. Das am Ende keine Punkte mit auf die lange Heimreise genommen werden konnten, ist verschmerzbar. Die soll und kann man dann gegen andere Kontrahenten holen. Denn wie hieß es so schön in diversen Vorschauen: „Die Tigers sind wieder da, auf der Eishockey Landkarte“. Und entsprechend gut gelaunt, trotz des viel zu deutlichen Ergebnisses skandierten die Bayreuther Fans nach dem Spiel: „Bayernliga – Bayreuth ist dabei“.


Miesbach: Hochhäuser , Mechel – Müller, Martin, Kritzenberger, Förg (8), Leitner (4), Stangl – Mayr (2), Albanese, Veicht, Klett (2), Rießle, Tippl, Eham, Hart (4), Baumer (2), Oppenberger, Schießl, Detterer

Bayreuth: Sievers, Bädermann – Meixner (2), Wagner (4), Noob (14), Rothemund – Müller (4), Geigenmüller (2), Brahmer, Seibel, Stoyan (2), Carbone (2), Martindale (2), Hausauer (4), Behmer

Tore: 1-0 (4) 4-4 Leitner; 2-0 (26) Klett (Oppenberger); 2-1 (41) 4-5 Müller (Meixner, Stoyan); 3-1 (42) 5-4 Klett (Oppenberger, Baumer); 4-1 (49) Veicht (Hart); 5-1 (56) 5-3 Hart (Leitner, Martin); 6-1 (60) Oppenberger

502 Zuschauer
Strafen: M: 22 Min, BT: 36 Min
Powerplay: M: 2/10, BT: 0/7



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth