Der Tigerkäfig bebte

EHC Bayreuth – ERC Sonthofen   3:2 n.P. (0-0;0-1;2-1)
In diesem echten Spitzenspiel der Bayernliga hatten die Hausherren vor leider unter 1000 Besuchern (die Fussball-Liveübertragung verhinderte wohl mehr) den besseren Start und einige guten Möglichkeiten, die der bärenstarke Zellhuber aber allesamt vereiteln konnte. Die Anfangs noch etwas schläfrig wirkenden Gäste befreiten sich ab etwa Mitte des Drittels zusehends und es entwickelte sich ein rassiges Kampfspiel. Die Bulls verstanden es die Räume end zu machen und blieben mit ihren Kontern stets brand gefährlich. Die Wagnerstädter drängten aber auch weiter mit einigen sehr schönen Spielzügen, doch die beiden starken Torhüter hielten ihren Kasten sauber.

Auch im Mittelabschnitt hatten die Oberfranken den besseren Start, erspielten sich einige Torchancen, fanden aber wieder keinen Weg vorbei am souveränen Zellhuber. Mit fortlaufender Spielzeit wurde die Partie dann wieder mehr von Taktik geprägt, blieb aber höchst intensiv. Man merkte beiden Teams den gegenseitigen Respekt deutlich an. Keiner wollte zuviel riskieren. So musste auch ein Überzahlspiel nach etwas fragwürdiger Strafzeit herhalten, um den ersten Eintrag auf der Anzeigentafel herzustellen. Konnte man im ersten Drittel mit klasse Unterzahlspiel noch alles unterbinden, gelang es diesmal nicht den Druck der Gäste zu verhindern und Grimm nutzte den zweiten Nachschuss  im Slot schließlich zur Führung für den amtierenden Meister. Kurz darauf erhielt ERC-Spielmacher Newhook eine Spieldauerstrafe wegen hohen Stock mit Verletzung, doch die Tigers konnten das nicht nutzen. Zu statisch und zu wenig entschlossen agierten sie in den 5 Minuten mit personellem Vorteil. „Opfer“ Mayer bis aber sprichwörtlich auf die Zähne und kehrte aufs Eis zurück, nachdem er in der Kabine genäht wurde, wofür er sich später noch eindrucksvoll belohnte.

Aufgeben gibt es bei dieser Tigersmannschaft aber nicht und so wurde es auch im Schlussdrittel mit neuem Mut weiter versucht. Die „Wand im Tor der Schwaben“ hielt aber noch stand und entnervte Spielertrainer Waßmiller aus bester Position mit einem überragenden Fanghandsave. Für andere Teams wäre das 0-2 durch Vit, der einen 2 gegen 1 Konter selbst mit einem klasse Schuss unter die Latte abschloss, der „Genickbrecher“ gewesen. Doch nicht so für die Wagnerstädter. Nicht einmal der nächste Schlag – Spieldauerstrafe gegen Geigenmüller ebenfalls wegen hohen Stock – ließ die EHC-Cracks einbrechen. Initialzündung war dann das dynamische Unterzahlbreak von Bartosch, der den Bann mit einem sauberen Handgelenkschuss brach und im ganzen Rund neue Emotionen weckte. Lautstark angetrieben von ihren Fans legten die Wagnerstädter noch einmal eine Schippe drauf und drängten den Spitzenreiter in die Defensive. Mehrmals zischte der Puck knapp am Sonthofener Gehäuse vorbei oder wurde von Zellhuber pariert und auch Bädermann musste gegen Topstürmer Vaitl zweimal bei schnellen Gegenangriffen alles aufbieten um einen Gegentreffer zu verhindern. Etwa 90 Sekunden vor Ende nahmen die Bayreuther ihren Goalie dann für einen sechsten Feldspieler vom Eis und die Dramatik wurde weiter auf die Spitze getrieben. Bei einem Entlastungsangriff der Gäste verhinderte Mayer mit einem spektakulären Hechtsprung das fast sichere empty-net-goal und hielt seine Mannschaft damit weiter im Spiel. Als die Bulls dann auch noch eine Strafzeit nahmen, mobilisierten die Tigers die letzten Kraftreserven und Stoyans Ausgleich per Nachschuss 13 Sekunden vor Ende verwandelte den Tigerkäfig endgültig in ein Tollhaus. So musste das Penaltyschießen über den Zusatzpunkt entscheiden und auch da erinnerte vieles an ein Hollywooddrehbuch. Nach zuletzt vielen verloren „shootouts“ ließ sich EHC-Torwart Bädermann von 4 Gästeschützen nicht überwinden bis Pertl total abgezockt seinen „Alleingang“ verwandelte und diesem denkwürdigen Eishockeyspiel endgültig die Krone aufsetzte. Ein Duell auf Play-off-Niveau zweier sehr guter Mannschaften zog alle Register dieses Sports und betrieb erneut Werbung in eigener Sache.

-bis-

706 Zuschauer  Strafen: BT: 45 Min S: 37 Min Powerplay: BT: 1/6 S: 01/6

Bayreuth: Bädermann, Sievers  – Meixner (2), Zimmermann, C.Maier, Okonek, Hermann, Potac, S.Mayer, Zimmer – F.Müller, Pertl (2), Geigenmüller (37), Bartosch (2), Waßmiller (2), Schmidt, Stoyan, Zeilmann, Schadt

Sonthofen: Zellhuber, Hornik – Schütz, Bindl (4), Lang Blaha, Krötz (2) – Vit (2), Vaitl, S.Tarrach, Sill (2), Friedl, Waibel, Gottwalz, Unzeitig, Newhook (25), Grimm (2), Hack

Tore: 0-1 (27) 5-4 Grimm (Sill, Newhook); 0-2 (45) Vit (Grimm); 1-2 (47) 4-5 Bartosch (Pertl, Potac); 2-2 (60) 6-4 Stoyan (Bartosch, S.Mayer); 3-2 (Pen) Pertl



Quellen: Nordbayerischer Kurier, EHC Bayreuth, Bayreuth Tigers GmbH